Erstklässler-Schulstart leicht gemacht – 5 Tipps

Wer ein Schulkind zu Hause hat, den erwarten ungeahnte Herausforderungen. Christian Hanne vom Blog Familienbetrieb hat seine wirkungsvollsten Tipps aufgeschrieben. Speichern Sie schon einmal Frau Merkel auf der Kurzwahltaste.

15.09.2016, Kolumne von Christian Hanne, Blog Familienbetrieb

Kolumne: Erstklässler-Schulstart leicht gemacht - Familienbetrieb

In fast ganz Deutschland hat die Schule wieder begonnen und für Hundertausende von Erstklässlern beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Aber wenn Sie Eltern eines ABC-Schützlings sind, stehen Sie ebenfalls vor vielfältigen Herausforderungen.

Daher ist es möglicherweise nützlich, von einem Vater, dessen beide Kinder die Grundschule halbwegs unbeschadet hinter sich gebracht haben, einige hilfreiche Tipps zu erhalten, wie Sie den neuen Schulalltag mit Ihrem Kind erfolgreich meistern können.

1. Die Schultüte

Vielleicht möchten Sie Ihre besondere Wertschätzung für Ihr Kind durch eine selbstgebastelte Schultüte ausdrücken, die Sie liebevoll zurechtschneiden, akkurat zusammenkleben und mit allerlei bunten Motiven verzieren. Ihr Kind wird sich wie Bolle freuen und Sie für die besten Eltern der Welt halten. Bis am ersten Schultag ein anderes Kind den Klassenraum mit einer gekauften Star-Wars-Schultüte betritt und von da an der Allercoolste in der Klasse sein wird. Dann wird Ihr Kind seine Eltern für naive Hippies halten, die durch selbstproduzierten Tand dem kapitalistischen Konsumterror die Stirn bieten wollen und dadurch das arme Kind zum Mobbingkandidaten Nr. 1 machen.

Also, geben Sie sich dem kommerziellen Mainstream hin, kaufen Sie eine Schultüte und sichern Sie Ihrem Kind uneingeschränkte Beliebtheit. Bis zum Abitur.

2. Das Schulmaterial

Zum Schuljahresanfang erhalten Sie einen Katalog vom Umfang des Berliner Telefonbuchs. In diesem sind alle Materialien aufgelistet, die Sie unverzüglich zu besorgen haben, damit die Schule ihren Bildungsauftrag erfüllen und Ihr Kind für den gnadenlosen Wettbewerb auf dem globalisierten Arbeitsmarkt fit machen kann. Sofern sie nicht kürzlich einen siebenstelligen Betrag im Lotto gewonnen haben, sollten Sie sich jetzt schleunigst mit dem Thema Privatinsolvenz auseinandersetzen.

Oder Sie machen aus der Not eine Tugend und kaufen ein Aktienpaket von Schulutensilien produzierenden Unternehmen. Das ist ein totsicherer Anlage-Tipp, denn schließlich heißt es nicht umsonst: „Zur Schule gegangen wird immer.“ (Notorische Schulschwänzer sind hier von auszunehmen.)

3. Das Pausenbrot

Für Schulkinder ist das Pausenbrot eine essenzielle Mahlzeit. Es verleiht ihnen die nötige Energie, um sich im Unterricht zu konzentrieren, die Lerninhalte wie ein Schwamm aufzusaugen und dann vierzig Jahre später den Chemie-Nobelpreis entgegenzunehmen. Das einzige Problem: Ihr Kind wird sein Pausenbrot nicht essen. Egal, was Sie auf das Brot machen, es wird nach der Schule nahezu unberührt wieder nach Hause gebracht. Außer Sie beschmieren die Stulle daumendick mit Nutella.

Ich habe bei der Pausenbrot-Gestaltung sehr gute Erfahrungen gemacht, wenn ich es mit ein paar dünnen Scheiben Pastrami und Emmentaler sowie Tomaten und eingelegten Gurken belege und geschmacklich mit ein wenig Honigsenf abrunde. Selbstverständlich isst Ihr Kind das auch nicht, aber dafür haben Sie ein leckeres Sandwich zum Abendbrot. Am besten verzehren Sie es aber gleich morgens. Dann ist es noch schön frisch und Ihr Kind muss es nicht unnötig in die Schule schleppen.

Mehr Informationen zum Thema Schulstart gibt es hier! Jetzt gleich reinhören:

4. Die Autoritätsprobleme

Als Eltern eines Kindergartenkindes konnten Sie sich in prekären erzieherischen Situationen verschiedener Behelfsautoritäten bedienen: Der Nikolaus goutierte das Abends-ohne-Theater-ins-Bett-gehen, die Schnullerfee belohnte die Aufgabe des Nuckels oder der Osterhase zeigte sich erfreut über das Essen von Obst. Mit Eintritt in die Grundschule wird ihr Kind den Spieß umdrehen und bei jeder Gelegenheit auf die Klassenlehrerin verweisen, deren Wort ein Gewicht hat, von denen absolutistische Herrscher nur träumen können. „Frau Meier hat wirklich gesagt, Kinder dürfen so viel Schokolade essen, wie sie wollen?“ Ihr Kind wird so heftig nicken, dass der Kopf fast vom Hals abfällt.

Da bleibt Ihnen nur übrig, zum Telefon zu greifen und folgenden Dialog zu führen.

„Guten Abend, Frau Merkel. Ich möchte Sie nicht vom Regieren abhalten, aber haben Sie gehört, was Frau Meier gesagt haben soll?“

„…“

„Genau, das mit der Schokolade.“

„…“

„Ach so, das war nur ein Witz.“

„…“

„Und Schokolade sollten sowieso nur Eltern essen?“

„…“

„Gut, richte ich beides dem Kind aus.“

„…“

„Ihnen auch noch einen schönen Abend, Frau Merkel.“

Damit ist die Schokoladen-Diskussion beendet, denn für Kinder hat die Bundeskanzlerin den Status einer Königin, deren Wort selbstverständlich mehr zählt als das der Grundschullehrerin.

5. Das Aufstehen

Das gleiche Kind, das Sie jahrelang morgens um halb sechs geweckt hat (am Wochenende bereits um fünf), werden Sie mit Eintritt in die Grundschule nicht dazu bringen, das Bett um sieben Uhr zu verlassen, damit es pünktlich in der Schule erscheinen kann. Unschöne Diskussionen, Gezeter und Geschrei sind da jeden Morgen vorprogrammiert.

Sourcen Sie daher das Wecken an einen pensionierten Navy-Seals-Ausbilder aus, der Ihr Kind morgens aus dem Bett schmeißt. Die Beziehung zu Ihrem Kind wird fortan durch widerspruchslose Harmonie und Eintracht gekennzeichnet sein, wie Sie es zuletzt erlebten, als es noch gesäugt wurde. Und das Honorar für den Drill-Sergeant können sie obendrein als haushaltsnahe Dienstleistung von der Steuer absetzen.

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Über den Autor

Christian Hanne vom Blog Familienbetrieb Christian Hanne, Jahrgang 1975, ist im Westerwald aufgewachsen und hat als Kind zu viel von Ephraim Kishon gelesen und zu viel „Nackte Kanone“ geschaut. Inzwischen lebt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Berlin-Moabit. Auf seinem Blog „Familienbetrieb“, auf Twitter und Facebook schreibt er über den ganz normalen Alltagswahnsinn. Kulinarisch pflegt er eine obsessive Leidenschaft für Käsekuchen. Sogar mit Rosinen. Ansonsten ist er mental einigermaßen stabil.

Im September ist sein Buch "Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith" im Seitenstraßenverlag erschienen. In zwölf gar nicht mal so kurzen Kurzgeschichten schreibt er darüber, wie Schwangerschaft, Marathongeburten und nachtaktive Babys eine moderne, gleichberechtigte Partnerschaft auf die Probe stellen.

Im Netz: 

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