Studie: Hassliebe Hausaufgaben – Eltern in der Zwickmühle

Die Diskussion um Sinn und Unsinn von Hausaufgaben ist in vollem Gange. Kinder, Eltern und Bildungsexperten klagen über Stress und Streit. Jetzt ergab unsere forsa-Studie: 75 Prozent der Mütter und Väter wollen Hausaufgaben nicht abschaffen.

Inhalt dieses Artikels:

1. Studie Hausaufgaben  das denken Kinder und Eltern wirklich

Es gibt wohl nur wenig, das regelmäßiger für Krach in den eigenen vier Wänden sorgt als Hausaufgaben. Wir wollten herausfinden, wie belastend die täglichen Aufgaben für Familien sind und befragten Eltern und Kinder getrennt voneinander.

Laut unserer FACT-Umfrage** empfinden 58 Prozent der 9- bis 13-jährigen Jungen und Mädchen Hausaufgaben als anstrengend. Und auch die Eltern stimmen ein: Ihrer Aussage nach fühlen sich knapp die Hälfte der Kids durch die Menge an Aufgaben überfordert (Quelle: forsa*). 

So ist es nicht verwunderlich, dass sich 50 Prozent der Kinder ein Leben ohne Hausaufgaben wünscht (→ Erfahrungsberichte von Rosa und Emil). Anders sieht das bei den Eltern aus: drei Viertel der Befragten sind gegen eine Abschaffung der Hausaufgaben  trotz Stress. Ein Widerspruch?

Schule: Studie Hausaufgaben-Stress Infografik

Die zwei Seiten der Medaille

Christiane Müller ist Mutter eines elfjährigen Sohnes und kennt die Zwickmühle: "Natürlich würde ich meinem Kind wünschen, dass es keine Hausaufgaben am Nachmittag machen muss. Mal ganz davon abgesehen, dass die Hälfte davon reine Beschäftigungstherapie ist. Andererseits habe ich Angst, dass mein Kind ohne die Übung am Nachmittag den Anschluss verpasst. Das stresst mich total."

Sie fühlt sich in der Pflicht, ihrem Sohn unter die Arme zu greifen  so wie ein Großteil der Mütter und Väter: Laut forsa helfen 26 Prozent der Erwachsenen ihren Kids fast immer oder häufig, 39 Prozent ab und zu. Dabei trauen sich 64 Prozent der befragten Jungen und Mädchen, deren Eltern helfen, die Hausaufgaben auch allein zu. 

„Es hat überhaupt keinen Zweck, wenn die Eltern ihren Kindern die Hausaufgaben erledigen. Sie sollen dafür sorgen, dass vernünftig gearbeitet wird, dass feste Arbeitsgewohnheiten da sind", so der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus. Er sieht eine große Stärke der Hausaufgaben in der Förderung von Eigenverantwortung. →Mehr dazu: Wenn Eltern bei den Hausaufgaben helfen – Plädoyer für Selbstständigkeit

Learn-Life-Balance vs. Burnout-Kids

„Schüler müssen heute ein unglaubliches Arbeitspensum bewältigen. Nach 36 Stunden Schule kommen dann noch die Hausaufgaben. Mit Prüfungen und Referaten, Sport und Musikinstrument kommen sie so auf bis zu 50 bis 60 Wochenstunden. Das stellt eine erhebliche Belastung dar“, warnt Michael Schulte-Marktwort, Kinder- und Jugendpsychiater am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Auch scoyo-Geschäftsführer Daniel Bialecki sieht das kritisch: „Bei Erwachsenen ist das Thema Work-Life-Balance schon lange in aller Munde und oft ein Problem. Wir sollten nun darauf achten, dass unseren Kindern genug Zeit für Freizeit bleibt.“ Er empfiehlt Eltern, im Blick zu behalten, wie umfangreich die Hausaufgaben sind. Bei Überforderung sollten Mütter und Väter das Gespräch mit den Lehrern suchen. 

Wie lange dürfen Hausaufgaben dauern?

Die Vorgaben, wie lange Kinder täglich Hausaufgaben machen sollten, unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Nordrhein-Westfalen führte 2015 verbindliche Hausaufgabenzeiten ein: In der 3. und 4. Klasse müssen sie in 45 Minuten zu erledigen sein, in Klasse 5 bis 7 in 60 Minuten.

► Alle Studienergebnisse: Booklet zur Studie als Download (1,1 MB, PDF)

Keine Hausaufgaben – kann das funktionieren? Wir haben Schulen ohne Hausaufgaben unter die Lupe genommen: Schulen ohne Hausaufgaben – ein Überblick

2. Es geht auch anders: Motivations- und Achtsamkeitskärtchen 

Morgens alleine am Strand spazieren gehen? Den Sonnenaufgang anschauen? Das sollen Hausaufgaben sein? Das fand der italienische Lehrer Cesare Catàs schon. Er gab seinen Schüler über die Sommerferien eine Liste mit 15 Aufgaben, die so ganz anders waren, als die üblichen Übungen. Unheimlich inspirierend, wie wir finden.

Wir haben uns dem Beispiel des Philosophie-Lehrers angeschlossen und eine eigene Liste erstellt: Mit Aufgaben, die Spaß machen, die ermutigen sich auszuprobieren, die die Achtsamkeit für sich selbst und die Mitmenschen fördern. Für alle Eltern, die diese Idee so toll finden wie wir, aber keinen Strand vor der Tür haben. Und für ihre Kinder, die auch abseits vom Schreibtisch viel Wichtiges lernen können.

►Hier alle Achtsamkeitsübungen als Postkarten und Liste kostenlos downloaden (PDF, 6 MB)

Achtsamkeit Kinder - Übungen und Sprüche als Postkarten

3. Mitmach-Aktion: Hausaufgaben fürs Leben (plus Verlosung)

Welche Dinge halten Sie für besonders wichtig? Was wollen Sie ihren Kindern mit auf den Weg geben? Um das herauszufinden, rufen wir gemeinsam mit Bloggerin Frau Mutter zur Blogparade unter dem Hashtag #HausaufgabenfuersLeben auf. →Hier geht´s zur Blogparade. 

Auch Eltern, die keinen eigenen Blog haben, können mitmachen: Posten Sie einfach Ihre Ideen hier in die Kommentare oder auf unsere Facebook-Seite. Damit nehmen Sie automatisch Teil an unserer Verlosung.* 

*Unter allen Teilnehmern verlosen wir ein Motivations- und Achtsamkeitspaket von scoyo inkl. scoyo Lernmitgliedschaft für 6 Monate, Ausmalbuch, Fantasiereisen-CD, Glückstagebuch und Gartenset. Gesamtwert: knapp 200 Euro. 

Außerdem veröffentlichen wir am Ende der Aktion eine Zusammenfassung aller Texte hier im scoyo ELTERN!-Magazin.

Hausaufgaben-Tipps & Tricks von Experten:

 Hier die Aufzeichnung der Live-Übertragung ansehen.

6. scoyo-Elternabend: Stressfaktor Hausaufgaben - was Eltern und Kinder entlastet

*Repräsentative forsa-Umfrage unter 1.010 Eltern von Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, erhoben im Januar 2016. **Repräsentative FACT-Umfrage unter 503 Kindern zwischen 9 und 13 Jahren, erhoben im Januar 2016.

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