Adventskalender-Tipps für jedes Kinderalter. Und für den schmalen Geldbeutel

So ein Adventskalender kann ganz schön was kosten. Damit Sie und Ihre hyperaktiven Backenhörnchen zu Weihnachten kein Knäckebrot mümmeln müssen, hat Kolumnist Christian Hanne Adventskalender-Tipps für jeden Geldbeutel.

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Adventskalender-Tipps für jedes Kinderalter. Und für den schmalen Geldbeutel
Glaubt man Weihnachtsmythen wurde der Adventskalender von Eltern erfunden, die die Frage nicht mehr hören konnten, wann denn nun endlich Weihnachten ist | © cirquedesprit\fotolia.com

Die Adventszeit. Zeit der Besinnung, des Weihnachtsgebäcks und des billigen Glühweins, von dem man immer so fürchterliche Kopfschmerzen bekommt. Und die Zeit, in der die Kinder einen so lange fragen, wie lange es noch bis Weihnachten ist und wann endlich der Weihnachtsmann die Geschenke bringt, bis man kurz davor ist, sich heißen Kerzenwachs ins Ohr zu träufeln.

Glücklicherweise gibt es aber den Adventskalender, der wahrscheinlich von einem Elternteil erfunden wurde, das kurz davor war, sein Kind anzubrüllen: "DER VERDAMMTE WEIHNACHTSMANN KOMMT, WENN ER KOMMT!" Adventskalender vermitteln kleinen Kindern, die noch kein Gefühl für Zahlen und Zeit haben, oder größeren Kindern, die sehr schlecht in Mathe sind, wie viele Tage es noch bis Weihnachten sind.

Während für die Kinder der Adventskalender ein Highlight der Vorweihnachtszeit ist, stehen Eltern vor der schwierigen Herausforderung, ihn zu planen, zu gestalten und zu bestücken. Das ist gar nicht so einfach, denn schließlich müssen die 24 Überraschungen im Adventskalender dem Alter des Kindes angemessen sein und einen außerdem nicht in den finanziellen Ruin stürzen, so dass die Familie an Heiligabend Knäckebrot mümmeln muss, weil das gesamtes Dezembergehalt inklusive Weihnachtsgeld in den Adventskalender geflossen ist.

Freuen Sie sich daher über die folgenden Tipps zu Adventskalendern für jedes Alter, die auch noch überaus preiswert sind.

1 – 2 Jahre: Der Quality-Time-Kalender

Wenn Ihr Kind noch recht klein ist, das heißt so ungefähr anderthalb bis zwei Jahre, glauben Sie vielleicht, dass es noch keinen Adventskalender braucht. Damit haben Sie einerseits recht, denn in diesem Alter bewegt sich ihr Nachwuchs intellektuell ungefähr auf dem Niveau eines Schimpansenbabys und kann mit dem Konzept Adventskalender noch nichts anfangen. Andererseits wird es aber ähnlich wie ein Schimpansenbaby Gefallen daran finden, kleine Schachteln oder Tüten zu öffnen und mit raschelndem Verpackungsmaterial zu spielen.

Daher sollten Sie Ihrem Kind unbedingt einen Adventskalender basteln. Nicht um dem Kind, sondern um sich selbst eine Freude zu bereiten. Der Kleinkind-Kalender ist weder besonders aufwändig, noch sonderlich teuer. Besorgen Sie einfach 24 kleine Schachteln, in die Sie jeweils ein zerknülltes Papiertaschentuch stecken. Im Dezember geben Sie Ihrem Kind jeden Morgen eines der Schächtelchen und werden sehen, wie es sich ausgiebig damit beschäftigt, die Schachtel zu öffnen, das Taschentuch herauszuholen, es zurückzustecken und die Schachtel zu verschließen. Dann geht das Ganze wieder von vorne los. Sie können diese Beschäftigungstherapie Ihres Kindes nutzen, um sich eine Viertelstunde For-Me-Time zu gönnen, in der Sie entspannt Kaffee trinken. Oder ungestört aufs Klo gehen.

3 – 4 Jahre: Der pragmatische Alltags-Kalender

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Adventskalender-Tipps für jedes Kinderalter. Und für den schmalen Geldbeutel: Der pragmatische Alltags-KalenderIm Grunde ist es dem Nachwuchs ganz egal, was in den Advents-Geschenken drin ist, solange es eben Geschenke gibt! Praktisch, um den Unterhosen-Vorrat aufzustocken | © Prostock-studio\fotolia.com

Wenn Ihr Kind etwas älter ist und kognitiv dem Primatenstatus allmählich entwachsen ist, wird es leider etwas anspruchsvoller, was den Adventskalender angeht und lässt sich nicht mehr so einfach mit Kartons und Taschentüchern abspeisen lassen. Ganz im Gegenteil wird es im Alter von drei bis vier Jahren ganz versessen auf Geschenke sein und kann gar nicht genug davon bekommen. Diese maßlose Gier, die man sonst allenfalls von Wall-Street-Bankern kennt, führt zum Glück auch dazu, dass es Kindern vollkommen egal ist, welche Überraschungen der Adventskalender bereithält, so lange sie nur irgendetwas auspacken können.

Machen Sie sich dieses materialistische Verlangen zunutze, indem Sie einfach Dinge des täglichen Bedarfs in den Kalender packen, die Sie ohnehin für das Kind anschaffen müssen. Zum Beispiel neue Handschuhe, ein Paar Socken, eine Zahnbürste, ein Schlafanzug oder Ähnliches. Ihrer Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt.

Die Kosten für so einen Kalender erscheinen auf den ersten Blick relativ hoch zu sein. Insbesondere wenn es am 24. neue Winterschuhe gibt, für die Sie Ihre Niere im Internet versteigern mussten. Da Sie diese Sachen aber sowieso irgendwann kaufen müssen, bekommen Sie den Kalender quasi zum Nulltarif. Und weil Sie sonst nichts für die täglichen Überraschungen ausgeben müssen, haben Sie mit dem Adventskalender sogar noch Geld gespart. Das soll Ihnen erstmal einer nachmachen!

5 – 6 Jahre: Der Drei-Geschenke-Rotations-Kalender

Im Alter von fünf bis sechs Jahren bekommt Ihr Kind dann allerdings mit, was seine Spielkameraden in ihren Adventskalendern haben. Dadurch entstehen neue Begehrlichkeiten und die morgendliche Freude Ihres Kindes über eine praktische Unterbuchse wird sich in Grenzen halten. Stattdessen verlangt es nach Spielzeug in seinem Adventskalender.

Der Gedanke an die Kosten für einen Spielzeug-Kalender treibt Ihnen womöglich den finanziellen Angstschweiß auf die Stirn. Doch keine Sorge, glücklicherweise verlieren Kinder in diesem Alter andauernd ihre Sachen. Somit benötigen Sie eigentlich nur drei kleine Überraschungen, mit denen Sie durch ein geschicktes Rotationsprinzip den kompletten Kalender befüllen können.

Am ersten Tag gibt es einen Flummi, den das Kind spätestens am dritten Tag verbummelt hat und den Sie ihm dann für den vierten Tag wieder in den Kalender stecken. Da Fünf- bis Sechsjährige über die Aufmerksamkeitsspanne eines hyperaktiven Backenhörnchens verfügen, wird Ihr Kind das gar nicht merken, sondern sich wie Bolle über die neue Überraschung freuen. Am fünften Tag bekommt es erneut die Knete vom zweiten Tag, am sechsten das kleine Puzzle von Tag Drei, bevor es dann am siebten Tag wieder den Flummi erhält. Ich denke, Sie haben das Prinzip verstanden.

Folglich müssen Sie nicht mehr als zehn Euro für den Spielzeug-Kalender ausgeben und das Kind hat trotzdem jeden Tag Spaß. Mehr Win-Win-Situation geht nicht!

7 – 9 Jahre: Der Gutschein-Kalender

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Adventskalender-Tipps für jedes Kinderalter. Und für den schmalen Geldbeutel: GutscheineGutscheine für den Adventskalender klingen erst einmal nach einer guten Idee – bis ständige Kinobesuche mitsamt tonnenweiser Popcornanschaffung die Familie in die Armut treiben | © serhiibobyk\fotolia.com

Besucht Ihr Kind erstmal die Grundschule, werden Sie mit dem Drei-Geschenke-Rotations-Adventskalender leider nicht mehr durchkommen. Hat das Kind aber erstmal lesen gelernt, eröffnen sich für den Adventskalender ganz neue Möglichkeiten: Gutscheine!

Anstatt 24 kostspielige Geschenke und Überraschungen zu besorgen, für die Sie Ihren Bausparvertrag kündigen müssen, bereiten Sie einfach für jeden Tag einen Gutschein vor. Diese haben den unschätzbaren Vorteil, dass sie häufig überhaupt nicht eingelöst werden und dadurch das Haushaltsbudget nicht sonderlich belasten.

Dennoch sollten Sie nicht unvorsichtig sein und Kino-, Zoo- oder Freizeitpark-Gutscheine ausstellen, was Sie sehr schnell in den Dispo-Abgrund stürzen kann. In einem Moment sitzen Sie noch mit der ganzen Familie in einem Multiplex-Cinema, wo Sie einen Trog Popcorn verputzen und eine Badewanne voll Softdrinks trinken, und im nächsten erklärt Ihnen Peter Zwegat in Ihrer Küche an seinem Flipchart, dass Sie künftig auf Smartphone, Streaming-Dienst, WLAN sowie Obst und Gemüse verzichten müssen, um die Privatinsolvenz zu verhindern. Kein schönes Szenario so kurz vor Weihnachten.

Verschenken Sie deswegen lieber Gutscheine für Ihre alltäglichen familiären Verrichtungen und Dienstleistungen. Zum Beispiel für "1x Abendbrot", "1x Wäsche waschen" oder "1x Hausaufgaben kontrollieren". Diese Gutscheine sind nicht nur billig, sondern Ihr Kind wird ziemlich schnell so angeödet davon sein, dass es nach spätestens einer Woche auf das Öffnen der Gutscheine verzichtet.

10 – 12 Jahre: Der Süßigkeiten-Kalender

Eltern-Ratgeber: Kolumne: Adventskalender-Tipps für jedes Kinderalter. Und für den schmalen Geldbeutel: Süßigkeiten-KalenderDie (natürlich selbstgestrickten!) Jutebeutelchen und ihre (natürlich vegane, gluten-, laktose- und zuckerfreie!) Keksfüllung sind die reinste Augenzierde und jeden noch so großen Aufwand wert! | © flockine\pixabay.com

Ist Ihr Kind dem Grundschulalter entwachsen, können Sie den Adventskalender endlich mit Süßigkeiten befüllen. Bei kleineren Kindern ist das noch problematisch, weil man sich da immer gegenseitig mit anderen Eltern versichert, dass die Kinder nur in ganz seltenen Ausnahmefällen Süßigkeiten essen. Da kommt es dann nicht so gut, wenn Ihr Kind jeden Morgen mit Schokolade verschmiertem Mund in der Kita oder Grundschule erscheint.

Bei Kindern, die eine weiterführende Schule besuchen, sind die Ansichten über den Konsum von Süßigkeiten glücklicherweise nicht mehr ganz so rigide, was die Adventskalendergestaltung erheblich erleichtert. Allerdings sollten Sie nicht den Fehler machen und einen Schoko-Adventskalender im Supermarkt kaufen. Die enthalten nämlich meistens eklige Pressschokolade, die schmeckt als sei sie ein Abfallprodukt, das bei der Erdölgewinnung entsteht. Außerdem sind gekaufte Schoko-Kalender unter Eltern absolut verpönt. Wenn Sie rumerzählen, dass Ihr Kind einen Kauf-Kalender bekommt, werden Sie von anderen Eltern Reaktionen ernten, als hätten Sie gerade verkündet, demnächst bei RTL2-Frauentausch mitzumachen.

Daher müssen Sie sich schon ein wenig mehr Mühe mit dem Süßigkeiten-Adventskalender geben. Am besten wäre es natürlich, Sie nähten 24 kleine Jutebeutelchen, die sie mt Filzzahlen und -sternen verzieren und mit selbstgebackenen veganen, gluten-, laktose- und zuckerfreien Keksen befüllen. Höchstwahrscheinlich fehlen Ihnen aber Zeit und vor allem Talent für die Herstellung eines repräsentablen Do-it-yourself Kalenders. Dann nehmen Sie einfach 24 Butterbrottüten und lassen sie diese gegen ein kleines Honorar vom Nachbarskind mit Sternen bemalen und Zahlen beschriften. Nun kaufen Sie Marzipan, Nougat, Blätterkrokant und Weihnachtsmandeln, mit denen Sie die Tüten individuell bestücken. Das ist zwar etwas mehr Arbeit, als einfach 24 Überraschungseier in die Tüten zu stopfen, aber es bleiben sicherlich einige Süßigkeiten übrig, die Sie dann selbst essen können. So haben Sie wenigstens auch etwas von dem Adventskalender-Stress.

Die Post-Adventskalender-Ära

Irgendwann wird sich das Thema Adventskalender erledigt haben. Voraussichtlich im gehobenen Teenager-Alter wird Ihr Kind das albern finden und auf einen Adventskalender verzichten. Zumindest war das bei mir so.

Wenn man dann allerdings etwas älter ist und einen Adventskalender eigentlich wieder ganz schön fände, bekommt man keinen mehr. Meine Eltern haben mir beispielsweise seit Jahrzehnten keinen Adventskalender mehr geschenkt. Also, Mutter und Vater, falls ihr diese Kolumne lest: Ihr habt noch eine Woche Zeit. Ich freue mich auch über Gutscheine. Zum Beispiel für "1x am Sonntag telefonieren".

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Über den Autor

Christian Hanne vom Blog Familienbetrieb Christian Hanne, Jahrgang 1975, ist im Westerwald aufgewachsen und hat als Kind zu viel von Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und ihren beiden Kindern in Berlin-Moabit. Auf seinem Blog „Familienbetrieb“, auf Twitter und Facebook schreibt er über den ganz normalen Alltagswahnsinn. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.

Im September ist sein Buch "Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith" im Seitenstraßenverlag erschienen. In zwölf gar nicht mal so kurzen Kurzgeschichten sinniert er darüber, wie Schwangerschaft, Marathongeburten und nachtaktive Babys eine moderne, gleichberechtigte Partnerschaft auf die Probe stellen.

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