Heterogene Lerngruppen: Mehr Vielfalt im Unterricht

Alle Welt spricht von Heterogenität im Unterricht. Doch was ist damit genau gemeint? Wir klären für Sie die Begrifflichkeiten und decken auf, welche Chancen sich hinter heterogenen Lerngruppen verbergen.

Mehr Lernerfolg mit heterogenen Lerngruppen
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Eine grüne Tafel, davor ein Lehrer, dahinter eine Klasse mit 30 Schülern, die alle im Gleichschritt denselben Unterrichtsstoff lernen. Einige langweilen sich, sind unkonzentriert, weil sie die Lerninhalte längst verstanden haben, andere hängen hinterher. Sieht so die ideale Schulstunde aus? Nein! sagen viele Bildungspolitiker, Wissenschaftler, Lehrer und Eltern. Schüler müssen individuell gefördert werden. Aber wie?

Heterogenität – was bedeutet das?

Der Begriff Heterogenität hat seinen Ursprung im griechischen Adjektiv heterogenés, das sich aus den Wörtern heteros (= verschieden) und gennáo (= schaffen, erzeugen) zusammensetzt. Im pädagogischen Zusammenhang meint Heterogenität die Verschiedenartigkeit der Schülerinnen und Schüler hinsichtlich eines oder mehrerer Merkmale. Heterogene Lerngruppen bezeichnen folglich nichts anderes als eine Gruppe von Schülern mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Worin unterscheiden sich Schüler in heterogenen Lerngruppen?

Jeder Schüler ist auf seine Art und Weise einzigartig. Betrachtet man eine Klasse, unterscheiden sich die Kinder in vielen einzelnen Merkmalen:

  1. Wissensbasis: Schülerinnen und Schüler kommen mit unterschiedlichen Kenntnissen und Lernvoraussetzungen in die Schule. Ihr heterogenes Leistungsvermögen spiegelt sich im Unterrichtsgeschehen und ihrer Arbeitsweise wider.
  2. Interessen: Heterogenität kann sich in der Interessenslage der Kinder wiederfinden. Das eine Kind verfügt über hervorragende Mathe-Kenntnisse, hat aber große Lücken im Wortschatz und in der Grammatik. Das andere interessiert sich für Kunst, aber findet keinen Zugang zu geschichtlichen Themengebieten.
  3. Lernwege: Schülerinnen und Schüler können sich auf unterschiedliche Art und Weise ein Thema erschließen oder Arbeitsergebnisse zusammenfassen. Ihre Lernwege sind verschieden.
  4. Lern- und Arbeitsverhalten: Es gibt unterschiedliche Lerntypen. Einige Schülerinnen und Schüler verfügen über ein großes Organisationstalent, arbeiten zielgerichtet und teilen ihre Arbeitszeit richtig ein. Andere haben weniger Ausdauer und Konzentrationsvermögen: Sie trödeln, lassen sich schnell ablenken oder verlieren den Mut zur Weiterarbeit.
  5. Kulturelle und soziale Herkunft: Die Kinder unterscheiden sich auch in ihrer sozialen Herkunft. So treffen in heterogenen Lerngruppen verschiedenste Kulturen mit unterschiedlichen religiösen Ansichten, Sprachen, Traditionen und Lebensentwürfen aufeinander.
  6. Erfahrungen: Jeder Schüler bzw. jede Schülerin kommt mit einer individuellen Lebenserfahrung und einem eigenen Lebensschicksal in die Schule.
  7. Motivation: Auch die Lernmotivation ist bei Schülern und Schülerinnen unterschiedlich stark ausgeprägt. Die einen sind mit Spaß bei der Sache, die anderen erleben eher Lernfrust statt Lernlust.

Heterogene Lerngruppen in der Unterrichtspraxis

Die verschiedensten Dimensionen von Heterogenität zeigen vor allem eins: Die Vielfalt der Kinder prägt das Unterrichtsgeschehen maßgeblich. Jeden Tag aufs Neue müssen sich Lehrerinnen und Lehrer der Herausforderung stellen, den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden. Jeder einzelne Schüler muss entsprechend seiner Fähigkeiten gefördert werden. Doch das ist keine leichte Aufgabe – niemand soll schließlich über- bzw. unterfordert werden.

Jetzt sind die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrperson gefragt. Nur wenn die Schüler im Unterricht ein realistisches Bild über ihre Stärken und Schwächen erlangen, können sie individuell gefördert werden und ihre Kompetenzen ausbauen. Lehrerinnen und Lehrer müssen in diesem Zusammenhang im Unterricht die Fähigkeiten und potenziellen Lern- und Leistungsprobleme jedes Einzelnen herausarbeiten, indem sie

  1. die Schüler in ihrer gesamten Persönlichkeit sehen, ihr außerschulisches Umfeld mit einbeziehen und auf ihre Interessen eingehen.
  2. das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler feststellen, um daran im Unterricht anknüpfen zu können.
  3. die Stärken der Kinder erkennen, um diese für andere nutzbar zu machen und bestmöglich auszubauen.
  4. Wissenslücken feststellen, um den Schülerinnen und Schülern dabei helfen zu können, diese zu schließen.

Tipp für die Unterrichtspraxis: Ein Interessenfragebogen kann beispielsweise dabei helfen, die Begabungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler herauszukristallisieren.

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Was bringt Heterogenität den Schülern?

Heterogenität muss als Bereicherung für den Unterricht und Anderssein als Chance verstanden werden. Vielfalt bringt mehr Leben in unsere Gesellschaft, und das ist gut so! Doch welche Vorteile hat der einzelne Schüler, die einzelne Schülerin konkret von dem Unterricht in einer heterogenen Lerngruppe?

  1. Sie können von dem Vorwissen und den Erfahrungen ihrer Klassenkameraden profitieren: Leistungsschwächere Schüler lernen im besten Fall von leistungsstärkeren.
  2. Sie können sich von den anderen Kindern Lernmethoden abschauen und sich so neue Lernwege erschließen, Unterrichtsinhalte verstehen und das erworbene Wissen festigen.
  3. Beim Lernen in einem heterogenen Klassenverband können die Kinder ihre sozialen Kompetenzen fördern, indem sie gemeinsam in Gruppenarbeiten neue Themeninhalte erarbeiten bzw. anderen Kindern helfen, Lernthemen zu verstehen. Auf diese Weise lernen sie, andere Menschen wahrzunehmen, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu kooperieren und Konflikte zu lösen.
  4. Für jeden Schüler gilt: Der Mix macht’s! Eigeständiges Arbeiten und das Lernen im Team müssen in einer Balance stehen.

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