10 Tipps: Medienerziehung in der Familie (inklusive vieler hilfreicher Links)

Schritt für Schritt gemeinsam die neue, digitale Welt erkunden – das ist wohl der beste Tipp, wenn´s ums Thema Medienerziehung in der Familie geht. Wir verraten, worauf es ankommt.

Kinder und Medien: Medienerziehung in der Familie
Medienerziehung heißt auch begleiten - von Anfang an | © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

Mit Beginn der Grundschule und im weiteren Verlauf werden digitale Medien für Kinder immer wichtiger – in Bezug auf Schule und Lernen ist das auch gut so, bergen digitale Medien doch immense Vorteile. Gleichzeitig wirft das Thema Medienerziehung in der Familie immer wieder große Fragezeichen auf:

Ab welchem Alter ist ein eigenes Tablet okay? Wie lang darf ein 10-Jähriger im Internet surfen? Und wie verhindere ich, dass mein Kind auf Seiten stößt, die es verunsichern könnten? Fragen über Fragen, die leider gar nicht so leicht zu beantworten sind.

HINWEIS: Um das Thema Medienerziehung ging es auch beim ersten scoyo Elternabend, bei dem solche Fragen von Experten beantwortet wurden.

Medienerziehung: Allgemeingültige Regeln greifen zu kurz

Fakt ist: Jedes Kind hat individuelle Voraussetzungen und somit eine ganz eigene Ausgangsbasis, ist mehr oder weniger anfällig für einen "exzessiven" Medienkonsum oder Gefahren, die im Internet lauern.

Pauschalisierte Vorgaben von Experten bieten deshalb nur eine Orientierung und gelten nicht als festes Regelwerk. Denn was ist, wenn Ihr Kind eine eigene Schülerzeitung am PC kreiert, online lernt oder auch Plakate „bastelt“?  Gemeinsam mit Mediencoach Kristin Langer haben wir deshalb einen Test für Eltern entwickelt, mit dem Sie besser beurteilen können, wie sinnvoll, maßvoll und bewusst Ihr Kind digitale Medien nutzt. Im Anschluss erhalten Sie individuelle Anregungen für die Medienerziehung in Ihrer Familie.

Machen Sie den Medienkompetenz-Test!

Grundsätzlich sollten Eltern ein paar Hinweise beachten, um den Nachwuchs optimal beim Einstieg in die digitale Welt begleiten zu können. Im Folgenden finden Sie eine kleine "Anleitung".

Schritt für Schritt: Medienerziehung in der Familie

Tipp 1: Das Internet nicht verteufeln

Neben der unmittelbar greifbaren Welt bietet auch der virtuelle Raum Ihrem Kind die Möglichkeit, mit Neugierde die Welt zu entdecken – und das sollte es auch dürfen. Denn gleichzeitig erschließt sich Ihrem Kind so eine wichtige Kulturtechnik unserer Zeit. So ist das Internet u. a. auch ein sinnvoller Lernbegleiter.

Online lernen mit Spaß

Beim Lernen mit scoyo beispielsweise kann Ihr Kind am Computer den Schulstoff der Klassen 1-7 mithilfe interaktiver Lerngeschichten vertiefen. 
Kuma

Hier kostenlos ausprobieren!

Tipp 2: Wichtige Begriffe und Inhalte erklären

Um eine erste Basis zu schaffen, ist es sinnvoll, wenn Sie Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter die wichtigsten Begriffe des Internets erklären können: Was bedeutet es, online zu sein? Was sind Chats und wie nutze ich Suchmaschinen? Außerdem sollten Sie, ggf. etwas später, auch Themen wie Datenschutz oder sichere Webseiten erklären bzw. im Gespräch über Veränderungen bleiben. Je mehr Sie Ihrem Kind am Anfang erklären können, desto besser kann es das Netz sicher nutzen. Guter Nebeneffekt: Ihr Kind entdeckt Sie als wichtigen Ansprechpartner für alle Fragen zum Internet und zu digitalen Medien.

Tipp 3: Medienerziehung in der Familie heißt auch, Vorbild sein

Einen gesunden Umgang mit Medien erlernt Ihr Kind dank guter Vorbilder, von denen es erfährt, dass Laptop und Smartphone ein wichtiger, aber eben nur ein Teil seiner Lebenswirklichkeit sind. Ihr eigenes Nutzungsverhalten sollte so maßvoll sein, wie Sie es von Ihrem Kind erwarten – denn Kinder ahmen nach und folgen Ihrem Beispiel, nicht Ihrem Rat. Wenn Eltern ihre Freizeit vor dem Laptop verbringen, wird ihr Kind kaum verstehen, warum es soziale Kontakte pflegen soll.

► Unser Familien-Test zum Ausdrucken hilft Eltern und Kindern beim bewussteren Umgang mit digitalen Medien.

Tipp 4: Internet kindersicher machen

Zunächst sollten Sie den heimischen Computer kindersicher machen. Dazu gehört z. B. auch die Installation eines Jugendschutzfilters oder einer Schutzsoftware wie JusProg oder KinderServer. Zu empfehlen ist auch die App meine-startseite.de. Dadurch kann Ihr Kind nur auf bestimmte Seiten zugreifen und Sie können zumindest zu Hause eingrenzen, was es im Internet ansehen kann.

► Mehr dazu: "Kindersicher auf allen Geräten" – Ein Leitfaden für Eltern

Anschließend sollten Sie sich über Einstiegsseiten und Suchmaschinen informieren, die nur Inhalte anzeigen, die für Kinder geeignet sind. ► Einen Überblick finden Sie hier: Die besten Kinderinternetseiten – Spiel, Spannung und Wissenswertes für Kinder im Internet. Suchen Sie hier zusammen nach Bastelvorlagen, Tipps für die Haustierpflege oder anderen Dingen, für die sich Ihr Kind interessiert und ermutigen Sie es gleichzeitig, Medien auch kreativ bzw. produktiv zu nutzen.

Sie sind verunsichert, welche Angebote für die Altersklasse Ihres Kindes freigegeben sind? Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSK) helfen bei der Orientierung. Individuelle Empfehlungen kann die Altersangabe allerdings nicht bieten. Sie können meist am besten beurteilen, ob Ihr Kind schon alt genug für gewisse Inhalte ist – ein großes Plus für die Medienerziehung in der Familie. 

Tipp 5: Gefahren thematisieren

Wenn Sie sich durch die Seiten klicken, lernt Ihr Kind auch, Inhalte zu beurteilen. Wann handelt es sich z. B. um Werbung? Verdeutlichen Sie, wie schnell im Internet ein Klick zur Bestellung wird und wie man sich davor schützen kann. Dabei sollten Sie auch erklären, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man etwas von illegalen Webseiten herunterlädt.

► Mehr Infos: Sicherheit im Internet: Wo lauern Gefahren für Kinder?

Tipp 6: Nicht zu ängstlich sein

Ab einem gewissen Alter Ihres Kindes wird es unwahrscheinlich, dass Sie immer vollständig im Blick haben, wann und wofür es Medien nutzt. Wenn Sie Ihrem Schulkind zu Hause verbieten, Spiele oder Videos anzuschauen, hat es sicher bei Freunden Zugriff darauf. Deshalb ist es besser, wenn Sie vermitteln, dass es in Ordnung ist, "Nein" zu sagen. Jeder Schüler muss auch seine eigenen Erfahrungen machen (dürfen). Umso wichtiger ist es aber, dass der Nachwuchs kritisch und selbstbewusst mit den Inhalten umgehen kann und weiß, dass es sich an Sie wenden kann.

Tipp 7: Übermäßigen Medienkonsum vermeiden

► Kommt die Zeit für das ersten Smartphone, kann ein Eltern-Kind-Vertrag das Gespräch über mögliche Risiken fördern und helfen, Regeln im Umgang mit dem neuen Gerät festzulegen

Grundschüler müssen erst noch lernen, wie man sinnvoll mit Medien umgeht. Zunächst strömt alles Multimediale ungefiltert auf sie ein. Deshalb ist ein wichtiger Punkt bei der Medienerziehung in der Familie, darauf zu achten, dass Kinder nicht medial überfordert werden. Dabei hilft es, klare Regeln zu formulieren.

Je älter Schüler werden, desto mehr können sie auch in Entscheidungen einbezogen werden. So lernen sie, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

Generell kommt es bei der Zeitvorgabe immer darauf an, womit sich Ihr Kind online beschäftigt. "Daddeln" sollte stark begrenzt werden, online lernen, Hausaufgabenrecherche oder andere wirklich sinnvolle Beschäftigungen könnten als Extra-Zeit vergeben werden. 

Wenn Sie den Medienkonsum Ihres Kindes begrenzen, geben Sie Ihrem Kind aber auch die Zeit, sich darauf einzustellen. Generell sollten andere Aktivitäten, ohne Medien, einen höheren Stellenwert im Leben Ihres Kindes einnehmen, denn sie sind wichtig für seine positive Entwicklung.

Tipp 8: Unterstützung holen und annehmen

Sie sind nicht allein für die Medienerziehung Ihres Kindes verantwortlich. In Lehrern und anderen Eltern finden Sie wichtige Partner, die sich oft in derselben Situation befinden wie Sie. Lassen Sie sich aber nicht verunsichern – Sie wissen am besten, was das Richtige bzw. Beste für Ihr Kind ist.

Tipp 9: Im Gespräch bleiben

Medienerziehung in der Familie ist mehr als nur Regeln aufzustellen: Kinder wollen ernst genommen werden. Wenn Sie sich für die Inhalte interessieren, mit denen sich Ihr Kind beschäftigt, bleiben Sie ein guter Ansprechpartner. Das ist unter Umständen besser, als wenn Freunde oder Geschwister diese Rolle übernehmen.

Spielen Sie doch einfach mal mit und lassen Sie sich das neuste Online-Game erklären – das pusht das Selbstbewusstsein und fördert die Kommunikation auf Augenhöhe. Sollte Ihnen etwas nicht gefallen, was Ihr Kind gern spielen oder ansehen möchte, erklären Sie ihm genau, warum – dabei lernt es viel mehr als durch starre Verbote.

► Mehr dazu: scoyo fragt: Katia Saalfrank zum Umgang mit Medien in der Familie

Tipp 10: Die Frage nach dem eigenen Gerät individuell beurteilen

Je unabhängiger die Heranwachsenden werden, desto stärker wird der Wunsch nach einem eigenen Laptop oder Smartphone. Für den Einstieg genügt ein Computer im gemeinsam genutzten Wohnzimmer. Mit Wechsel zur weiterführenden Schule können Sie darüber nachdenken, Ihrem Kind ein eigenes Gerät anzuvertrauen.

Tauschen Sie sich aber weiterhin darüber aus, wie und wofür es digitale Medien nutzt. Für ein eigenes Smartphone sollte der Nachwuchs schon über gutes Grundlagenwissen in Sachen digitale Medienwelt verfügen, das heißt Zusammenhänge erkennen und verstehen. Checkliste "Ist Ihr Kind reif für ein Smartphone" von klicksafe.de

Ob ein eigener Laptop, ein Tablet oder Smartphone für Ihr Kind angebracht ist, hängt auch von der Frage ab, wofür es das Gerät nutzt. Muss Ihr Kind beispielsweise vermehrt am Computer für die Schule lernen, kann ein eigener Laptop sinnvoll sein. Verabredete Nutzungszeiten sollte es natürlich auch am eigenen Gerät einhalten.

Tipp: Ihr Kind lernt, Verantwortung zu übernehmen, wenn es sich an den Kosten beteiligt. Eine selbst finanzierte Prepaid-Karte hilft, die laufenden Handykosten im Blick zu behalten.

Weitere Links mit Tipps zur Medienerziehung in der Familie

Alles zum Thema Sicherheit im Netz

Surfen ohne Risiko

Surfen ohne Risiko richtet sich an die ganze Familie. Die Webseite hilft bei der Medienerziehung, indem Eltern und Kindern hier gemeinsam das Internet entdecken.

fsm.de/jugendschutz

Alle wichtigen Infos rund um das Thema Jugendschutz finden Sie bei der freiwilligen Selbstkontrolle (fsm).

KinderServer

Der KinderServer ist ein kostenloses Plugin, das nach Aktivierung alle aufgerufenen Internetseiten auf ihre Eignung für Kinder prüft. So kann Ihr Kind in sicherer Umgebung surfen.

Gute Webseiten für Kinder

Die besten Kinderinternetseiten

Das Internet bietet viele tolle Möglichkeiten, um zu lernen, zu spielen und zu kommunizieren – wichtig ist, dass sich Kinder auf Seiten bewegen, die für ihre Augen bestimmt sind. Hier finden Sie viele tolle Kinderinternetseiten, die u. a. großen Wert auf Sicherheit legen.

Online lernen in sicherer Umgebung

Ratgeber Lernen im Internet

Der Ratgeber "Lernen im Internet" zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Kinder beim Online-Lernen unterstützen können – inklusive vieler praktischer Tipps zur Medienerziehung. (PDF, 25 Seiten, 3 MB)

Medieninitiativen mit vielen Tipps & Checklisten für Eltern

SCHAU HIN!

Handy, Internet & Co. sinnvoll nutzen, das hat sich SCHAU HIN! zur Aufgabe gemacht. Als Medienratgeber informiert SCHAU HIN! Eltern über alle Facetten des Internets. Das breite Informationsangebot wird durch Broschüren, eine App und persönliche Beratung ergänzt.

klicksafe

klicksafe ist eine Initiative, bei der vor allem die Medienerziehung im Vordergrund steht. Auf der Webseite finden Eltern eine Menge Informationen zu Risiken und Chancen des Internets, die u. a. in Form von Broschüren bereitgestellt werden. Klicksafe ist auch in der Öffentlichkeitsarbeit sehr aktiv, wie z. B. über den Aktionstag "Safer Internet Day".

Alles was Eltern über Soziale Netzwerken wissen müssen

Chatten ohne Risiko

Chatten ohne Risiko befasst sich mit Jugendschutzrisiken in sozialen Netzwerken. Seit 2004 prüft und bewertet es Kommunikationsdienste auf ihre Eignung für Kinder.

ins-netz-gehen.de

Online sein mit Maß und Spaß – ins-netz-gehen.de richtet sich an Kinder und dreht sich um den verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken. 

Informationen zu Computerspielen

USK

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist eine freiwillige Einrichtung der Computerspielbranche. Dort werden Computerspiele geprüft und bestimmten Altersklassen zugeordnet. Auf diese Kennzeichnung sollten Sie unbedingt achten, wenn Ihr Kind mit Computerspielen in Kontakt kommt.

Spieleratgeber NRW

Ein Ratgeber zu Computer- und Konsolenspielen, der eine Ergänzung zur USK-Kennzeichnung darstellt. Die Spiele werden unter pädagogischen Gesichtspunkten und von Kindern und Jugendlichen getestet. Außerdem gibt es Informationen und Hilfestellungen rund um die Spielewelt. Eltern können sich in Diskussions- und Meinungsforen austauschen.

spielbar.de

spielbar.de ist eine Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung zum Thema Computerspiele. Eltern können sich hier über Computerspiele informieren und Beurteilungen über deren pädagogische Eignung einsehen. 

 

Mehr zum sinnvollen Umgang mit Medien in der Familie

scoyo-Elternabend: Kinder und Medien - welche Regeln für die Mediennutzung funktionieren?

Welche Regeln zur Mediennutzung sind wirklich sinnvoll, und wie setzt man sie durch? Diese und weitere Fragen zum Umgang mit Medien in der Familie stellten wir Kindern, Eltern und Medienpädagogen auf unserem 5. scoyo Elternabend. Hier können Sie die Diskussion noch einmal online ansehen und erhalten viele praktische Tipps von unseren Experten.

Bewertung

Bewerten Sie diesen Artikel:
5 von 5 Sternen (1 Bewertung)
Sie haben diesen Artikel bewertet. Vielen Dank für Ihr Feedback.

Kommentare