Sollten Kinder in den Ferien für die Schule lernen?

Umfrage 2017: Die Mehrheit der Schüler lernt auch in den Ferien. Der Anteil der Intensiv-Lerner ist im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Digitale Medien sind das beliebteste Hilfsmittel.

Lernen: Sollten Kinder in den Ferien für die Schule lernen?
Lernen in den Ferien? Keine Ausnahme bei deutschen Schülern. | © scoyo

Lernen in den Ferien? Auch in diesem Jahr keine Ausnahme unter den deutschen Schüler und Schülerinnen. Genau wie im vergangenem Jahr lernen 59 Prozent aller Schulkinder in den Ferien. Das ergab eine repräsentative forsa-Umfrage unter 1.002 Eltern schulpflichtiger Kinder in Deutschland (Mai 2017). Allerdings fällt im Vergleich zum Vorjahr auf, dass die Intensität bei denjenigen ansteigt, die auch in der freien Zeit pauken: Nahezu jedes vierte Kind in Deutschland (24%) lernt regelmäßig (+1% 2016, +4% 2015), darunter 38 Prozent mehr als zwei Stunden pro Woche (+4% im Vergleich zu 2016 und 2015). 

Booklet mit allen Studienergebnissen zum Download

Wenn lernen, dann nur mit Spaß 

Der Frage, ob Lernen in den Ferien sinnvoll ist, sind wir bereits 2016 ausführlich nachgegangen. Besteht Aufhol- oder Nachholbedarf beim Kind, sollte darauf geachtet werden, dass die Lerndauer begrenzt ist und genügend Zeit für Lernerfahrungen bleibt, welche die Persönlichkeitsentwicklung betreffen. Dies wirkt sich positiv auf das Selbstbewusstsein des Kindes aus – das ist nicht nur eine entscheidende Lernvoraussetzung (selbstbewusste Kinder trauen sich eher Fehler zu machen). Es ist ebenso ein Wunsch vieler Eltern: 95 Prozent legen Wert darauf, dass ihre Kinder in den Schulferien soziale Kompetenzen ausbauen und ihr Selbstbewusstsein stärken.  

„Am Wichtigsten bleibt: Kinder sollen motiviert und mit Spaß lernen, ihre Stärken entdecken und ausbauen sowie ihre Persönlichkeit entwickeln. Sie müssen zu kompetenten Menschen werden. Dafür brauchen sie Zeit, auch und gerade jenseits der Schulbücher“, kommentiert Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo, die Ergebnisse der forsa-Umfrage.

Beliebteste Lernhilfen: Digitale Medien bei Eltern und Kindern hoch im Kurs  

scoyo wollte gerne wissen, wie SchülerInnen in den Ferien lernen. Zu welchen Hilfsmitteln greifen die Kinder? Als klarer Gewinner belegen die digitalen Medien mit 67% den ersten Platz. Das ergab eine FACT-Befragung unter 629 Kindern zwischen 8 und 14 Jahren. Mehr als zwei Drittel der Kinder lernt am liebsten mit einer Lernsoftware oder Online-Programmen und Apps. Platz 2 belegen Übungshefte, auf Platz 3 stehen die Eltern als beliebter Lernbegleiter. 

Lernen: Sollten Kinder in den Ferien für die Schule lernen? FACT-Umfrage 2017: Beliebteste Hilfsmittel zum Lernen | © scoyo
Warum SchülerInnen so gerne mit digitalen Medien lernen, weiß Dr. Florian Sochatzy, Geschäftsführer des Instituts für digitales Lernen: „Lernen mit PC, Tablet und Smartphone macht viele Schüler erst einmal neugierig und motiviert sie. Diesen Effekt können Eltern und Schüler gemeinsam nutzen, um eine möglichst sinnvolle Bildungserfahrung zu machen.“ Auch der elearning-Experte rät, die zeitliche Belastung in den Ferien nicht zu hoch anzusetzen. Die Zeit, besonders in den Sommerferien, ist kostbar – schließlich haben Eltern und Kinder hier die (seltene) Gelegenheit, diese selbst frei zu gestalten. 

Booklet mit allen Ergebnissen der scoyo-Studie "Lernen in den Ferien 2017" zum Download (8 Seiten, 0,5 MB)

Tipps zum Lernen mit digitalen Medien 

Lernen mit digitalen Medien heißt aber nicht nur, dass Kinder starr vor dem Bildschirm sitzen und die Maus bewegen (oder auf der Couch liegen und auf dem Tablet herumwischen). Wir haben stellen Ihnen drei Aufgaben vor, die Bewegung, Lernen und Medienverständnis miteinander kombinieren. Lassen Sie sich von unseren Ideen inspirieren. Bestimmt fallen Ihnen noch weitere Lern- und Einsatzmöglichkeiten mit Smartphone und Tablet ein!

Lernen: Sollten Kinder in den Ferien für die Schule lernen? Lernen mit digitalen Medien? Weg von der Couch und ab nach draußen! | © hetmanstock2\fotolia.com3 Beispielaufgaben aus der scoyo-Redaktion: 

1. BILDBEARBEITUNG: VOM ORIGINAL ZUM FAKE
Sie brauchen: 
Tablet
Bildbearbeitungsapp 

So geht's: 
Die Kinder fotografieren sich gegenseitig mit dem Tablet. Wer mag, kann daraus eine kleine Modenschau machen und die Mini-Models posieren in lustigen Verkleidungen für den Fotografen. (Tipp: Wenn die Fotos im Grau-Modus aufgenommen wurden, kommen farbige Bearbeitungen besonders gut zur Geltung.)

Jetzt geht's an die Veränderung der Fotos. Mithilfe der Bildbearbeitungsapp können die Originalbilder modifiziert werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass jedes der Kinder zuvor gefragt wird, ob es damit einverstanden ist, dass sein Foto bearbeitet wird. Schließlich mag nicht jeder grüne Lippen oder blaue Haare. 

Die Fotos können stark verändert, es kann aber auch mit ganz minimalen Veränderungen gespielt werden. Vielleicht ist sogar auf dem ersten Blick gar nicht zu sehen, dass etwas an dem Original gemacht wurde. Probieren Sie mit den Kindern verschiedene Versionen aus. 

Das wird gelernt: 
Die Kinder lernen den Umgang mit einer Bildbearbeitungsapp sowie man einen Stift auf dem Tablet verwendet. Sie erleben, wie schnell sich Fotos verändern lassen. 

 2. WAS WÄCHST DENN DA? 
Sie brauchen: 
Tablet oder Smartphone 
Pflanzenbestimmungsapp 

So geht's: 
Auf geht's zusammen in den Wald oder auf eine Wildwiese! Statt mit einem Naturführer greifen die Kinder zum Smartphone und bestimmen die Pflanzen mithilfe einer App. Wer kann die meisten Pflanzen bestimmen? 

Das wird gelernt: 
Mit dieser Übung lernen die Kinder nicht nur genaues Beobachten und Vergleichen, sondern auch, wie man mit einem digitalen Nachschlagewerk umgeht.

3. FÜR KLEINE FORSCHER & ENTDECKER
Sie brauchen: 
Materialien für ein ausgewähltes Experiment (z. B. von Tollabea)
Smartphone oder Tablet

So geht's: 
Die Kinder führen ein kleines Experiment durch, wie zum Beispiel "Warum trennt sich Öl von Wasser?". Das ganze Experiment wird mit einem Tablet oder Smartphone gefilmt. Eine andere Möglichkeit ist, die einzelnen Schritte des Experiments zu fotografieren. Am Ende können die Kindern Vermutungen aufstellen, warum sich das Öl so verhält.
Durch die Aufname des Experiments haben die kleinen Forscher die Möglichkeit, sich den Verlauf wiederholt anzuschauen und ihre Beobachtungen zu kommentieren.

Das wird gelernt: 
Neben der Planung und Durchführung eines Experiments lernen die Kinder, ihre Handlungen genau zu beobachten und beurteilen. 

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