Richard David Precht: Tipps für Eltern - Überblick in der Bildungskritik

Individuelle Betreuung, kein Sitzenbleiben und keine Noten – vermutlich der Traum jeder Schüler. Dies fordern auch Richard David Precht, John Hattie und Jesper Juul. Wir erklären, wie Sie diese Visionen schon jetzt nutzen.

Schule: Was Bildungskritiker über das Schulsystem sagen
Bildungskritik: Das Elternhaus hat auch heute noch einen großen Einfluss auf die Bildungschancen der Kinder | © yuryimaging - Fotolia.com

Laut den Bildungskritikern Richard David Precht, John Hattie und Jesper Juul beherrschen noch immer veraltete Strukturen unser Bildungssystem. Ziel solle es sein, diese aufzubrechen. Solch schwerwiegenden Veränderungen geschehen allerdings nicht von heute auf morgen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Visionen der Bildungskritiker schon jetzt für sich nutzen können.

Im ersten Teil unserer Serie stellen wir Ihnen die Thesen von Richard David Precht, Philosoph und Autor des Buches „Anna, die Schule und der liebe Gott: Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern“, vor und geben Hinweise für die Umsetzung.

Bildungschancen sind aktuell abhängig von der Schicksalslotterie des Elternhauses
Früher war der Schulbesuch ein Privileg der Reichen und Mächtigen. Heutzutage haben alle Kinder in Deutschland das Recht und die Pflicht in die Schule zu gehen, jedoch bestimmt laut Precht die soziale Schicht noch immer die Bildungschancen der Kinder. So ziehen wohlhabende Eltern für ihre Kinder Privatschulen öffentlichen Schulen vor.

Doch gemischte Klassen mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen haben ihre Vorteile. Auf diese Weise erwirbt Ihr Kind soziale Kompetenz und Teamfähigkeit. Zudem bestätigt die von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beauftragte Studie, dass keine signifikanten Leistungsunterschiede zwischen privaten und staatlichen Schulen existieren.

Förderung von Kreativität und Neugier
Precht fordert, die Kinder auf das Leben vorzubereiten und somit ganzheitlich zu denken. „Weil keiner definitiv wissen kann, was die Zukunft bringt, wird es (…) allgemein weniger darauf ankommen, was wir unseren Kindern beibringen“, so Precht. Hierfür müsse man weg vom Gedanken der Systemkonformität und hin zur Förderung von Kreativität und Neugier kommen.

Herauszufinden, wo die Interessen und Fähigkeiten Ihres Kindes liegen ist das A und O, um die Motivation und Selbstständigkeit zu fördern. Doch aufgepasst, – genauso wichtig ist es, sich als Lernbegleiter auch mal zurückzuziehen.

Fehler gehören zum Leben dazu
Für die Zukunft und vor allem für zukünftige Probleme ist es wichtig, selbst die Erfahrung gemacht zu haben, dass nicht immer alles auf Anhieb glatt läuft. Nehmen Sie Ihrem Kind daher die Angst vor Fehlern und vor Neuem. Wie? Ganz leicht, – erzählen Sie einfach von Ihren Fehlern und was Sie daraus gelernt haben.

Kinder brauchen aktive Unterstützung, aber auch ihren Freiraum
Nach Precht lernen Kinder von Anfang an gerne. Er vergleicht die intrinsiche Motivation mit einer Pflanze. Precht: „Sie stirbt, wenn man sie nicht mit Anregung gießt, aber man kann sie auch leicht überdüngen und ertränken.“ Voraussetzung dafür sind allerdings Rahmenbedingungen, die ihre Neugier und Freude fördern - und nicht einschränken.

Kinder brauchen folglich sowohl aktive Unterstützung beim Lernen als auch ihren Freiraum, um ihre Lernfreude aufrecht zu erhalten. Das richtige Maß zu finden ist nicht leicht, doch für die langfristige Entwicklung unserer Kinder ist es ungemein wichtig.

Hier geht es zum zweiten Teil der Serie. In diesem Teil werden wir die Visionen des neuseeländischen Bildungsforschers und Pädagogen John Hattie näher beleuchten und Hinweise zur Umsetzung geben.

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