Lernen mit Mnemotechniken: Das merk ich mir!

Assoziationsketten, Loci-Methode, Alphabet-Methode oder doch lieber Merksätze? Mnemotechniken sind beliebte Hilfsmittel von Gedächtniskünstlern, können aber auch Kindern wunderbar beim Bewältigen des Schulstoffes helfen.

Lernen: Lernen mit Mnemotechniken: Das merk ich mir!
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*Dieser Artikel ist mit freundlicher Unterstützung von Haufe entstanden

Vokabeln, geschichtliche Daten, mathematische oder physikalische Formeln, Bezeichnungen und Fremdwörter in biologischen Abläufen und und und: Kinder müssen sich viele Dinge im Laufe ihrer Schulzeit merken. Das ist gar nicht so leicht und mit reinem Auswendiglernen bleibt oft nicht alles hängen. Sogenannte Mnemotechniken helfen dabei, sich mehr Dinge besser zu merken –  und sie dann auch abrufen zu können. Sie fordern die Kreativität und Fantasie heraus, sogar richtig albern darf man mit dieser Lernmethode sein. Eine hervorragende Lösung, um vor allem Grundschülern das Lernen dauerhaft zu erleichtern und ihnen dabei zu helfen, Spaß an der Sache zu finden.

Mnemotechniken: Ist das nicht irgendwie falsch geschrieben?

Wer das Wort Mnemo liest, denkt meist automatisch an Memo. So weit hergeholt ist das gar nicht. Wie bei Memospielen, bei denen meist Bilder gesucht oder verglichen werden, arbeiten auch die Mnemotechniken mit Visualisierungen und Verknüpfungen.

Mnemotechniken zielen in der Regel darauf ab, neue Lerninhalte und Sachverhalte schneller zu erfassen und im Gedächtnis abzuspeichern. Denn: Das menschliche Gehirn ist zu enormen Leistungen fähig, die Kapazität wird aber oft nicht ausreichend genutzt. Mit der richtigen Technik und regelmäßigem Training können aber bereits Grundschüler ihr Gehirn fit für große Aufgaben machen. Vier Beispiel, wie das geht:

Lernen mit Mnemotechniken: 4 Techniken im Überblick

Lernen: Lernen mit Mnemotechniken: Das merk ich mir!Das merk ich mir: Mnemotechniken fördern nicht nur die Merkfähigkeit, sondern auch Kreativität und Phantasie. | © TeroVesalainen/pixabay.com

Mnemotechnik 1: Merksätze

Merksätze kennt jeder. Abstrakte Fakten lassen sich so besser merken, wenn wir sie in einen ungewöhnlichen Satz verpacken – oder sogar in einen Reim. Eines der bekanntesten Beispiele: "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel." Mit diesem Merksatz lässt sich die Reihenfolge unserer Planeten, ausgehend vom Abstand zur Sonne, schnell und einfach einprägen. Jeder Anfangsbuchstabe eines Wortes steht für einen Planeten, womit man auf Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun kommt. Ein anderes beliebtes Beispiel aus dem Grundschulunterricht: "Wer nämlich mit h schreibt, ist dämlich." Hier wird durch den Reim auch das akustische Gedächtnis angesprochen, so fällt das Merken noch leichter.

Mnemotechnik 2: Assoziationsketten

Die Anwendung von Assoziationsketten kennen wir vor allem von Gedächtniskünstlern, häufig wird sie auch als "Geschichten-Technik" bezeichnet. Mithilfe dieser Ketten lassen sich Begriffe und verschiedene Reihenfolgen einprägen. Verschiedene Begrifflichkeiten werden dafür wie Glieder an eine Kette aneinandergehangen und in eine Geschichte integriert. Das Schöne: Je absurder die Geschichte, desto leichter, lässt sie sich meist merken! Ein einfaches Beispiel: Wir wollen uns die Begriffe "Radiergummi", "Tuschkasten", "Schreibheft" und "Klebestift" merken. Die Geschichte dafür könnte lauten: "Ein Radiergummi hüpfte durch den Wald und stolperte in einen Tuschkasten. Über und über voll Farbe schrie es, dass es nun nie wieder in einem Schreibheft radieren könnte. Von dem Geschrei genervt, kam ein Klebestift vorbei und klebte dem Radiergummi den Mund zu."

Es hilft, sich die Geschichte mit möglichst vielen Sinnen vorzustellen, also lebendige Bilder im Kopf entstehen zu lassen und sich vorzustellen, wie sie sich anhört, anfühlt, riecht oder schmeckt. Das Prinzip funktioniert übrigens nicht nur mit einzelnen Wörtern, sondern ebenso mit ganzen Sätzen.

Mnemotechnik 3: Loci-Methode

Die sogenannte Loci- bzw. Routen-Methode wurde bereits in der Antike und im Mittelalter angewandt. Bei dieser Methode werden sich Begriffe gemerkt, indem sie als Fixpunkte auf einer bestimmten Route abgelegt werden. Diese fixe Route kann real sein wie etwa der Weg zur Schule oder durch das Haus, aber auch fiktive Strukturen eignen sich, z.B. Levels im Computerspiel. Wichtig ist vor allem, dass der Schüler die Route sehr gut kennt. Nachdem die Route steht, müssen geeignete Punkte auf der Route ausgewählt werden. Mit jedem Punkt wird dann ein Begriff und/oder ein ausgedachtes Bild verbunden. Ein Beispiel: Ich möchte mir die klassische evolutionäre Klassifikation "Reich, Stamm, Klasse, Ordnung, Familie, Gattung" merken. Wenn die Route beispielweise durch das Haus führt und im Schlafzimmer beginnt, können wir uns hier das Reich der Träume vorstellen und ein Bild ablegen, auf dem es Nacht ist und wir schlafen, dann gehen wir eine hölzerne Treppe hinunter, die aus dem Stamm eines alten Baumes geschnitzt wurde usw.

In Video erklärt Gedächtnisweltmeisterin Christiane Stenger wie die Geschichten- und die Routenmethode funktioniert:

Mnemotechnik 4: Die Alphabet-Methode (ab der 1. Klasse)

Immer mehr Grundschulen arbeiten mit Anlauttafeln. Hiermit wird bereits der Grundstein für die effektive Alphabetmethode gelegt. Jeder Buchstabe des Alphabets wird bei dieser Mnemotechnik mit einem passenden Bild verknüpft. Mit dieser Verknüpfung wird ein dauerhaftes Gerüst geschaffen. Das "M" könnte beispielsweise für "Maus" stehen, das "Z" für "Zitrone" und das "B" für "Bär". Muss nun zum Beispiel eine Liste auswendig gelernt werden, wird jedes zu lernende Wort der Reihe nach einem Buchstaben zugeordnet und mit dem zugehörigen Bild verbunden. Ein Beispiel: Der erste Begrifft in der zu lernenden Liste ist „Glühbirne“, er wird also dem "A" zugeordnet. Das passende Bild zum "A" ist beispielsweise "Affe". Um sich den Begriff zu merken, könnte man sich nun einen Affen vorstellen, der mit einer Glühbirne auf dem Kopf herumhüpft. So können sich leicht viele Begriffe hintereinander eingeprägt werden. Die Alphabetmethode lässt sich auch mit vielen weiteren Mnemotechniken verbinden, beispielsweise mit Merksätzen und Assoziationsketten.

Mnemotechniken für verbesserte schulische Leistungen

Mnemotechniken, gleich welcher Art, erfordern Fantasie und Kreativität. Kinder haben davon meist noch mehr als genug und finden es größtenteils auch äußerst spannend, einfach einmal etwas "rumzuspinnen". Diese Gedankenspinnerei erleichtert die Anwendung diverser Mnemotechnik enorm. Dennoch gilt festzuhalten, dass auch diese Lerntechnik mit etwas Übung verbunden ist. Viele Mnemotechniken sind nicht für jedes Kind bzw. jedes Alter anwendbar. Hier musst auf jedes Kind individuell eingegangen werden.

Sie wollen noch mehr über Mnemotechniken wissen? Das Buch "Gedächtnistraining" vom Haufe ist ein detaillierter Ratgeber, um passende Mnemotechniken zu identifizieren und erfolgreich anzuwenden.

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