Abitur nach der Ausbildung – Jennis Weg zur Mediendesignerin

In "Alternativen zum Gymnasium" stellen wir Menschen vor, die erfolgreich im Beruf sind, aber keinen "geraden Weg" gegangen sind. Wir starten mit Jenni: sie hat ihr Abitur nachgeholt und erst dann ihre Berufung gefunden.

Schulwahl: Abitur nach der Ausbildung: Jennis Weg zur Designerin

Erst Realschule, dann das Abitur nachholen? "Ich wusste genau, warum ich dort war!"

Erst Ausbildung, dann Abitur? Das klingt für viele nach einem Umweg. Es kann aber auch genau der richtige Weg zur eigenen Berufung sein – im eigenen Tempo, zur passenden Zeit. Im ersten Teil unserer Reihe "Alternativen zum Gymnasium" stellen wir Jenniffer Schröder vor. Jenni hat die Realschule besucht und dann ihr Abitur nach der Ausbildung gemacht, ist heute erfolgreiche Mediendesignerin und liebt ihren Job. Welche Stationen sie zurückgelegt hat? Wir haben ganz genau nachgefragt!

Erzähl doch mal, wie fandest du deine Zeit in der Grundschule?

Schulwahl: Abitur nach der Ausbildung: Jennis Weg zur DesignerinEhrlich gesagt sind meine Erinnerungen an meine Grundschulzeit schon etwas verblasst. Ich bin gerne in die Schule gegangen und ich denke es ging vorrangig auch gar nicht so sehr um Leistungsdruck. Wir hatten unglaublich viel Spaß beim Austoben auf dem Schulhof.

Ich habe mich damals für Musik und Kunst interessiert und konnte entsprechende AGs wählen. Meine Mutter sagte erst kürzlich zu mir, dass es mir Spaß gemacht hat zu malen. Und das half mir auch beim Lernen.

Welche weiterführende Schule hast du besucht?

Ich war auf der Realschule.

Wer hat diese Entscheidung getroffen? Denkst du, dass sie richtig war?

Ich glaube, dass ich diese Entscheidung nicht getroffen habe. Sicher wurde ich nach meiner Meinung gefragt, aber da gab es ein entsprechendes Einstufungssystem. In der Orientierungsstufe wurden die Schüler in Leistungskurse eingeteilt und die Schule sprach eine Empfehlung aus. Nach dieser haben meine Eltern dann die Entscheidung für die weiterführende Schule getroffen.

Wärst du gern auf das Gymnasium gegangen? Wurdest du dort in deinen Stärken gefördert?

Ich wollte nicht auf das Gymnasium. Mein Leistungsspektrum entsprach dem der Realschule und ich hatte auch nach meinem Abschluss nicht die Empfehlung zum Gymnasium. Ein einziger Grund dafür wären meine Freunde gewesen, die in einem anderen Ort zur Schule gegangen sind.

Rückblickend gingen bereits auf der weiterführende Schule die Wege von uns Grundschulkindern in andere Richtungen: Die Realschule führte darauf hin, eine berufliche Ausbildung zu machen.

Im Großen und Ganzen konnte ich mich selbst dazu entscheiden, ob ich meine Stärken fördern möchte und war sozusagen meines Glückes Schmied. Kunst war ebenso wie Sport eines meiner Wahlpflichtkurse, die ich selbst in meinen Stundenplan einplanen konnte. Grundsätzlich habe ich das gemacht, was nötig war, um den Abschluss zu erreichen. Als Teenager hatte ich viel mit mir selber zu tun. Das schränkte mich ein, um in punkto Schule ehrgeiziger zu sein.

Bekamst du Unterstützung beim Lernen, z. B. durch Nachhilfe?

Ich hatte keine Nachhilfe.

Wie ging es nach deinem Realschulabschluss weiter? Woher wusstest du, was du beruflich machen möchtest und wie bist du vorgegangen, um das Ziel zu erreichen?

Ich habe einen ziemlichen Zickzackweg bestritten. Nach meinem Realschulabschluss wollten meine Eltern gerne, dass ich etwas Handfestes lerne: etwas Solides, etwas zum Geld verdienen. Ich habe schon in meinem ersten Halbjahr meiner Realschulzeit einen Ausbildungsvertrag zur Justizfachangestellten unterschrieben. Die Ausbildung riss mich gleich aus dem elterlichen Schutz und ich zog, mit gerade 16 Jahren, in eine andere Stadt. Das funktionierte allerdings nur ein halbes Jahr. Ich absolvierte den Rest der Ausbildung wieder aus meinem Heimatort. Ich musste schnell Verantwortung übernehmen. Auch bei Gericht musste ich mich schnell mit den harten Fakten der Realität beschäftigen: Strafrecht, Insolvenzrecht, Nachlassangelegenheiten! Das hat mein Erwachsenwerden geprägt. 

Mit 19 Jahren habe ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Ich hatte Angst, nun 50 Jahre in diesem alten Gebäude festzuhängen. Obwohl ich mich immer kreativ in meine Arbeitsprozesse eingefunden und Spaß dabei hatte, wollte ich mehr.

Mein Plan war das Abitur nachzuholen, um aufbauend zu meiner Ausbildung Jura zu studieren. Eine Freundin besuchte ein Kolleg und ich erhielt alle Informationen zu dieser Möglichkeit der Weiterbildung aus erster Hand. Man sagte ja gern "Hach, einfach nochmal Schüler sein.", wenn man einmal im Berufsleben ist. Ich hatte die Chance und war sehr motiviert, mein Abitur zu machen. Das Lernen viel mir sehr viel leichter als auf der Realschule. Ich wusste genau, wofür ich dort war. Ich konnte Verantwortung für mich selbst übernehmen und mit ein bisschen mehr Lebenserfahrung war für mich einfach alles etwas leichter.

Schlussendlich habe ich nach drei Jahren (11. bis 13. Klasse) ein gutes Abitur gemacht. Jedoch habe ich meine Schwerpunkte während dieser Zeit verlagert und mich mehr auf Kunst und Kulturelles konzentriert. Ich dachte mir, dass es viel schöner ist, sein Hobby zum Beruf zu machen. Die Kunst sollte es also sein!

Ich bewarb mich neben den Abiturprüfungen bei Kunsthochschulen. Teilweise sind die Aufnahmetests wie Castings. Man muss vorab eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen. Diese wird von der Hochschule geprüft. Dann folgen weitere künstlerische Eignungstests und Gespräche. Meine Ausarbeitungen litten unter dem Lernstress des Abiturs und ich erhielt keinen Studienplatz.

Ich arbeitete ein Jahr als kaufmännische Sachbearbeiterin, was aufgrund meiner Ausbildung möglich war, und fertigte eine neue Design-Mappe an. Gleichzeitig schaute ich mich auch nach anderen Studiengängen im Kunst- und Kultur-Bereich um. Ich erhielt vier Zusagen. Ich nahm nochmal an einem Auswahlverfahren für einen Designstudiengang teil. Dabei war ich sehr entspannt, weil ich wusste, dass ich weitere interessante Optionen hatte, die meinen Interessen und Talenten entsprachen.

Daraufhin war ich die erste in meiner Familie, die ein Studium begonnen hat. Heute arbeite ich in einer Designagentur und es ist für mich mehr Berufung als Beruf.

Bist du zufrieden mit deinem Weg? 

Ich bin vollkommen zufrieden. Auch wenn es etwas holprig erscheint, hätte ich es anders gar nicht schaffen können: weder die Allgemeine Hochschulreife erreichen, noch ein Studium mit einem erstklassigen Abschluss.

In den letzten Jahren kann man einen regelrechten Run auf die Gymnasien beobachten. Was würdest du Eltern gern mit auf den Weg geben, die vor der Entscheidung für eine weiterführende Schule stehen?  

Erstens steht für mich fest, dass es nicht nur den einen Weg gibt. Zweitens frage ich mich, ob Zwang nicht auch immer irgendwo einen Schaden verursacht? Erfolg bestimmt sich doch immer aus dem, was man selbst möchte und wofür man Verantwortung übernehmen kann. Ich denke Eltern sollten Erfolg nicht an einem Hochschulzeugnis bemessen, sondern an dem Engagement, was Ihr Kind bestärkt, immer erfolgreicher werden zu wollen. So gehen Glück und Erfolg Hand in Hand.

→ Lesen Sie auch Felix erfolgreichen Weg – ganz ohne Abitur.


Wie gestaltete sich Ihr Weg zum Abitur? Haben Sie auch erst eine Ausbildung absolviert, bevor Sie Ihr Abitur nachgeholt haben? Teilen Sie uns gerne Ihre Erfahrungen in den Kommentaren mit! Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen! 

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