Mathe leichter verstehen – Das raten Experten bei "Mathe-Intoleranz“

Kaum ein Schulfach ist so unbeliebt wie Mathe. Gerade Mädchen zeigen gegenüber Subtraktion & Co. oft eine Intoleranz. Alles eine Sache der Einstellung, sagen unsere Expertinnen. Jeder kann Mathe leicht verstehen – so klappt‘s.

Lerntipps & Lernmotivation: Mathe leichter verstehen - die besten Tipps des 7. scoyo Elternabends
Spiele, Apps, Bewegung – mit den richtigen Methoden wird Mathe ganz leicht verständlich | © Rawpixel.com / Fotolia.com

Inhalt:

Step 1: Ursachenforschung – Woher kommt die Angst vor Mathe?

Step 2: gezieltes Handeln – Was hilft, wenn ein Kind Matheangst hat?

Step 3: Vorbeugung – Wie wird Mathe gar nicht erst zum Problemfach?

Step 4: Dranbleiben – So macht Mathe (wieder) Spaß!

→ Do's & Don'ts auf einen Blick

Mathe leichter verstehen – so geht’s:

Step 1: Ursachenforschung – Woher kommt Matheangst überhaupt?

  • Andere Fächer werden von Kindern oft als kreativer wahrgenommen. Sie haben das Gefühl, Mathe müsse stur auswendig gelernt werden, ohne Abwechslung bei den Aufgaben. Der Aufgabenberg scheint deshalb schier unüberwindlich. Dabei hat Mathe viele kreative Facetten. So kann man Formen in der Geometrie entdecken, Mathegeschichten erfinden, Rechenspiele spielen oder Einmaleins-Lieder singen. Werden die kreativen Facetten richtig eingesetzt, fällt es leichter Mathe zu verstehen.
  • Speziell wir in Deutschland haben eine "angeborene" negative Haltung gegenüber der Mathematik. Wir thematisieren häufig, dass Mathe ein schwieriges und unliebsames Fach ist und machen es damit verstärkt zu einem Angstfach.

"Vor einigen Jahren hat man noch gesagt, es ist unmöglich, die 100 Meter unter 10 Sekunden zu schaffen und die Wissenschaftler haben das ganz anschaulich mit Daten dargelegt. Und dann kam einer, der wusste das gar nicht und der hat es einfach gemacht." Prof. Dr. Ladel

Mehr dazu: Spielerisch Mathe lernen

  • Außerdem fehlt oft der Bezug zum Alltag und das Verständnis, wo Mathematik im Leben versteckt ist.

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Warum tun sich Mädchen häufig schwerer in Mathematik?

  • Auch hier greift unsere verzerrte Einstellung gegenüber der Mathematik. Seit Generationen wird das Rollenbild weitergegeben, dass Mathe (und Naturwissenschaften) keine Frauendomäne sei. Mädchen nehmen diese Haltung von Verwandten, Freunden und sogar LehrerInnen auf – mit dem Resultat, dass sie Mathe tatsächlich nicht so leicht verstehen. Diese Haltung festigt sich bereits in der Grundschule.
  • Die Angst vor Mathe ist bei Mädchen beim Übergang von der Grundschule zur Sekundarstufe besonders stark. Hier müssen die Schulen dringend besser zusammenarbeiten. An der Schwelle von Grund- zur weiterführenden Schule, wirken viele Faktoren auf die Kinder ein. Sie müssen sich zum Beispiel an eine neue Umgebung, neue Lehrer und Mitschüler gewöhnen, sorgen sich vielleicht, alte Freunde aus den Augen zu verlieren und die beginnende Pubertät kommt ins Spiel. Jetzt hilft vor allem eins: Selbstbewusstsein stärken

Mehr Tipps zum Wechsel auf eine andere Schule

Problemfach Mathematik - warum eigentlich? Interview mit Stephanie Schiemann

Hier können Sie die Zitate der Experten im Video ansehen:

Step 2: gezieltes Handeln – Was hilft, wenn ein Kind Matheangst hat?

  • Mit dem Kind sprechen und mit ihm gemeinsam versuchen herauszufinden, wo die Schwierigkeiten liegen.
  • Dazu das Gespräch mit dem Lehrer suchen. Die Lehrkraft kennt das Kind sehr gut und kann einschätzen, ob sich die Probleme vielleicht von allein wieder auflösen, oder ob andere Fördermaßnahmen getroffen werden sollten. Außerdem ist es möglich, individuelle Absprachen für Ihr Kind zu treffen, zum Beispiel temporär reduzierte Hausaufgabenanforderungen. So können Erfolgserlebnisse geschaffen und das Selbstvertrauen gestärkt werden.
  • Denn um den Teufelskreis aus Misserfolgen und Demotivation zu durchbrechen, brauchen die Kinder Erfolgserlebnisse. Merken die Kids, dass sich das Mathelernen lohnt und sie Herausforderungen meistern, entwickeln sie auch (wieder) Spaß und verstehen Mathe leichter.

Mehr dazu: Mathe, das brauch´ ich: Traumberuf Tierarzt

Wo finden Eltern Hilfe, wenn die Matheprobleme überhandnehmen?

  • Das Wichtigste ist: Haben Sie keine Scheu und nehmen Sie Ihre Sorgen ernst. Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind und besprechen Sie gemeinsam, ob Handlungsbedarf besteht.
  • Im zweiten Schritt wenden Sie sich am besten an die Schule. Hier finden Eltern ein breites Beratungsangebot: Förderschullehrkräfte, Beratungslehrer und der schulpsychologische Dienst können helfen, gezielt (oft auch nur vorübergehende) Lernschwierigkeiten zu erkennen und Mathe wieder leichter verständlich zu machen.
  • Angst vor Mathe kann sehr komplex sein. Gemeinsam mit verschiedenen Experten wie einem Kinderpsychologen können Eltern herausfinden, ob es tatsächlich an der Mathematik hapert, ob familiäre Probleme die Ursache sind, oder ob das Kind vielleicht Schwierigkeiten mit dem Lehrer oder anderen Schüler hat.
  • Im Zusammenhang mit Matheproblemen fällt oft das Stichwort "Dyskalkulie". Unsere Expertinnen raten allerdings, Dyskalkulie-Diagnosen mit Skepsis zu behandeln. Denn ob es sich bei einer Rechenschwäche wirklich um eine Krankheit handelt, ist immer noch umstritten. Anstatt ein Kind als "krank abzustempeln", hilft es viel mehr, kompetenzorientiert zu denken und seine Stärken in den Fokus zu rücken, zum Beispiel durch lerntyporientierte Herangehensweisen an die Mathethematik. Daraus resultieren Erfolgserlebnisse, neues Selbstvertrauen und eine ordentliche Portion Motivation.

Hier können Sie die Zitate der Experten im Video ansehen:

Step 3: Vorbeugung – Wie wird Mathe gar nicht erst zum Problemfach?

  • Wie bereits gesagt: Die Haltung macht's! Dabei prägen Eltern die Einstellung ihrer Kinder sehr stark. Versuchen Sie deshalb, Ihren Kindern, auch wenn es schwerfällt, ein positives Mathebild zu vermitteln.

"Das Schlimmste, was Sie Ihrem Kind antun können, ist zu sagen 'Ich habe Mathe schon immer gehasst'." Prof. Dr. Ladel

  • Eine positive Haltung wird unter anderem durch einfache Alltagsmaßnahmen gestützt, die Sie unter Step 4 übersichtlich aufgelistet finden.

Kolumne: Das Fach, dessen Name nicht genannt werden darf – Mathelernen leicht gemacht

  • Wichtig ist auch, bei Misserfolgen in Mathe (ebenso wie in einem anderen Fach) nicht zu schimpfen. Kinder brauchen die Gewissheit, dass sie, unabhängig ihrer schulischen Leistungen, zu Hause immer liebevoll empfangen werden.

Mehr dazu: Mitmachaktion #mehralsnoten

Hier können Sie die Zitate der Experten im Video ansehen:

Step 4: Dranbleiben – Wie kann Mathe (wieder) Spaß machen?

  • Let’s get kreativ! Einmaleins-Lieder (zum Beispiel mit Hits von Nena: hier bei Amazon ansehen), Rechnen beim Treppensteigen, fantasievolle Lernspiele, Bücher und Videos, die Mathe anschaulich erklären – es gibt viele Wege, die Faszination Mathe zu entdecken.

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Prof. Dr. Ladel empfiehlt dazu die Bücher von Albrecht Beutelspacher:

→ Warum Kühe gerne im Halbkreis grasen

→ Wie man durch eine Postkarte steigt

→ Christian und die Zahlenkünstler

  • Rechnen und Lernen mit Bewegung verbinden: beim Treppensteigen zählen, einen Ball hin und her werfen und eine Einmaleinsreihe aufsagen oder beim Rückwärtsgehen subtrahieren.
  • Wichtig ist auch, Kindern den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Rechenarten, Subtraktion und Addition sowie Multiplikation und Division, deutlich zu machen. Am besten mit einem bunten Aufgabenmix, zum Beispiel beim Treppensteigen bei einem Schritt + 2 und beim nächsten -1 zählen.
  • Das Mathematikmuseum Mathematikum bietet Mathe zum Anfassen und macht die Thematik für Kinder lebendig.
  • Wissen wofür man lernt ist ein wichtiger Motivationsfaktor! Halten Sie deshalb gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs Ausschau nach Mathe im Alltag – zum Beispiel beim Einkaufen oder Backen. Es hilft außerdem, dem Kind zu zeigen, wofür es Mathe später einmal braucht, das macht das Mathelernen leichter.

Mehr dazu: Mathe, das brauch ich! Traumberuf Pilot

  • Wenn das Kind Mathe bereits versteht, kann es den Stoff über Lernspiele, die zusätzliche Motivationselemente beinhalten, weiter vertiefen. So wird Mathe mit Spaß verbunden und das wirkt sich nachhaltig auf die Motivation aus.

Mehr dazu: Wie und wo können Kinder online lernen? Eine Übersicht.

  • Fragen Sie die Lehrperson direkt nach konkreten Möglichkeiten, wie Sie Ihr Kind zusätzlich unterstützen können. Die Art, wie Kinder heute Mathe lernen, hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Drängen Sie Ihrem Kind bitte nicht Ihren Rechenweg auf, das führt nur zu Verwirrung. Jeder hat seinen eigenen Weg, Mathe leichter zu verstehen. 

Hier können Sie die Zitate der Experten im Video ansehen:

Mathe leichter verstehen – Do’s & Don'ts auf einen Blick

Do

Don‘t

  • eine positive Haltung gegenüber dem Fach Mathe vermitteln
  • Kindern Sätze wie "Mathe konnte ich auch noch nie" präsentieren
  • Geschlechterbild entzerren (Mädchen können Mathe genauso gut wie Jungen)
  • bei Misserfolgen schimpfen, anstatt Kompetenzen zu stärken
  • Kinder kompetent in Mathe machen (ggf. mit Lernhilfen oder Nachhilfe) und so motivierende Erfolgserlebnisse schaffen
  • Schülern die eigene Rechenweise aufdrängen und damit Verwirrung auslösen
  • kleine Mathespiele im Alltag einbauen (Einmaleins singen, Rechnen beim Einkaufen oder Treppensteigen) macht Mathe greifbarer und leichter verständlich, wofür Kinder Mathe lernen sollen
  • Zuhause zu viel helfen und damit dem Kind die Möglichkeit nehmen, Lösungswege selbstständig zu verinnerlichen
  • regelmäßige Dialoge in der Familie und mit der Schule führen, damit sich Schwierigkeiten und Ursachen früh identifizieren und gut lösen lassen
  • die eigenen Sorgen nicht ernst nehmen und riskieren, das Kind mit seinen Problemen allein zu lassen (Führen Sie lieber ein Gespräch zu viel, als zu wenig)

Die ExpertInnen:

  • Frau Prof. Dr. Silke Ladel, Didaktik-Professorin

  • Daniela Wolf, Bloggerin bei Nenalisi

  • Alexandra von Plüskow, Lehrerin und Autorin

  • Moderator: Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo

Noch mehr Infos zum Thema "Mathe leichter verstehen" und den gesamten 7. scoyo Elternabend finden Sie hier!

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