Was passiert beim Lernen im Gehirn?

Für alle, die wissen wollen, was beim Lernen im Gehirn eigentlich passiert und wieso wir uns manche Fakten besser merken können als andere.

Lernen Lerntipps und Lernmotivation: Was passiert beim Lernen in Gehirn?Vom Schulbuch ins Langzeitgedächtnis | © freshidea - Fotolia.com

Viele vom Gehirn aufgenommene Informationen gehen nach wenigen Sekunden schon wieder verloren. Das Kurzzeitgedächtnis erreichen nur solche, die das Gehirn mit gespeichertem Vorwissen verknüpfen kann. Doch auch viele von ihnen sind nach spätestens 20 Minuten wieder gelöscht.

Alles, was wir nach einer Stunde immer noch behalten haben, ist bereits ins Langzeitgedächtnis gewandert. Doch was passiert da eigentlich beim Lernen im Gehirn, und wie behalten wir Informationen und Lerninhalte wirklich langfristig im Gedächtnis, auch länger als eine Stunde?

Das passiert beim Lernen im Gehirn

Äußerliche Reize lösen über die Sinneszellen die Aktivierung der Synapsen aus. Über diese wird nun die Information von Nervenzelle zu Nervenzelle weitergegeben. Je mehr Synapsen und Nervenzellen aktiviert sind, desto tiefer wird die Information im Gehirn verankert. So speichert das Gehirn zwischen 80 und 90 Prozent der Wahrnehmungen, die gleichzeitig durch Hören, Sehen und Erleben aufgenommen werden, von Beginn an. Wer etwas hört, vergisst es – wer etwas sieht und hört, erinnert sich – wer etwas tut, begreift es!

Nachhaltiges Lernen durch Vorstellungskraft

Durch das Wiederholen beim Lernen passiert Folgendes im Gehirn: Die Synapsen werden regelmäßig neu aktiviert. Dadurch werden die Kontakte zwischen den Nervenzellen verstärkt. Etwas nicht nur einmal auswendig zu lernen, sondern ab und an zu wiederholen, fördert also das langfristige Speichern im Gedächtnis.

Noch einfacher geht´s, wenn wir das Lernen mit Geschichten, Bildern oder Anekdoten verknüpfen und wirkliches Interesse am Thema zeigen. Das liegt daran, dass sich unser Gehirn besser die Inhalte merken kann, auf die wir uns beim Lernen intensiv konzentriert haben und die wir uns vorstellen können. Deshalb eignen sich alltagsrelevante Beispiele und kreative Hilfsmittel optimal als wirklich nachhaltige Methoden zum Lernen für Schüler. Wenn sich Kinder selbstständig durch Ausprobieren die Lösung erarbeiten, sorgt dies für ein Aha-Erlebnis, das das Gehirn so schnell nicht wieder vergisst.

Doch auch die Emotionen, die wir durch andere Lernmethoden als stumpfes Auswendiglernen zutage fördern, begünstigen das langfristige Speichern der Informationen im Gedächtnis.

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Emotionen und Assoziationen erleichtern das Lernen

Erinnern Sie sich an das spannendste Buch, das Sie je gelesen haben? Ein Buch, das Sie regelrecht gefesselt hat? Bestimmt, denn wenn Sie emotional in eine Handlung und Geschichte eintauchen, werden Sie diese so schnell nicht vergessen können.

Gabi Reinmann, Diplom-Psychologin und Hochschullehrerin, erklärt, dass Informationen oft mit verschiedenen Wahrnehmungen, Gefühlen und Erinnerungen verbunden werden. Das ermöglicht es, neu erlerntes Wissen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Zudem wirkt emotionale Verbundenheit mit einer Geschichte oder deren fiktiven Personen im Unterbewusstsein nach und unterstützt zusätzlich die sichere Abspeicherung des Wissens, z. B. beim Schlafen und Träumen.

Apropos Lernen im Schlaf: Israelische und amerikanische Forscher haben in einem Experiment zum räumlichen Lernen beobachtet, was im Gehirn beim Schlafen passiert, und herausgefunden, dass unser Gehirn während eines Traums neue Lerninhalte verarbeitet. Dies bestätigt Schlafforscher Jan Born, der sich mit dem Zusammenhang von Schlaf und Gedächtnis beschäftigt. Während des Schlafens, der Zeit, in der die äußeren Reize für das Gehirn ausgeschaltet sind, verarbeitet und filtert das Gehirn neue Informationen. Der Lernprozess funktioniert „wie im Schlaf“.

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