Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

Jeder dritte Schüler in Deutschland wurde in der Schule schon einmal beleidigt, verhöhnt oder erpresst. Was Sie tun können, wenn Ihr Kind gemobbt wird.

Schule: Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?
Jeder dritte Schüler in Deutschland wird in der Schule gemobbt. | © pololia / Fotolia.com

31,2 Prozent der deutschen Schüler wurden schon mindestens einmal "schikaniert oder fertiggemacht". Das ergab eine Studie des Zentrums für Angewandte Gesundheitswissenschaften der Universität Lüneburg. Dass es Konflikte in Schulen wohl immer geben wird, ist bekannt. Doch Mobbing geht viel weiter: Beleidigungen werden zum Dauerzustand, Auseinandersetzungen werden nicht angemessen gelöst. Für betroffene Schüler gleicht der Gang in die Schule dann schnell einem Alptraum.

Wird mein Kind gemobbt? Alarmsignale richtig deuten

Um zu erkennen, ob Ihr Kind gemobbt wird, sollten Sie auf folgende Alarmsignale achten (diese treffen nicht bei allen gleich stark zu, sondern kommen in verschiedenen Ausprägungen vor):

Kinder, die gemobbt werden,

  • ziehen sich oft zurück, wirken ängstlich und niedergeschlagen.
  • klagen über gesundheitliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit.
  • wirken besonders nach der Schule nervös und angespannt.
  • wollen nicht mehr allein in die Schule gehen, sondern von ihren Eltern gebracht werden.
  • wollen häufig gar nicht mehr zur Schule gehen. Schulische Leistungen fallen rapide ab.
  • erfinden Ausreden bei körperlichen Verletzungen, dem Verlust oder der Beschädigung von Gegenständen.
  • meiden Klassenkameraden und bleiben am Nachmittag lieber allein zu Hause.

Tipps für Eltern: Was kann ich tun, wenn mein Kind gemobbt wird?

Ganz wichtig: enger Kontakt zur Schule. Eltern und Lehrer sollten gemeinsam gegen das Mobbingproblem angehen. Tipps für ein erfolgreiches Eltern-Lehrer-Gespräch gibt es in unserer kostenlosen Checkliste: 

Falls Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind gemobbt wird, sollten Sie schnell handeln. Ihr erster Ansprechpartner ist Ihr Kind selbst. Der Sozialpädagoge und Experte zum Thema "Mobbing unter Kindern und Jugendlichen" Frank Schallenberg rät dazu, Kinder zum Reden zu ermutigen, aber nicht zu drängen. Ist das Thema einmal auf dem Tisch, sollten Eltern warten, bis das Kind auf sie zukommt.

In einem zweiten Schritt müssen Eltern Kontakt zur Schule aufnehmen. Sprechen Sie mit dem Klassen- oder Vertrauenslehrer oder wenden Sie sich an die Schulleitung (Hier finden Sie Tipps fürs Lehrergespräch). Oftmals ist das Mobbing Teil einer Klassendynamik, die am besten von der Schule selbst gelöst werden kann. Finden Sie an der Schule Ihres Kindes kein Gehör, sollten Sie nicht zögern, sich ans zuständige Schulamt oder den Schulpsychologischen Dienst zu wenden. Informationen und Beratungsangebote finden Sie auch bei der Kinder- und Jugendhilfe unter http://www.kinder-jugendhilfe.info/ 

Halten Sie auch weiterhin Kontakt zur Schule: Besuchen Sie Elternsprechtage und Elternabende, um über die Vorgänge an der Schule Ihres Kindes informiert zu sein. So zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie Bescheid wissen, und es fühlt sich nicht allein gelassen.

Sie sollten sich allerdings besser nicht direkt an den oder die Mobber wenden, da Sie damit die Position Ihres Kindes schwächen.

Geben Sie Rückendeckung!

So wichtig es ist, sich Hilfe von außen zu holen und gegen das Mobbing anzugehen, so wichtig ist es auch, dass Sie Ihr Kind aufbauen und sein Selbstbewusstsein stärken:

  • Vermitteln Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie immer da sind.
  • Nehmen Sie sich Zeit zum Zuhören und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie es ernst nehmen.
  • Machen Sie deutlich, dass die Schuld keinesfalls bei ihm selbst zu suchen ist, sondern der Täter einen Fehler macht.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes durch gutes Zureden, sportliche Aktivitäten oder andere Hobbies. Mit jedem Erfolg, den Ihr Kind verzeichnet, steigt das Selbstwertgefühl.

Was kann mein Kind tun, wenn es gemobbt wird?

  • Kinder, die Opfer von Mobbingattacken werden, sollten sich auf die konkrete Angriffssituation einstellen, damit sie, wenn es soweit ist, möglichst gelassen bleiben. Reagieren sie ruhig und ohne erkennbare Betroffenheit auf Mobbing, verwirrt das die Mobber und nimmt ihnen die Angriffsfläche
  • Wenn Kinder die Mobbingsituation zu Hause mit ihren Eltern in einem Rollenspiel einüben, sind sie im Ernstfall über viele Handlungen und Äußerungen nicht überrascht und können besser darauf reagieren.
  • Kinder, die gemobbt werden, gewinnen an Stärke, wenn sie sich innerhalb der Klasse einer Gruppe anschließen. Dadurch verschwindet eine mögliche Außenseiterposition.
  • Wenn Ihr Kind erkennt, welcher Mitschüler Anführer der Mobbingattacken ist, hilft es, diesen direkt anzusprechen, um seine Macht zu reduzieren.
  • Am wenigsten Angriffsfläche für Mobbingattacken bietet Ihr Kind, wenn es ein gutes Selbstwertgefühl besitzt. So ist es in der Lage, sich nicht einschüchtern zu lassen, über eigene Fehler zu lachen und die Eigenschaften, wegen denen es gemobbt wird, "einfach" positiv darzustellen.

Tipps im Video: Was tun gegen Mobbing?

Sind die Mobbingattacken jedoch sehr zahlreich und hat sich die "Außenseiterposition" Ihres Kindes in der Klasse bereits gefestigt, sind diese Strategien, die Ihr Kind selbst anwenden kann, nur noch eine ergänzende Methode. In schweren Fällen können sich Mobbing-Opfer kaum noch wehren, ohne dass sich die Situation verschlimmert. Sie sind angewiesen auf die Hilfe von außen und damit auf Ihre direkte Initiative als Eltern.

Welche Formen von Mobbing gibt es?

Mobbing äußert sich in vielen verschiedenen Ausprägungen und wird oftmals gar nicht als solches erkannt. Experten differenzieren zunächst einmal zwischen verbalem Mobbing wie Hänseleien, Drohungen oder Verhöhnungen und physischem Mobbing wie Schubsen, Kniffe oder Schläge. Bei diesen beiden Formen spricht man auch von direktem Mobbing. Subtiler hingegen ist das indirekte Mobbing, zu dem die Ausgrenzung oder die Rufschädigung einzelner Personen zählt.

Die Gründe für Mobbing sind dabei sehr vielschichtig: Oft haben die Mobber selbst Kränkungen oder Gewalt erlebt und kompensieren ihre Ohnmacht, indem sie andere schikanieren oder demütigen. Ein "typisches" Mobbingopfer existiert dabei nicht.

Mobbing ist auch im Internet angekommen

Die Gefahr lauert dabei nicht nur auf dem Schulweg und in der Schule selbst. Eine Umfrage der Universitäten Münster und Hohenheim hat ergeben, dass jeder dritte Schüler auch schon Erfahrungen mit Cyber-Mobbing sammeln musste. Cyber-Mobbing, auch als Internet-Mobbing oder Internet-Bullying bezeichnet, fasst Formen der Diffamierung, Nötigung und Belästigung anderer Personen mithilfe des Internets bzw. elektronischer Kommunikationsmittel zusammen.

→​ Hier finden Sie Hilfe bei Cyber-Mobbing

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