Wann ist Lernen in den Sommerferien sinnvoll?

Umfrage 2016: Mehr als die Hälfte der Schulkinder lernt auch in den Sommerferien. Wir haben Experten gefragt, wie sinnvoll das ist. Plus: 9 Lernideen für die Ferien.

Studie 2016: Lernen in den Ferien

Viele Kinder lernen auch in den Ferien. Experten raten jedoch von zu viel Ehrgeiz ab. Und sie haben recht, Kinder brauchen die Pause, um sich zu erholen und mit neuer Kraft ins nächste Schuljahr zu starten.

Lernen kann aber auch die Motivation ankurbeln - wenn es nicht gerade vor dem Schulbuch am Schreibtisch stattfindet und dafür Spielen vernachlässigt wird. Das geht nämlich auch anders! → Direkt zu den Ferien-Lerntipps springen

Dann ist Lernen in den Ferien sinnvoll:

  • Wenn das Kind lernen will (kann nämlich auch Spaß machen!).
  • Wenn das Kind Aufhol- oder Nachholbedarf hat.
  • Wenn mindestens die erste Hälfte der Ferien vom schulischen Lernen befreit bleibt.
  • Wenn Kinder einbezogen werden, wann/was gelernt wird (z. B. mit einer Lernabmachung) und vor allem eigenständig lernen. Lernforscher Michael Fritz betont: "Das Kind sollte selbst den Wunsch haben, besser zu werden und an seinen Erfolg glauben." 
  • Wenn kreative Formen des Lernens ausprobiert werden. Das weckt Begeisterung und macht Lust aufs neue Schuljahr. → Ferien-Lerntipps
  • Wenn Lernzeiten stark begrenzt werden. 
  • Wenn Kinder nicht unter Leistungsdruck leiden.
  • Wenn Eltern ihren Kindern vor allem vermitteln, dass sie gut sind, so wie sie sind, ob mit schlechteren oder besseren Noten.
  • Wenn andere, wichtige Lernerfahrungen für die Persönlichkeit, wie zum ersten Mal den Baggersee zu durchschwimmen, nicht vernachlässigt werden, weil für die Schule gelernt werden muss, so Fritz.
  • Wenn Familienaktivitäten nicht zu kurz kommen. 

Umfrageergebnisse 2016: Mehr als die Hälfte der Kinder lernt in den Ferien

Bald starten die Sommerferien. Mehr als die Hälfte aller Kinder haben allerdings in den schulfreien Wochen mehr als Spielen und Faulenzen auf dem Programm. 59 Prozent aller Schulkinder lernen in den Ferien. Das ergab unsere forsa-Umfrage unter 1.003 Eltern (Mai 2016).

23 Prozent der Kinder pauken danach regelmäßig in der schulfreien Zeit. 36 Prozent gucken sich den Schulstoff zumindest einmal an. Damit lernen diesen Sommer etwas mehr Jungen und Mädchen als noch 2015 (55 Prozent insgesamt).

Eltern sind meist involviert

Wenn Mathe und Co. in den Ferien Thema sind, betrifft das meist die ganze Familie: Dreiviertel der Eltern, deren Kinder häufiger am Schreibtisch sitzen, lernen mit ihnen zusammen: 71 Prozent ermutigen ihre Kinder regelmäßig, sich mit Vokabeln und Matheformeln zu beschäftigen. Spezielle Lernmaterialien für die Ferien besorgen ihren Schützlingen mehr als die Hälfte aller Eltern (56 Prozent). Nur 6 Prozent engagieren einen Nachhilfelehrer.

Expertentipps: Wie sinnvoll ist das Lernen in den Ferien? 

Gegen Lernen in den Ferien ist nicht grundsätzlich etwas einzuwenden – wenn Eltern auf bestimmte Rahmenbedingungen achten. 

Adolf Timm, ehemaliger Schulleiter der Europaschule Timmendorfer Strand und Buchautor, sagt: "Selbstverständlich sollte die Schultasche in der ersten Hälfte der Ferien erst mal in die Ecke gestellt werden. In der zweiten Hälfte ist es für die Schülerinnen und Schüler allerdings durchaus angebracht, sich stundenweise auch mit Mathematik, einem Diktat oder englischen Vokabeln zu beschäftigen", so Timm. 

"Am meisten helfen Eltern ihren Kindern, wenn sie bei ihnen die drei Schlaumacher B – K – A stärken: B - Bindung: ‚Ich gehöre dazu!‘, K – Kompetenz: 'Ich kann was!' und A – Autonomie: 'Ich schaff das allein!'", so der Bildungsexperte.

Kindern Raum für eigenständiges Lernen geben

"Wenn Lernen zu Stress wird, belastet das neben den Kindern auch uns Eltern – erst recht in den Ferien. Entspannung, Erholung und Lernen schließen sich jedoch nicht aus – es kommt auf das 'Wie' an", betont Daniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo. „Gerade in den Ferien können Eltern mit ihren Kindern Methoden ausprobieren, die selbstmotiviertes und eigenständiges Lernen in den Mittelpunkt rücken“, so Bialecki.

Elke Wild ist Professorin für pädagogische Psychologie an der Universität Bielefeld und rät Eltern, sich häufiger mal zurückzunehmen und ihren Sprösslingen Raum für beiläufiges Lernen ohne Schulhefte zu geben: "Informelles Lernen findet andauernd und überall statt. Die Ferien bieten Kindern besonders viele Möglichkeiten, auf Entdeckungstour zu gehen und dabei selbst neue Erfahrungen zu machen." 

9 Lernideen für die Ferien:

"Begeistern Sie Ihre Kinder für neue Lernwege. Das weckt die Motivation zu lernen und steigert die Lust auf das neue Schuljahr", so Paula Honkanen-Schoberth, Geschäftsführerin des deutschen Kinderschutzubundes und Familientherapeutin. 

Hier ein paar Tipps:

Lerntipps und Lernmotivation: Lernen in den Ferien - Erlebniswelt Hamburger FlughafenErlebniswelt Hamburger Flughafen | © scoyo

  1. Sprachferien/Sprachcamps
  2. Zeltlager/Camps in der Natur
  3. Gesellschaftsspiele (für Mathematik z. B. Spiele wie Yazzi oder Uno) – Wir haben für Sie ein Lernpuzzle erstellt, das Sie einfach kostenlos runterladen und ausdrucken können: Das bunte scoyo-Lernpuzzle
  4. Zoobesuch: Kinder lernen hier nicht nur etwas über Bio oder Erdkunde, sondern trainieren auch ganz beiläufig das Lesen
  5. Ausflug ins technische Museum: Begeisterung für Physik wecken
  6. Burgen und Festungen anschauen: hier wir das Leben von damals schnell greifbar und spürbar. Viele Burgen oder Ausgrabungstätten haben gutes Material für Kinder. 
  7. Mathe lernen beim Backen, Einkaufen, Kochen oder im Restaurant. Extra-Tipp: Übertragen Sie Ihrem Kind die Verantwortung. Das stärkt zusätzlich die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein
  8. Auch im Urlaub kann man klasse lernen: Postkarten schreiben, "Ich bestell auf Englisch"-Challenge, Spaziergänge am Strand und sich mit Pflanzen, Steinen und Gezeiten auseinandersetzen ...
  9. Eigenständig lernen mit Online-Lernplattformen oder Apps: Computer & Co. üben eine große Faszination auf Kinder aus – das können Eltern für die Lernmotivation nutzen. In der scoyo Lernwelt üben Kinder den Schulstoff in Form von kurzen Geschichten und Abenteuern. Am Punktestand sehen sie dabei immer genau, wo sie stehen. Mit nur 15 Minuten pro Tag können Kinder damit ihr Wissen spielerisch vertiefen. Wichtig: Darauf achten, dass die Inhalte auf die Lehrpläne der Bundesländer abgestimmt sind. ► Wer scoyo ausprobieren möchte; hier kostenlos testen

Mehr Tipps und Lernanleitungen für Familienausflüge: Erleben und lernen in den Ferien

Wie viel Lernzeit ist richtig?

Von den Kindern, die regelmäßig die Hefte herausholen, lernt jedes dritte länger als zwei Stunden die Woche. Fast die Hälfte investiert ein bis zwei Stunden. Am meisten lernen die Kinder von Eltern mit geringerem Bildungsgrad: So sagen 74 Prozent der Eltern mit Hauptschulabschluss, dass ihre Kinder in den Ferien Unterrichtsinhalte wiederholen. Unter den Kindern, deren Eltern Abitur haben, beschäftigen sich lediglich 52 Prozent mit Schulthemen.

Die Frage, wie dieser zeitliche Rahmen aussehen sollte, lässt sich pauschal nicht beantworten. Das individuelle Pensum beeinflussen vor allem der aktuelle Lernstand, die Herausforderungen im neuen Schuljahr und natürlich die Begeisterungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen für ein Thema. Im Zweifelsfall kann auch die Lehrkraft einen individuellen Rat geben.

Trend zum Lernen in den Ferien hält an

Seit mittlerweile fünf Jahren befragt scoyo Eltern zum „Lernen in den Ferien“ und ermittelt, wie viele Kinder in den Ferien unter welchen Bedingungen mit Vokabeln, Matheaufgaben, Rechtschreibung und Co. beschäftigt sind. Seit 2012 lagen die Zahlen immer über 50 Prozent. Die höchste Lernquote gab es 2014 mit 63 Prozent, die niedrigste im letzten Jahr mit 55 Prozent.

Was ist Ihre Meinung zum Thema? Lernt Ihr Kind in den Ferien (und wenn ja, wie)? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Wir freuen uns über Ihre Kommentare. 

Ihre Sina Wendt aus der scoyo Redaktion

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