Was ist Legasthenie und was tut man dagegen?

Das Kind errät die Texte eher, als dass es sie liest, und Grammatik bleibt ein Buch mit sieben Siegeln – wann genau eine Legasthenie, also Lese-Rechtschreibstörung vorliegt, erfahren Sie hier.

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Was ist was: Legasthenie, Lese-Rechtschreibschwäche, Dyslexie?

Vorab: Nicht jedes Kind mit Problemen hat automatisch Legasthenie oder eine Lese-Rechtschreibschwäche. Kinder lernen unterschiedlich schnell. Es gibt immer Fächer, die ihnen mehr oder weniger liegen. Trotzdem ist es gut zu wissen, wann es Anzeichen für Legasthenie, also eine Lese-Rechtschreibstörung gibt, um Schulkindern so schnell wie möglich mit einer Förderung den Schulalltag zu erleichtern.

Worte wie Legasthenie, Lese-Rechtschreibstörung und -schwäche sowie Dyslexie werden oft gleichbedeutend verwendet. Es gibt aber einen gewaltigen Unterschied. Eine Lese-Rechtschreibschwäche beschreibt vorübergehend schwache Leistungen aufgrund von bestimmten Lebensbedingungen.

Die Lese-Rechtschreibstörung, auch Legasthenie gennant,  kennzeichnet eine zeitlich andauernde, weit unterdurchschnittliche Leistung, weitgehend durch organische Ursachen bedingt.

Eine Dyslexie liegt vor, wenn schriftsprachliche Probleme aufgrund von Hirnschädigungen durch Unfälle, Tumoren etc. auftreten, ist also durch organische Ursachen bedingt.

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Wie wird Legasthenie klassifiziert?

Die Legasthenie wird (nach ICD-10) als Entwicklungsstörung charakterisiert. Diese beeinträchtigt nachhaltig die schulische, psychische und soziale Entwicklung.

Für die Diagnose müssen eindeutige Voraussetzungen erfüllt sein: Einerseits darf keine Entwicklungsverzögerung vorliegen, die zum Beispiel durch einen intensiveren Unterricht behoben werden könnte. Andererseits muss ein IQ von über 70 beim Kind vorhanden sein. Das schließt aus, dass die Symptomatik auf einer Intelligenzminderung beruhen könnte.

Wie häufig kommt Legasthenie vor?

Generell bewegt sich die Häufigkeit des Vorkommens zwischen 3,6 Prozent und 7,3 Prozent. Je nachdem, wie streng Kriterien ausgelegt werden, kommt es auch zu höheren Werten. Unumstritten ist allerdings, dass Jungen doppelt so häufig an einer LRS leiden, wie Mädchen.

Welche Symptome treten beim Lesen auf?

Betroffene Kinder lassen beim Lesen häufig Worte und Wortteile aus, ersetzen sie oder fügen welche hinzu. Außerdem ist die Lesegeschwindigkeit sehr niedrig, Zeilen werden verloren. Oft werden auch Wörter im Satz oder Buchstaben in Wörtern vertauscht. Auffällig ist auch, dass Legastheniker*innen dem Gelesenen keinen Sinn entnehmen oder Zusammenhänge herstellen können.

Welche Symptome treten beim Schreiben auf?

Beim Schreiben haben die Schüler*innen Schwierigkeiten beim Aufzeichnen von Buchstaben, Wörtern und Sätzen. Sowohl beim Abschreiben von Texten als auch bei ungeübten Diktaten machen sie überdurchschnittlich viele Fehler. Mal werden Wörter richtig geschrieben, kurz darauf das gleiche Wort falsch. Das zeigt, dass hier kein Beherrschen des Wortes vorliegt.

Kinder mit Legasthenie verdrehen zudem häufig ähnlich aussehende Buchstaben wie „b“ und „d“ oder „p“ und „q“. In vielen Fällen haben die Schüler*innen Schwierigkeiten beim lautgetreuen Schreiben - also ein Wort so zu schreiben, wie sie es davor gehört haben. Auch Grammatikfehler kommen überdurchschnittlich oft vor.

Welche Begleiterscheinungen können vorkommen?

Zu einer Legasthenie gesellen sich meist auch begleitende Störungen hinzu, sogenannte komorbide Störungen. Bei ca. einem Fünftel der Betroffenen liegen zusätzlich Aufmerksamkeitsdefizite vor. Auch Rechenstörungen gehen häufig mit Legasthenie einher. Leider sind auch Angst- sowie depressive Störungen oft Begleiter von Legasthenie. Zudem kommt es häufig zu psychosomatischen Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel Übelkeit oder Kopfschmerzen. Insgesamt zeigen 60-70 Prozent der Legastheniker*innen begleitende Störungen.

Welche Ursachen hat Legasthenie?

Viele Ursachen, die im Zusammenhang mit Legasthenie stehen, werden immer wieder diskutiert. Am besten belegt ist das phonologische Defizit. Dabei haben Betroffene Schwierigkeiten, Schrift und Sprache zu vernetzen. Grund dafür ist der schlechte Zugriff auf die Lautstruktur von Wörtern. Das bedeutet, dass es Betroffenen schwerfällt, Worte in einzelne Laute zu zerlegen oder einzelne Laute beim Lautieren wegzulassen.

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Wie wird Legasthenie diagnostiziert?

Es gibt viele Verfahren, Legasthenie zu diagnostizieren. Zum Beispiel ELFE-2, SLRT-2 oder die Hamburger Schreibprobe. Zur Diagnosestellung gehört in jedem Fall ein IQ-Test.

Vermuten Sie, dass Ihr Kind Legasthenie haben könnte? Dann ist es wichtig, zuerst mit Ihrer Lehrkraft darüber zu sprechen. Diese kann Ihnen aufzeigen, welche Probleme Ihr Kind konkret im Unterricht hat. Sie hilft Ihnen einzuschätzen, ob ein Legasthenie-Test in Ihrem Fall sinnvoll ist.

Was beinhaltet ein Nachteilsausgleich?

Kinder mit Legasthenie haben die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu erhalten. Dafür müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. In Hamburg müssen zum Beispiel 90 Prozent der Kinder aus der Vergleichsgruppe mindestens gleiche und bessere Werte erzielten.

Gehört ein Kind zu den unteren 5 Prozent, kann das Jugendamt die Kosten für eine Lerntherapie übernehmen. Dies muss sonst aus eigener Tasche gezahlt werden.

Um einen Nachteilsausgleich in der Schule anzufordern, können Eltern diesen formlos bei der Schulleitung und in Absprache mit den Lehrkräften beantragen. Mögliche Forderungen für einen fairen Nachteilsausgleich wären die Nichtbewertung der Rechtschreibung in allen Fächern, das Anfertigen schriftlicher Leistungsnachweise auf einem Computer, mündliche statt schriftlicher Leistungsnachweise oder eine Zeitverlängerung bei schriftlichen Arbeiten.

Wie läuft eine Therapie ab?

Möchten Sie Ihr Kind mit einer Lerntherapie unterstützen, müssen Sie mindestens 1-2 Jahre dafür einplanen. Hier findet keine kleinschrittige Förderung statt, sondern ein großer Rundumschlag. Es wird konkret auf den Leistungsstand des Kindes eingegangen. Für die Therapie gibt es einige bewährte Trainingsarten, die gerne angewendet werden. Zum Beispiel das Training mit Gustav Giraffe oder das Lesetraining mit Frida Ferkel.

 

Viele Programme sind darauf ausgelegt, nicht nur die Lese- und Rechtschreibfähigkeit zu verbessern, sondern auch die emotionale Situation. Sie zielen darauf ab, dass die Kinder Lesen und Schreiben nicht mehr mit Misserfolgen verbinden. Sondern mit Erfolgserlebnissen und dem Erleben des eigenen Könnens.

Ein weiteres Training, dass es auch kostenlos bei Youtube zu finden gibt, ist die Lurs Akademie. Dieses wurde von der LegaKidsStiftung gemeinsam mit der AOK entwickelt und stellt verschiedene Aufgaben und Spiele samt Lösung als PDF kostenlos zur Verfügung. Für weitere Informationen zum Thema Legasthenie bietet die LegaKids Seite einen umfangreichen Überblick.

Über die Autorin:

Louisa Eberhard - Autorin bei scoyoLouisa Eberhard kommt aus Berlin und studiert nun in Hamburg Sozialwissenschaften. Sie beschäftigt sich vorrangig mit den Themen Erziehung, Bildungswesen und Familienalltag.

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