10 Dinge, die Hausaufgaben erleichtern

Dass es keine gute Idee ist, wenn Mama mal die Hausaufgaben macht, musste Béa Beste als Schulkind am eigenen Leib erfahren. Bei ihren Kindern wollte die Elternflüsterin es besser machen. Hier flüstert sie, wie ihr das gelang.

Vorgeschichte: Ich war in der vierten Klasse und nicht gerade das Lieblingskind meiner Klassenlehrerin. Meine Mutter ist nicht die typische Helikopter-Mutter, aber sie unterstützte mich schon beim Lernen. Eines Abends gab es in meiner Familie etwas Spannenderes zu tun und meine Mutter bot mir an, in einem Anfall von lockerer Großzügigkeit, einen kleinen Aufsatz für mich komplett zu übernehmen. Ich verbrachte einen entspannten Abend und verließ mich auf sie.

Der Schock kam am nächsten Tag in der Schule, als ich plötzlich aufgefordert wurde, meinen Aufsatz vorzulesen. Hier kam der Moment, in dem ich plötzlich und aus heiterem Himmel innerlich zu fluchen lernte. Denn so sehr meine Mutter sich mit der Schreibschrift auch Mühe gegeben hatte, die Zeilen waren für mich nicht zu lesen. Ich improvisierte stotternd eine bruchstückhafte Geschichte, was meine Lehrerin veranlasste, sich wieder einmal kritisch zu meiner Schreibschrift zu äußern. Dies war sowieso ihr Lieblingssport: „Deine Schrift ist so übel, die kannst du nicht mal selbst lesen!“ Ha. Ha. Ha.

Wenn die gewusst hätte! Zum Glück verlangte sie nicht nach dem Heft. Als ich völlig verschwitzt und zitternd wieder in meine Schulbank niedersank, schwor ich mir, nie wieder meine Mutter an meine Hausaufgaben zu lassen. Ich bin nicht sicher, ob genau das damals ihr Plan war, aber wenn sie damit beabsichtigt hat, mich selbständiger zu machen: VOLLTREFFER. Ziel erreicht. Fürs Leben. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich alles schnellstmöglich fertig hatte, bevor sie wieder ein solches Angebot machen konnte.

Ich habe das System als Mutter nicht übernommen und habe nicht die Hausaufgaben meines Kindes gemacht. Ich habe auch nicht den Eltern in den Schulen, die ich gegründet habe, jemals geraten, dies zu tun. Ich habe einige andere Tricks auf Lager, die ich Eltern an die Hand gebe – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne Wirkungsgarantie. Aber sie sind es wert, ausprobiert zu werden.

Béas 10 Tipps, die die Hausaufgaben erleichtern

1. Erst das Vergnügen, dann die Arbeit

Was will man selbst nach einem langen Arbeitstag? Entspannen! Genau: Auch Kinder brauchen das. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht: Wenn meine Tochter zu lange entspannte, dann war sie ganz raus. Meine Empfehlung: Maximal eine Stunde frei – dann sollten die Kinder schon mit den Hausaufgaben loslegen.

2. Sitzen zu bleiben ist nicht Pflicht

Die meisten Kinder sitzen zum Schreiben natürlich nicht am Schreibtisch, und das ist okay so. Zwingen Sie die Kinder nicht, wie kleine Erwachsene zu sitzen: Sie können ganz natürlich Schreiben lernen – im Liegen, auf dem Boden oder komisch zusammengekauert auf einem Sessel. Lassen Sie ihnen diese Freiheit.

Nur bei einem sollten Sie auf der Hut sein: Wenn Ihr Kind mit der Nase zu nah ans Papier rückt, ist ein Besuch beim Augenarzt fällig. Alles andere ist egal.

3. Besseres Lernen an einem schöneren Ort

Die Umgebung spielt eine große Rolle für unser Wohlbefinden. Ich habe als Mutter die Erfahrung gemacht, dass meine Tochter besser drauf war, wenn sie sich bewusst einen Ort für bestimmte Hausaufgaben aussuchen konnte – und sie war dann auch schneller fertig.

4. Die dickste Kröte zuerst schlucken

Den Trick habe ich selbst auf einem Management-Seminar bekommen: „Swallow the frog“ nennt sich die Methode. Sie besagt, dass man immer mit der unbeliebtesten Aufgabe anfangen soll. Wenn man die durch hat, ist alles andere ein Klacks. Das hat bei den Hausaufgaben meiner Tochter, seit sie 8 Jahre alt war, auch bestens funktioniert.

5. Klingeling! Muhaha! Juhuhu!

Was haben wir von Computerspielen gelernt? Erfolg wird mit einem „geilen“ Sound belohnt. Einfach etwas hinstellen, das ein cooles Geräusch macht, z. B. eine Klingel, eine Klangschale o. Ä. Bei jeder Teilaufgabe, die gelöst wurde, darf das Ding betätigt werden.

6. Immer in Bewegung bleiben und das Trinken nicht vergessen

Bewegungspausen sind wichtig. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass bei längerer Schreib- oder Lesetätigkeit im Sitzen oder Liegen die Durchblutung wichtiger Gehirnareale nicht mehr gegeben ist. Und Dehydrierung ist auch nicht gut!

Also: Ihr Kind sollte öfter mal aufstehen, sich strecken, ein Fenster öffnen oder ein Glas Wasser trinken …

7. Sherlock lässt grüßen

Sind manche Aufgaben etwas kniffelig? Es bedarf auch der richtigen Haltung, um etwas Schwieriges in Angriff zu nehmen. Machen Sie Ihrem Kind klar: Wenn du die Lösung sofort siehst, ist die Aufgabe für dich zu leicht. Ein guter Detektiv muss schon knobeln, bis er auf die richtigen Lösungen kommt.

8. NIEMALS mit Hausaufgaben strafen

Es ist so naheliegend, Vergnügungszeit zu streichen und das Kind zu den Hausaufgaben zu verdonnern, wenn es etwas verbockt hat. Ein ganz großes NEIN. Der größte Fehler, den Sie bei einem Kind machen können, ist die Hausaufgabenzeit als Strafe für irgendeine Verfehlung anzusetzen. So etwas setzt sich für immer im Bewusstsein des Kindes fest: Hausaufgaben = Strafe.

9. Mit gutem Beispiel vorangehen

Erlebt Sie Ihr Kind, wie auch Sie mal der Arbeit nachgehen? Wie sind Sie dabei drauf? Tun Sie das mit Freude und Konzentration? Erledigen Sie alles zügig nacheinander? Reden Sie gut darüber? Na? Ihr Kind wird nicht Ihren Ratschlägen folgen – es wird Ihrem Beispiel folgen.

10. Nicht Sie sollten Ihr Kind belohnen, Ihr Kind sollte sich selbst belohnen

Eigentlich ein Thema für sich. Motivationsexperten wie Dan Pink haben etwas Wichtiges herausgefunden: Belohnungssysteme sind Kreativitätskiller – und meistens geht auch die Effektivität dabei drauf.

Genau genommen ist es so: Je mehr Intelligenz und Grips eine Aufgabe verlangt, desto schlechter wirkt sich eine Belohnung für diese Aufgabe aus. Je routinemäßiger und stupider eine Aufgabe ist, desto besser funktionieren Belohnungen. Alles klar?

Am besten lassen Sie ganz die Finger davon, Belohnungen für Hausaufgaben anzusetzen und zuzuteilen. Bei mir hat es stattdessen gut funktioniert, wenn meine Tochter sich selbst belohnt hat, nach dem Motto:

„Wenn der Aufsatz fertig ist, mache ich mir einen schönen Kakao.“

Ich hoffe, das hilft. Und wenn Sie einem Moment der Schwäche doch mal die Hausaufgaben Ihres Kindes in erledigen, schreiben Sie genauso unleserlich wie meine Mutter!

 

Eine Kolumne von Béa Beste

Hausaufgaben-Tipps & Tricks von Experten:

► Hier die Aufzeichnung der Live-Übertragung ansehen.

6. scoyo-Elternabend: Stressfaktor Hausaufgaben - was Eltern und Kinder entlastet

Über Béa Beste

Béa Beste ist Die Elternflüsterin - Kolumne scoyo© Béa Beste

Béa Beste ist Bildungsunternehmerin und Mutter einer großen Tochter, die sich schon im Studium befindet. Im Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin plädierte Béa Beste als Expertin im Bereich „Wie wollen wir lernen?“ für eine Lernkultur der Potenzialentfaltung und mehr Heiterkeit in der Bildung. Béa gründete 2006 die bilingualen Phorms Schulen. Nach sechs Jahren als CEO ging sie 2011 auf Bildungsexpedition durch Indien, Australien, Indonesien und die USA. Inspiriert von internationalen Bildungsinnovationen entwickelte sie das Playducation Konzept: Was wäre, wenn sich Lernen wie Spielen anfühlt? Leider setzte sich das Produkt, die monatliche Tollabox mit Materialien und Ideen für Familien mit Kindern ab drei Jahren, nicht am Markt durch, sodass Béa derzeit neue Ideen entwickelt, um das Konzept digital umzusetzen. Sie führt den Kreativ-Blog der Tollabox als "Tollabea" weiter

Webseite: www.tollabea.de

Facebook: facebook.com/tollabea

Twitter: @TOLLABEA | twitter.com/TOLLABEA

Die Kolumne "Die Elternflüsterer"

Im Wechsel flüstern der Journalist Christian Füller und Bildungsunternehmerin Béa Beste den Eltern Geschichten und Beispiele aus der wunderbar chaotischen Welt des Lernens und Lebens ins Ohr. 

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