Computerspiele taugen nix für Kinder! Oder etwa doch?

Kinder und Computerspiele – wenig treibt Eltern so um, wie die Diskussion um Minecraft, die Sims oder FIFA. Béa Beste hält zu große Ängste und Verbote für nicht zielführend. Sie verrät, wie man aus jedem Computerspiel etwas pädagogisch Wertvolles herausquetschen kann.

Eltern-Ratgeber: Computerspiele taugen nix für Kinder
Einfach mal selber ausprobieren und zum Controller greifen | © Africa Studio\Fotolia.com

17.08.2015, Kolumne "Die Elternflüsterer" von Béa Beste

Gehören Sie auch zu den Eltern, die Computerspiele als tendenziell verdummend einschätzen, und die sich über die Baller- und Daddelsucht ihrer Kinder ärgern?

Oder gehören Sie einfach zu den Eltern, die das Ganze wie Süßigkeiten handhaben – nach dem Motto: "Nicht ganz gesund, aber machen wir’s nicht attraktiver, indem wir’s verbieten"?

Oder gehören Sie gar zu den Jane McGonigall Evangelisten, die glauben, dass man die Welt mit Computerspielen retten kann?

Welcher Fraktion Sie auch angehören, glauben Sie mir, im Leben Ihres Kindes wird es früher oder später Computerspiele geben. Die gehen nicht mehr weg. Und egal, auf welchem Standpunkt Sie stehen, es gibt einen Trick, wie man der Sache einen guten und wertvollen Dreh verschaffen kann – für Ihr Kind:

Kinder und Computerspiele? Reden Sie darüber – mit Ihrem Kind!

Zeigen Sie Interesse am Computerspiel. Stellen Sie Fragen. Lassen Sie sich etwas erklären, beschreiben, vormachen. Sie sind ein blutiger Anfänger? Macht nichts. Ihr Kind erwartet kein Fachsimpeln, und vor allem erwartet es keine Voreingenommenheit. Sie müssen nicht mal so tun, als würden sie das alles sooo spannend finden, wenn es partout nicht so ist.

Bemühen Sie sich nur, nicht abwertend zu wirken, sondern demonstrieren sie lieber eine gesunde Neugier, indem sie fragen, wie das geht, wie man da gewinnt oder verliert, oder was das wirklich Spannende daran ist. 

Reflektieren und Verbalisieren tut Ihrem Kind gut

Der Grund ist simpel. Jede Art von Spiel ist eigentlich ein Lernprozess: Der Spielende muss sich in eine meistens komplexe neue Umgebung zurechtfinden, neue Kommunikations- und Aktionsmechanismen entdecken und eigene Strategien entwickeln. In keinem Spiel, auch nicht im Computerspiel, geht es allein um "Ballern und Blink-Blink".

Sobald Sie Fragen stellen, bringen Sie Ihr Kind dazu, das Ganze zu reflektieren und in eigene Worte zu fassen. Und das, liebe Eltern, ist ein pädagogisch wertvoller Prozess!

So einfach ist das. Und wenn Ihnen das Fragen doch nicht so simpel erscheint, flüstere ich Ihnen jetzt Fragen zu, die Sie stellen können, wenn es um Kinder und Computerspiele geht:

Ein gutes Gespräch über Computerspiele führen – das könnten Sie Ihr Kind fragen:

  • Was gefällt dir an dem Spiel am besten?
  • Was muss man können, um erfolgreich zu sein?
  • Wann gewinnt man?
  • Wann verliert man?
  • Spielt man das Computerspiel allein oder mit mehreren Kindern?
  • Bewunderst du jemanden, der das besser kann als du?
  • Wer von deinen Freunden mag das auch?
  • Worauf bist du stolz in diesem Computerspiel?
  • Was würdest du gern noch können oder lernen?
  • Gibt es Geheimtricks?
  • Wo informierst du dich, wenn du nicht mehr weiter weißt?
  • Weißt du, wer die Spielemacher sind? Sind das coole Socken?

Probieren Sie es aus – Sie werden erstaunt sein, wie viel Strategiegedanken und Kluges so ein kleiner Mensch von sich geben kann, und das gerade beim Thema Computerspiele, denn das ist nunmal das, was viele Kinder sehr interessiert.

Eure Béa

Anmerkung der scoyo Redaktion: Wenn Sie mit Ihrem Kind darüber sprechen, wie lang es am Computer spielen darf, nutzen Sie doch unseren Eltern-Kind-Vertrag. Er ist zwar auf Smartphones ausgerichtet, aber sie können ihn ganz leicht anpassen. Wirken tut es ganz bestimmt!

Co-Elternflüsterer Christian Füller sieht das übrigens ganz anders als Béa Beste. Was er zum Thema Kinder und Computerspiele und wie Eltern damit umgehen sollten denkt, lesen Sie hier: Die Jungs in FiFa schlagen?

Über unsere Elternflüsterin Béa Beste

Béa Beste, Bildungsunternehmerin

Béa Beste ist Die Elternflüsterin - Kolumne scoyo© Béa BesteIm Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin plädierte Bildungsunternehmerin Béa Beste als Expertin im Bereich „Wie wollen wir lernen?“ für eine Lernkultur der Potenzialentfaltung und mehr Heiterkeit in der Bildung. Béa gründete 2006 die bilingualen Phorms Schulen, einige Jahre später die monatlich erscheinende Tollabox mit Materialien und Bastel-Ideen für Familien mit Kindern ab drei Jahren. Die Mutter einer erwachsenen Tochter führt den Kreativ-Blog der Tollabox als "Tollabea" weiter

Webseite: www.tollabea.de | Facebook: facebook.com/tollabea | Twitter: @TOLLABEA | twitter.com/TOLLABEA

Kolumne "Die Elternflüsterer"

Im Wechsel flüstern der Journalist Christian Füller und Bildungsunternehmerin Béa Beste den Eltern Geschichten und Beispiele aus der wunderbar chaotischen Welt des Lernens und Lebens ins Ohr. 

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