Strehessfreie Weihnacht ĂĽberall, oder: einfach mal anders feiern

Wären die Vorbereitungen nicht, wäre Weihnachten mit Kindern feiern wirklich schön. Unser Kolumnist Christian Hanne verrät deshalb seine geheimsten Anti-Weihnachtsstress-Tipps. Soviel vorab: Legen Sie das Nudelholz bereit!

Kolumne von Christian Hanne, Blog Familienbetrieb

Kolumne: Weihnachten mit Kindern feiern mal anders© pexels.comDer Advent und Weihnachten gelten als Zeit der Besinnung, Geruhsamkeit und Harmonie. Zumindest wenn man in BullerbĂĽ lebt. In der Realität regieren im Advent nämlich Hektik, Stress und gereizte Nervosität. Plätzchen wollen gebacken, Geschenke gekauft, Festessen gekocht und Bäume geschmĂĽckt werden. Spätestens an Heiligabend sind die meisten Menschen dem Burn-out so nahe wie der Vorstandsvorsitzende eines börsennotierten Weltkonzerns. Das muss nicht sein! 

Weihnachten mit Kindern feiern: einfach mal anders und vor allem mĂĽhelos!

Aber wie? Dankenswerterweise hat die scoyo Redaktion bereits einige Tipps gesammelt, wie Sie (mit Kindern) ein stressfreies Weihnachtsfest verbringen könnenWenn Ihnen diese noch nicht ausreichen, nehmen Sie sich einfach die folgenden, etwas unkonventionelleren Ratschläge zu Herzen und Ihr dementsprechend auch etwas alternatives Weihnachten wird dieses Jahr entspannter als ein Wellnesswochenende in einem 5-Sterne-Hotel.Kolumne: Weihnachten mit Kindern feiern mal anders - Tipps© pexels.com

Wer selber backt ist selber schuld

Es gibt wohl niemanden, der zur Weihnachtszeit nicht gerne Plätzchen isst. Das ist auch nicht verwunderlich, denn Plätzchen bestehen zu 99,78 Prozent aus Fett und Kohlenhydraten und sprechen direkt die Belohnungszentren im Gehirn an. Plätzchenessen ist quasi wie Sex. Nur ohne Schwitzen.

Allerdings wird die Freude am Plätzchen alle Jahre wieder getrĂĽbt, zählt das Backen derselbigen doch fĂĽr Eltern zu den größten Stressfaktoren im Advent. SchlieĂźlich mĂĽssen Sie nicht nur Plätzchen produzieren, sondern gleichzeitig darauf achten, dass sich die Kinder am heiĂźen Ofen keine schwerwiegenden Brandverletzungen vor dem Fest zuziehen oder so viel Teig naschen, dass sie sich auf den KĂĽchenboden erbrechen. Zu guter Letzt mĂĽssen Sie nach der Backorgie die KĂĽche renovieren oder gleich das ganze Haus abreiĂźen.

Kolumne: Weihnachten mit Kindern feiern mal anders - backen© pexels.comVermeiden Sie es also tunlichst selbst zu backen und machen Sie es in der Vorweihnachtszeit mal ganz anders: Gehen Sie in zu einem Bäcker Ihres Vertrauens und kaufen Sie groĂźe Mengen an Spritzgebäck und Butterplätzchen.

Da das Kaufen von Plätzchen aber so verpönt ist, wie die Kinder sonntagmorgens vor die Glotze zu setzen, mĂĽssen Sie das Kaufgebäck ein wenig weiterverarbeiten. Stecken Sie es in einen Klarsichtbeutel und hauen kräftig mit dem Nudelholz darauf. AnschlieĂźend lassen Sie die versehrten Plätzchen von Ihren feinmotorisch noch nicht ganz ausgebildeten Kindern mit Schokoguss und Lebensmittelfarbe bis zur Unkenntlichkeit verunstalten. Schon haben Sie quasi selbst gebackene Plätzchen, die – sollte jemand fragen – auf einem alten Familienrezept basieren, das seit Jahrhunderten am Sterbebett von einer Generation an die nächste weitergegeben wird.

Wider dem weihnachtlichen Konsumterror – alternative Geschenke zum Fest

Die größten Zeit- und Geldfresser in der Vorweihnachtszeit sind die Geschenke fĂĽr Kinder, Ehepartner, Freunde, Bekannte, Verwandte und Kollegen. Sie mĂĽssen WĂĽnsche einholen, im Internet nach den gĂĽnstigsten Angeboten recherchieren, Bestellungen aufgeben, einen Kleinkredit bei Ihrer Bank beantragen, Geschenke einpacken und so weiter und so weiter. Als wäre dies nicht aufwändig genug, mĂĽssen Sie mehrere Nebenjobs als Reinigungskraft, Zeitungsausträger und Fahrradkurier ausĂĽben, um die Geschenke ĂĽberhaupt bezahlen zu können. Am 24. Dezember angekommen, sind Sie reif fĂĽr die Insel!

Kolumne: Weihnachten mit Kindern feiern mal anders - Geschenke© pexels.comDie Alternative fĂĽr ein fĂĽr Sie gelungenes Fest: Nehmen Sie sich ein Beispiel an Ihren Kindern und verschenken Sie selbstgebastelte Gutscheine. Aber nicht fĂĽr kostspielige Aktivitäten Ă  la Jochen Schweizer fĂĽr Tiefseetauchen oder GroĂźwild-Safaris, sondern fĂĽr Alltägliches, dem Sie dadurch den Glanz des Besonderen verleihen. Die Kinder bekommen zur Feier des Tages einen Gutschein ĂĽber "10x Pausenbrot schmieren", die Kollegen fĂĽr "3x Tonerwechseln am Farbdrucker", die Gattin fĂĽr "1 gemĂĽtlichen Fernsehabend" und die GroĂźeltern fĂĽr "1 Zoobesuch mit den Enkeln (ohne Eintritt)".

Die Entspannung, die Sie gewinnen, indem Sie sich dem weihnachtlichen Konsumterror entziehen, werden Sie allerdings bitter nötig haben, da sich die Beschenkten unter Umständen nur mäßig begeistert über Ihre Gutscheine zeigen. (Insbesondere die Kinder, die für die zweite Hälfte des Weihnachtsabends fest damit gerechnet haben, sich mit der Spielekonsole oder ihrem neuen Pony zu beschäftigen.)

An Weihnachten bleibt die KĂĽche kalt

Fast ebenso viel Zeit, wie das Organisieren der Geschenke, nehmen die Diskussionen ein, was es an Heiligabend zu essen gibt. Soll es Gans mit Rotkraut und Knödeln sein? Oder puristisch Kartoffelsalat mit Würstchen? Oder wagt man sich an die mehrstündige Zubereitung eines Menüs aus Jamie Olivers 30-Minuten-Kochbuch?

Jedes Familienmitglied hat seine ganz eigenen Vorstellungen und möchte bestimmte Speisen unter gar keinen Umständen an Weihnachten verzehren. Und mal was anderes essen kommt auf keinen Fall in die TĂĽte. Schon bei einer vierköpfigen Familie erreicht die Liste der unerwĂĽnschten Weihnachtsgerichte schnell den Umfang eines Telefonbuchs einer gar nicht mal so kleinen Kleinstadt.

Kolumne: Weihnachten mit Kindern feiern mal anders - Essen© pexels.comHat man sich schließlich nach zähen Verhandlungen geeinigt, beginnt der Stress erst richtig. Sie müssen in überfüllten Supermärkten Zutaten kaufen, stehen am 24. Dezember stundenlang zum Kochen in der Küche, bekommen Panikattacken, dass die Kinder das gute Festtagsgeschirr demolieren, müssen ertragen, dass am Essen herumgemäkelt wird ("Bei Mutter klumpt der Kartoffelbrei nie.“) und am Ende gibt es Streit, wer den Tisch abräumt und den Abwasch macht.

GlĂĽcklicherweise mĂĽssen Sie sich diese Strapazen gar nicht antun, gestalten Sie den Festschmaus doch einmal komplett anders: Gehen Sie an Heiligabend einfach zu McDonald’s und lassen Sie Ihre Kinder was auch immer und so viel sie mögen essen. So können Sie Ihr Weihnachtsmahl ganz in Ruhe und in entspannter Atmosphäre genieĂźen, da Sie die einzigen in dem Laden sind. AuĂźerdem werden Ihre Kinder Sie lieben. Und das ist auch bitter nötig, denn sie sind ob ihrer Weihnachtsgutscheine immer noch verstimmt.

Wer braucht schon einen echten Weihnachtsbaum?

Gerade wer mit Kindern feiert, weiĂź, nichts symbolisiert Weihnachten mehr als der geschmĂĽckte und beleuchtete Christbaum. Er steht fĂĽr Behaglichkeit und markiert den Ort, an dem die Familie Geschenke austauscht und in friedvoller Harmonie Zeit miteinander verbringt. Bis es dazu kommt, muss aber der Baum ausgesucht, gekauft, nach Hause transportiert, aufgestellt und geschmĂĽckt werden. Jeder einzelne dieser Schritte reicht aus, um traute Familienheime in Orte des Hasses und des Zorns zu verwandeln und harmonischen Ehepaaren den Weg zum Scheidungsanwalt zu weisen.

Kolumne: Weihnachten mit Kindern feiern mal anders - Baum© pexels.comZum GlĂĽck gibt es auch andere Möglichkeiten fĂĽr das Fest! Verzichten Sie doch einfach auf einen Weihnachtsbaum und schmĂĽcken Sie stattdessen Ihren Ficus Benjamini. Benutzen Sie dabei die doppelte Menge an Weihnachtskugeln, Figuren, Lametta und Kerzen und der Unterschied wird kaum auffallen. 

Oder Sie kaufen einen leistungsstarken Beamer, mit dem Sie einen Weihnachtsbaum an die Wand projizieren. Der Beamer eignet sich zu späterer Stunde hervorragend, um „Tatsächlich Liebe“ zu schauen. Genehmigen Sie sich dazu einen großen Eimer Popcorn und einen Kanister voll Cola und schon ist das Kinoerlebnis perfekt. Vor allem ohne nervige andere Zuschauer. Mehr Entspannung geht nicht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein fröhliches und vor allem entspanntes Weihnachtsfest!

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Ăśber den Autor 

Christian Hanne vom Blog Familienbetrieb Christian Hanne, Jahrgang 1975, ist im Westerwald aufgewachsen und hat als Kind zu viel von Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Auf seinem Blog „Familienbetrieb“, auf Twitter und Facebook schreibt er über den ganz normalen Alltagswahnsinn. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.

Im September ist sein Buch "Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith" im SeitenstraĂźenverlag erschienen. In zwölf gar nicht mal so kurzen Kurzgeschichten schreibt er darĂĽber, wie Schwangerschaft, Marathongeburten und nachtaktive Babys eine moderne, gleichberechtigte Partnerschaft auf die Probe stellen.

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