Eat this! Sechs (fast) unschlagbare Tipps für leckere Pausenbrote

Ihr Kind bringt sein Pausenbrot immer wieder unangetastet zurück nach Hause? Christian Hanne hat in seiner Kolumne die Lösung für kleine Feinschmecker gefunden: Fingerdick Nutella.

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Niemand hat die Absicht, ein Pausenbrot zu essen
| © ponce_photography/ pixabay.com

Das Pausenbrot ist bekanntermaßen eine der wichtigsten Mahlzeiten für Schulkinder. Es spendet Energie und sorgt dafür, dass sich die Schülerinnen und Schüler konzentrieren und im Unterricht gut aufpassen können. Das große Problem: Kinder essen ihr Pausenbrot nicht, sondern bringen Tag für Tag ihre Brotdose ungeöffnet aus der Schule wieder mit nach Hause. Oder noch schlimmer: Sie beißen einmal von ihrer Stulle ab, um ihren Eltern unmissverständlich klarzumachen, dass das Pausenbrot so ungenießbar ist, dass sie eher ihr benutztes Sportzeug aufessen, als einen zweiten Bissen zu nehmen.

Sicherlich, es gibt immer wieder Berichte von Kindern, die gerne und mit Begeisterung ihre Stullen verputzen, aber das fällt unter die Rubrik Sommerloch-Meldung und ist ungefähr so glaubwürdig wie die Schlagzeilen „Riesen-Anakonda im Rhein entdeckt“ oder „Zweiköpfige Ziege gewinnt Lambada-Wettbewerb“. Stattdessen nimmt laut einer aktuellen Untersuchung der Fake University die Zahl der Eltern, die unter einer Pausenbrot-Phobie leiden, seit Jahren stetig zu. Diese bedauernswerten Väter und Mütter bekommen Schweißausbrüche, wenn sie die Lunch-Boxen ihrer Kinder öffnen, aus denen sie die verschmähten Brote höhnisch angrinsen. Den ganzen Tag über denken sie an diesen schauderhaften Moment, so dass sie häufig arbeitsunfähig sind. („Ein Pausenbrot, sie zu knechten.“)

Das muss aber nicht sein! Damit Ihnen dieses Schicksal erspart bleibt, sollten Sie sich meine sechs Tipps für perfekte Pausenbrote zu Gemüte führen.

1. Das Auge isst mit

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Niemand hat die Absicht, ein Pausenbrot zu essenSie müssen sich bei der Gestaltung des Pausenbrots schon etwas mehr Mühe geben, wenn Sie wollen, dass Ihr kleiner Gourmet es auch isst | © jelly/ pixabay.comWenn Sie die Wahl hätten, eine Mahlzeit einzunehmen, die aussieht als wäre sie in einer Knastküche in einen Metallnapf geklatscht worden, oder die fein angerichtet und mit ein paar dekorativen Gewürzelementen garniert wurde, entscheiden Sie sich sicherlich für die zweite Option. So geht es möglicherweise auch Ihren Kindern. Anstatt ihnen tagaus tagein eine freudlose Graubrot-Klappstulle mitzugeben, müssen Sie schon etwas Entertainment in der Vesper-Box bieten. So ist das nun mal mit dieser vergnügungssüchtigen Jugend der heutigen Spaßgesellschaft.

Das ist auch gar nicht so schwierig. Stehen Sie einfach morgens um 4 Uhr auf, schmieren Sie Brote und stechen aus diesen dann Kreise, Sterne, Blumen usw. aus. Anschließend schnitzen Sie aus Obst und Gemüse kleine Skulpturen und Tierfiguren. Zum Schluss richten Sie den Pausensnack Ihrer Kinder in eigens dafür entwickelte so genannte Bento-Boxen zu psychedelisch anmutenden Food-Mandalas an.

Allerdings hat dieser auf die Vergnügungssucht der Kinder abzielende Pausenbrot-Ansatz auch gravierende Nachteile. Abgesehen von dem zeitlichen Aufwand und dem frühen Aufstehen verfügen auch nicht alle Eltern über die feinmotorische Fingerfertigkeit erzgebirgischer Kunsthandwerker. Da sieht die geschnitzte Karotte dann nicht aus wie ein lebensechter Tyrannosaurus Rex, sondern wie ein von einem Kometen erschlagenes Mammut. Außerdem sind Kinder in der Regel auch nicht so leicht hinters Licht zu führen. Nur weil ein Kohlrabi in der Form eines Dinosauriers daherkommt, schmeckt er immer noch wie ein doofer Kohlrabi.

2. Du sollst begehren deines Nächsten Pausenbrot

Während Kinder das von den eigenen Eltern geschmierte Pausenbrot meistens mit Missachtung strafen, finden sie die Stullen ihrer Freundinnen und Freunde wesentlich attraktiver. Das können Sie sich zunutze machen, indem Sie sich mit anderen Eltern absprechen. Abends schmieren Sie die Brote für Ihr Kind, richten Obst her und bereiten Getränke vor. Anschließend bringen Sie das Schinkenbrot zu Sabines Eltern, von denen Sie ein Käsebrötchen erhalten, bei Pauls Eltern geben Sie Ihre Apfelschnitze ab und nehmen eine Dose mit Weintrauben mit, bevor Sie schließlich den Früchtetee bei Nurcans Eltern abliefern, die Ihnen im Gegenzug eine Fruchtsaftschorle aushändigen. Am nächsten Tag tauscht Ihr Kind dann mit Sabine das Brot, mit Paul das Obst und mit Nurcan das Getränk und schon hat jedes Kind die von seinen Eltern zubereitete Vesper.

Zugegebenermaßen ist es aus ökologischen Gesichtspunkten bedenklich, wenn alle Eltern jeden Abend kreuz und quer durch die Stadt rasen, um Pausenbrote & Co. abzuliefern, aber dieser Preis muss bezahlt werden, damit die Kinder ausreichend mit Nährstoffen und Vitaminen versorgt werden. Der viel größere Nachteil dieses Pausenbrot-Tauschkreisels besteht ohnehin darin, dass er von dem sehr fragilen und wechselhaften sozialen Beziehungsgeflecht der Klassengemeinschaft abhängt. Sollte sich Ihr Kind mit Sabine, Paul und Nurcan verkrachen, wird es auf keinen Fall mehr sein Essen mit ihnen tauschen wollen, weil die voll bescheuert sind.

3. Selbst ist das Kind

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Niemand hat die Absicht, ein Pausenbrot zu essenBegrüßen Sie schon mal den neuen Dauerzustand Ihrer Küche, wenn Ihr Kind sein Pausenbrot selbst zubereitet | © chefkeem/ pixabay.comWenn Sie es irgendwann leid sind, jeden Morgen Brote zuzubereiten, die Ihr Kind nachmittags unberührt zurückbringt, dann lassen Sie es doch einfach selbst seinen Pausensnack vorbereiten. Belegt es sich nämlich seine Stullen selbst, kann es sich ja schlecht über den ekligen Stinkekäse oder die Schinkenwurst, die angeblich nach Kacka schmeckt, beschweren. Schließlich hat es sich das selbst aufs Brot gepackt. Okay, Kinder argumentieren häufig irrationaler als Donald Trump vor der UNO-Vollversammlung und werden trotzdem Sie dafür verantwortlich machen, dass ihnen das Pausenbrot nicht geschmeckt hat. Das ist nun mal das Schicksal, das Eltern zu ertragen haben.

Durch diesen Do-it-yourself-Ansatz erhöhen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind seine Jause in der Schule isst, um ein paar Prozentpunkte. Jedoch müssen Sie dafür in Kauf nehmen, Ihr morgenmuffliges Kind noch eine halbe Stunde früher wecken zu müssen, wodurch es sich in einen nuklearen Sprengkopf, der jederzeit explodieren kann, verwandelt. Außerdem sollten Sie nicht so naiv sein und glauben, Ihr Kind räumt nach dem Broteschmieren die Küche ordentlich auf. Vielmehr wird es so viel Chaos produzieren, dass Sie sich den halben Tag frei nehmen müssen, um die Küche zu renovieren und das Mobiliar zu restaurieren.

4. Denken Sie an die Vitamine!

Obst und Gemüse sollen ein wichtiger Bestandteil in der Vesper-Box Ihrer Kinder sein, denn die Vitaminzufuhr sorgt für geistige Frische und einen wachen Geist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für ein gesundes Pausenfrühstück zum Beispiel unter anderem Radieschen, Kohlrabi oder Kiwi. „Mundgerecht geschnitten werden sie bei Kindern und Jugendlichen zum beliebten Fingerfood.“ Eine Aussage, die vermuten lässt, dass die Ernährungswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der DGE kinderlos sind. Hier ein weiterer Beleg. „Kresse, Schnittlauch, Petersilie oder Basilikum beispielsweise geben den Pausenbroten die richtige Würze.“ Kennen Sie etwa ein Kind, das gerne Kresse, Schnittlauch, Petersilie oder Basilikum isst? Ja? Dann ist das wahrscheinlich mit der Lambada tanzenden, zweiköpfigen Ziege aufgewachsen.

Dennoch sollten Sie nicht auf Obst und Gemüse in der Brotdose Ihrer Kinder verzichten. Beispielsweise um den Schein verantwortungsvoller, um eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder besorgter Eltern zu wahren. Da reicht es eigentlich auch, Ihren Kindern Bananen, Paprika und Äpfel aus Plastik mitzugeben. Die verderben nicht und sind auch nicht so schwer. Aber aus ganz eigenem Interesse sollten Sie Ihren Kindern tatsächlich echtes Obst und Gemüse einpacken. Dann haben Sie beim Ausräumen der Lunch-Box immer einen gesunden Nachmittags-Snack. Auch hier gibt es eine aktuelle Untersuchung der Fake University, die besagt, dass für Eltern das von ihren Kindern verschmähte Obst und Gemüse die wichtigste Vitaminquelle ist. Ich finde das schlüssig. Oder kennen Sie Eltern, die an Skorbut leiden?

5. Sweets for my sweet

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Niemand hat die Absicht, ein Pausenbrot zu essenNehmen Sie sich ein Beispiel: So sieht wohl das perfekte Pausenbrot aus, wenn es nach Ihrem Sprössling geht | © Cris DiNoto/ unsplash.comSelbstverständlich gibt es aber eine Taktik, bei der Sie zu 100 Prozent sicher sein können, dass Ihr Kind seine Brotdose bis auf den letzten Krümel leer isst. Schmieren Sie einfach fingerdick Nutella auf pappiges Weißmehltoast und überziehen Sie jegliches Obst mit flüssiger Schokolade. (Den Gemüsequatsch lassen Sie komplett weg.) Ihr Kind wird Sie dafür lieben und Ihrer Wahl zu „Eltern des Jahres“ steht nichts mehr im Wege. (Vor allem, wenn Sie Ihrem Kind auch noch erlauben, rund um die Uhr am Handy zu zocken.)

Freilich ist diese Schokomethode nicht ganz unumstritten und Sie behalten Sie besser für sich. Andere Eltern würden darauf nämlich kaum empörter reagieren, als wenn Sie ihrem Kind jeden Tag ein Crack-Pfeifchen zur Steigerung seiner Leistungsfähigkeit mitgäben.

6. Schmier it like Jamie

Wenn Sie vor Nutella-Pausenbroten zurückschrecken, sollten Sie sich mal überlegen, ob die Stulle Ihres Kindes zu phantasie- und einfallslos ist und deswegen boykottiert wird. Jeden Tag labberiges Weizenmischbrot aus dem Backshop mit dick Butter, belegt mit gummiartigem Käse oder unter fragwürdigen Bedingungen hergestellter Wurst sind ja auch wirklich öde.

Versuchen Sie es doch mal mit einer etwas exquisiteren Kreation und lassen Sie sich von Jamie Oliver inspirieren. „Jamie Oliver?!“, schreien Sie jetzt vielleicht auf. „Das ist doch der Typ, der seine Kinder mit scharfen Chili-Schoten bestraft. Das geht ja wohl gar nicht!“ Damit haben Sie selbstverständlich Recht, aber Sie sollen sich von ihm ja auch keine Erziehungstipps geben lassen, sondern seine Lunchbox-Rezepte nachkochen. (Ebenso fragwürdig wie die Bestrafungsmethoden von Jamie Oliver ist übrigens die Namensgebung für seine Kinder. Die heißen nämlich Buddy Bear Maurice, Petal Blossom Rainbow, Poppy Honey Rosie, Daisy Boo Pamela und River Rocket Blue. Wahrscheinlich hat Jamie Oliver selbst zu oft an den scharfen Chili-Schoten gelutscht.)

Aber zurück zum Thema. Exquisite Pausenbrotschöpfungen. Bereiten Sie zum Beispiel ein knackiges Mohnbrötchen mit gebratenen Chorizowürstchen, selbst gemachtem Kichererbsen-Tomaten-Aufstrich und Rucola zu. Sie fragen sich, ob Ihr Kind das mögen wird? Natürlich nicht, aber dafür haben sie ein sehr leckeres Abendessen. Und hier noch der ultimative Tipp, den ich schon einmal in einer früheren Kolumne aufgeschrieben habe: Essen Sie das Sandwich am besten gleich nach der Zubereitung. Dann schmeckt es am besten und Ihr Kind muss es nicht umsonst in die Schule schleppen. Guten Appetit!

Weitere Impulse für einen stressfreien Schulfamilienalltag gibt es im scoyo-Podcast #scoyolo: Für mehr Leichtigkeit beim Lernen

Weitere Kolumnen von Christian Hanne hier im ELTERN! Magazin:

Über den Autor

Christian Hanne vom Blog Familienbetrieb Christian Hanne, Jahrgang 1975, ist im Westerwald aufgewachsen und hat als Kind zu viel von Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und ihren beiden Kindern in Berlin-Moabit. Auf seinem Blog „Familienbetrieb“, auf Twitter und Facebook schreibt er über den ganz normalen Alltagswahnsinn. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.

Am 17. Oktober erscheint sein neues Buch „Ein Vater greift zur Flasche. Sagenhaftes aus der Elternzeit“ im Seitenstraßenverlag.

 

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