Mobbing in der Grundschule: Wie kann ich mein Kind stärken?

Unsere Leserin macht sich Sorgen. Ihr Sohn kommt in die 2. Klasse und hat jetzt schon Angst, wieder gemobbt zu werden. Wie kann sie ihr Kind gestärkt ins nächste Grundschuljahr bringen? Unsere Experten antworten.

Eltern-Ratgeber: Eltern fragen, Experten antworten: Mobbing in der Grundschule: Wie kann ich mein Kind stärken?
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Elternfrage zum Thema Mobbing in der Grundschule:

Mein Sohn kommt in die 2. Klasse und macht sich jetzt schon Sorgen, wer ihn diesmal hänseln und hauen wird. Leider sind in der Grundschule viele Kinder, mit denen er nicht so gut kann. Durch eine neue Arbeit, die ich bald aufnehme, geht er auch in die Betreuung – für ihn ist also irgendwie alles neu. Wie kann ich mein Kind gestärkt in das neue Jahr bringen? Wie soll ich mich beim Thema Mobbing in der Grundschule verhalten, wie kann ich helfen? 

Eine Leserin

Mobbing in der Grundschule – leider kein Einzelfall

Beleidigt, verhöhnt, ausgegrenzt, geschlagen, erpresst: Der Begriff Mobbing kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt: "Sich gegen den Einzelnen zusammenrotten". Mobbing ist eine Form von psychischer Gewalt einer Gruppe gegen einen Einzelnen – mit dem Ziel, den Mitschüler oder die Mitschülerin "fertig" zu machen. Nach Umfragen und Studien gehen Experten davon aus, dass fast jedes dritte Kind in Deutschland in der Schule gemobbt wird. Ein besonders großes Problem sei Mobbing an Grundschulen, so Forscher.  (Quelle: stern.de

Unsere Experten antworten:

Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo: Hilfe suchen!

Daniel Bialecki: Jury-Mitglied beim scoyo ELTERN! Blog Award© Daniel BialeckiWas mich an der Frage betroffen macht ist, dass das Mobbing Deines Sohnes offenbar schon seit der ersten Klasse ein Thema ist. Hast Du darüber schon konkret mit der Schule gesprochen? Klassenlehrer oder Vertrauenslehrer sind hier die richtigen Ansprechpartner. Ohne sie direkt mit einzubeziehen, wird es schwer werden, das Mobbing zu beenden.Sollte es so sein, dass Du schon mit der Schule gesprochen hast und da nichts passiert, geh unbedingt zur Schulbehörde oder gleich zum schulpsychologischen Dienst. Dort wird man euch beide ernst nehmen und euch wirklich helfen. Das ist besonders wichtig, weil das Mobbing schon so früh begonnen hat und Dein Sohn bald wieder mit einem guten Gefühl in die Grundschule gehen soll.

Ansonsten findest Du hier ein paar gute und konkrete Tipps, wie Du Deinen Sohn unterstützen kannst – und was er selber tun kann, um sich zu helfen. Auch das ist sehr, sehr wichtig. 

Philippe Wampfler, Lehrer: Positive Erlebnisse sammeln, Routinen aufbauen

Referent beim scoyo-Elternabend zu Medienkompetenz: Philippe Wampfler© Philippe WampflerDie Frage klingt, als hätte es in der Vergangenheit schon negative Erfahrungen gegeben. Diese lassen sich nicht schnell aus dem Weg schaffen. Wichtig scheint mir, positive Erlebnisse zu sammeln: Zuhause, in der Schule, mit anderen Kindern. So wird auch deutlich, wo Stärken und Qualitäten liegen.

Das geschieht nicht von heute auf morgen. In einem ersten Schritt dürfte es helfen, sich in der Klasse und in der Betreuung an Kinder zu halten, mit denen ein Umgang möglich ist, und so so etwas wie eine Routine für den Schultag aufzubauen, die Sicherheit gibt.

Béa Beste, Bildungsunternehmerin: Schöne Augenblicke verschaffen, mit anderen sprechen

Béa Beste: Jury-Mitglied beim scoyo ELTERN! Blog Award© Bea BesteIhr scheint mir beide schon etwas traumatisiert zu sein durch frühere Mobbing-Erfahrungen in der Grundschule. Ich sehe mehrere Ansatzpunkte, wie du deinen Sohn und auch dich stark machen kannst:

1. Verschafft euch beiden selbst schöne gemeinsame Augenblicke. Versucht, gerade vor diesem Start, zusammen schöne Dinge zu machen, die euch positiv stimmen: Ein Besuch im Zoo? Ein kleiner Ausflug zu einem Ort, den ihr beide cool findet? Ein Nachtspaziergang mit Taschenlampe? Etwas spielen, backen, basteln? 

2. Redet mit Außenstehenden darüber. Gibt es im Familien- oder Freundeskreis jemanden, der oder die euch gut versteht und mit dem ihr beide darüber reden könnt? Vielleicht eine Tante oder eine Freundin von dir – wer kann besonders gut zuhören und neigt nicht zu schnellen Lösungen? Denn eigentlich geht es nicht darum, dass jemand euch das Problem "fixt" – sondern darum, dass ihr zur Sprache bringt, was euch belastet und jemand von außen Fragen stellen kann. 

3. Lass deinen Sohn einen Kurs belegen, der ihn stark macht. Vielleicht ist ein Kurs, der Selbstverteidigung antrainiert, richtig für euch. Ich kenne diverse Programme, zum Beispiel die "Cool Strong Kids", die exzellente Arbeit leisten und Trainer in verschiedenen Städten haben. Dort übt man nicht nur zu kämpfen – sondern alles, was man präventiv machen kann, z. B. auch eine entsprechende Körperhaltung einzunehmen, die anderen signalisiert: Nicht mit mir! Das könnte sehr hilfreich sein, um sich gegen das Mobbing in der Grundschule zu wehren.

4. Rede mit deinem Sohn darüber, was er an sich gern mag. Vielleicht muss er sich selbst ein wenig kennenlernen und seine liebenswürdige Seite verstehen, bevor er andere damit überzeugt. Versucht eine Liste mit all seinen positiven Eigenschaften zu finden. Sei dabei aber auch empathisch und höre genau hin, womit sich dein Sohn schwer tut. Widerspreche ihm nicht. Frage ihn, ob er etwas ändern möchte. Vielleicht wünscht er sich schon länger eine bestimmte Klamotte, in der er sich stärker und wohler fühlt ... 

Übrigens, einen der besten Artikel zum Thema Mobbing finde ich immer noch ist der bei BerlinMitteMom - absolut lesenswert!

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