Wie kann ich mich selbst motivieren? Me-Time für Eltern

Heute geht es mal um uns selbst: Wie schaffe ich es als Elternteil, mich selbst zu motivieren, meinen Schweinehund zu überwinden und „trotz“ Kindern und Job noch Zeit für Herzensangelegenheiten oder Sport zu finden? Eine Kolumne von Béa Beste.

Kolumne: Wie kann ich mich selbst motivieren? - Béa BesteImmer wieder dieser Schweinehund, der unsere Selbstmotivation ausbremst ... | © Béa Beste

16.11.2015, Kolumne von Béa Beste

In dem Moment, in dem wir Eltern werden, verändert sich alles im Leben. Sich nach getaner Arbeit aufs Sofa fläzen, die ruhigen Momente im Coffee-Shop genießen, nächtelang mit Freunden ausgehen und am Wochenende bis zum Nachmittag ausschlafen? Vorbei! Die Marathon-Vorbereitung, der Töpferkurs in der Toskana oder der neue Sprachkurs? Vergessen!

Eltern leiden chronisch unter Schlaf- und Zeitmangel, sie sind quasi die Krone der Erschöpfung. Da kann die viel zitierte Me-Time schon an sich Stress auslösen.

Dabei wissen wir theoretisch, dass wir selbst glücklich sein müssen, um unseren Kindern eine glückliche Kindheit zu bieten. Aber wie können wir glücklich sein, wenn wir zu viel von unseren Wünschen und Vorhaben hinten anstellen?

Ich war sehr jung und voller Wünsche, als ich meine Tochter bekam – und habe diese nicht aufgegeben, sondern mich immer wieder selbst motiviert. Vieles davon habe ich irgendwie nur instinktiv gemacht. Im Nachhinein betrachtet haben mich folgende Punkte wirklich weiter gebracht:

Wie kann ich mich selbst motivieren, etwas für mich zu tun? Tipps aus eigener Erfahrung

1. Mir klar machen, dass ich das Kind gewollt habe

Ich bin zwar nicht geplant schwanger geworden mit nur 21 Jahren, aber ich habe das Kind gewollt. Ich habe mich bewusst entschieden, meine Tochter zu haben. Und wenn ich mal in Situationen war, in denen ich mich doch überfordert fühlte, habe ich mir mein Kind angeschaut und voller Liebe vor mich hin gesagt: „Ja, doch, ich habe dich gewollt.“ Und schon war ich weniger überfordert, sondern glücklich, dass ich sie hatte.

2. Eigene Interessen haben – und sich selbst motivieren, diesen nachzugehen

Natürlich war in der Schwangerschaft und auch in der ersten Zeit die Magie des kleinen Wunders in meinem Leben stärker als alles andere, und das gute Oxytocin legt sich doch irgendwie auf die grauen Zellen nieder ... Ja, ich konnte eine Weile auch nur noch in Babybrei und Windelinhalt denken, aber ich habe mich nahezu gezwungen, mich auch mit dem Weltgeschehen und anderen Zusammenhängen zu beschäftigen.

Mein erstes Sachbuch nach der Geburt hat mich Nerven gekostet, aber ich habe es geschafft und war am Ende stolz darauf.

3. Einen klaren Zeitraum definieren, um auch alleine zu sein

Der Witz besagt, dass die gute Fee (die mit der Wunscherfüllung) bei Müttern mit Kleinkindern staunt: „Wie? Nur alleine aufs Klo dürfen und 10 Minuten alleine duschen am Tag???“ Tja, auch diese Alltagsrechte muss man sich erkämpfen.

Es tut gut, mindestens einen Abend alle zwei Wochen für sich zu haben, um Freunde zu treffen, oder etwas Anspruchsvolles zu machen – ohne Kind. Oder einfach, um auszuschlafen!

Egal wie, ich habe mir das als selbstverständliches Grundrecht eingefordert und es hat mir immer gut getan. Das setzt eigentlich aber den nächsten Punkt voraus:

4. Anderen Menschen vertrauen, dass sie sich gut ums Kind kümmern können

Ich weiß, das ist bei vielen (vor allem Müttern) der eigentliche Knackpunkt, weshalb sie sich selbst nicht gut motivieren können, etwas für sich zu tun: Es ist schwer, sein Kind anderen Menschen anzuvertrauen. Aber wir sind doch nicht von Idioten umgeben, und unsere sozialen Kontakte, unsere Familie hat dieses Vertrauen verdient.

Ich habe mir von Anfang an klar gemacht, dass andere Menschen mein Kind nicht haargenau so behandeln werden wie ich, und auch kein Ersatz für mich sein sollten. Andere liebevolle, vernunftfähige Menschen, die sich ums Kind kümmern, sind auch Gelegenheiten fürs Kleine, andere Umgangsweisen kennenzulernen – und sich anzupassen:

Meine Tochter hat von unserem Nachbarn, ein passionierter Hobby-Koch, vieles gelernt – und ich habe nicht schlecht gestaunt, als meine Zweijährige plötzlich mit Brettchen und Küchenmesser Karotten und Schnittlauch hacken konnte wie die Profis: Ratatatazack.

5. Auch mal sehen, was man alles schafft – nicht nur, was man nicht schafft!

Vieles ist eine Sache der Perspektive, die Betrachtung des halb vollen oder halb leeren Glas: Wenn wir stets den Blick auf das, was wir nicht schaffen, richten, macht uns das nur unglücklich. So schaffen wir es kaum, uns selbst zu motivieren. Doch wie wäre es, wenn wir sehen würden, was wir MIT Kind gewuppt bekommen?

Sport ist mein bestes Beispiel: Wie viel körperliche Anstrengungen haben Eltern extra – vom morgendlichen Kinderanziehen bis hin zum Jagen über den Spielplatz und dem Tragen von Futtermassen aus dem Supermarkt? Das ist mehr als das Training im Fitness-Studio hervorbringen könnte!

Die gute Berlinmittemom hat einen sehr guten Blogbeitrag geschrieben über ihre I-did-it-Liste – die sorgt für die richtige Perspektive und einen Schub in Richtung Selbstmotivation.

6. Sich klar machen, dass mit der Zeit alles besser wird

Als Mutter einer inzwischen 25-Jährigen versichere ich euch schriftlich: Es wird mit jedem Lebensabschnitt eines Kindes besser, ihr gewinnt Jahr für Jahr mehr Selbstständigkeit.

Ich weiß, wie ich in manchen Momenten den Eindruck hatte, dass sich bestimmte Zustände nie ändern werden. Es stimmt nicht: Sie ändern sich. Irgendwann stellt ihr fest, dass sie lieber vor sich hin wurschteln und euch ausschlafen lassen. Dass sie lieber den Schulweg alleine gehen. Dass sie euch freiwillig ins Kino schicken, um die Bude für sich zu haben. Dass sie auch mal ihre Zeit für sich haben wollen.

Und wenn ihr das aushaltet ohne Kontrollzwang, dann ist das eure Zeit – Zeit für euch. Vorausgesetzt, ihr vertraut euren Kindern, dass sie sich gut um sich selbst kümmern können.

Alles Liebe, eure Béa. PS: Ich freue mich über all eure Ideen, Anregungen und euer Feedback weiter unten in den Kommentaren.

Extra-Tipps der scoyo Redaktion:

Jetzt pack ich es an! Wie wir uns für unliebsame Aufgaben motivieren

► Papierzeug nicht zu lang aufschieben

Morgen ruf ich beim Finanzamt an. Ganz bestimmt. Und schwupps wandern unattraktive To Dos von einer Liste zur nächsten – und verlängern sie damit automatisch. Doch meist sind diese Aufgaben ziemlich schnell erledigt. Also: einfach machen, am besten zu einem bestimmten Termin, alle hintereinander weg! Das tut gut.

► Positive Gedanken motivieren

Was uns Spaß macht, geht uns leichter von der Hand. Was wir doof finden, hemmt uns. Doch wenn wir uns bei „anstrengenden Aufgaben“ mehr darauf konzentrieren würden, was die Erledigung Positives bringt, könnten wir uns gleich viel besser motivieren. Also: Sport gibt uns Ausgleich, die Steuererklärung bares Geld und der Zahnarzttermin weniger Schmerzen. 

► Feuern Sie sich an!

Klingt komisch, hilft aber wirklich. Wenn wir uns selbst Mut zusprechen und uns nach getaner Arbeit loben, fühlen wir uns gleich viel besser. Und verdient haben wir es allemal! 

Über Béa Beste

Béa Beste, Bildungsunternehmerin

Béa Beste ist Die Elternflüsterin - Kolumne scoyo© Béa BesteIm Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin plädierte Bildungsunternehmerin Béa Beste als Expertin im Bereich „Wie wollen wir lernen?“ für eine Lernkultur der Potenzialentfaltung und mehr Heiterkeit in der Bildung. Béa gründete 2006 die bilingualen Phorms Schulen, einige Jahre später die monatlich erscheinende Tollabox mit Materialien und Bastel-Ideen für Familien mit Kindern ab drei Jahren. Die Mutter einer erwachsenen Tochter führt den Kreativ-Blog der Tollabox als "Tollabea" weiter

Webseite: www.tollabea.de | Facebook: facebook.com/tollabea | Twitter: @TOLLABEA | twitter.com/TOLLABEA

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