Lernen in den Ferien

Aktuelle Studien zeigen, dass Familien den Leistungsdruck durch Schulen sehr ernst nehmen. So spielt auch das Lernen in den Ferien eine große Rolle. Doch wie sinnvoll ist das eigentlich? Wir haben nachgefragt.

lernen lerntipps lernmotivation Lernen unter freiem Himmel Lernen unter freiem Himmel | © iStock.com/1001nights

Laut einer scoyo-Untersuchung1 wiederholen gut 62 Prozent der Kinder in Deutschland den Lernstoff in den Schulferien. Dabei werden die Kinder zu 79 Prozent von ihren Eltern, Großeltern oder Geschwistern unterstützt, die zusammen mit ihnen in den Ferien lernen. 

Lernhefte oder Lehrbücher werden von 66 Prozent der Kinder verwendet, während nur 22 Prozent mit anderen Schülern oder Freunden lernen. Online-Angebote und Apps werden mit jeweils rund 20 Prozent immer beliebter, um dem Druck in der Schule stand zu halten.

Leistungsdruck lässt Kinder auch in den Sommerferien nicht los. Das bestätigt auch Paula Honkanen-Schobert, Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes e. V.: „Der Druck ist real gestiegen, unter anderem wegen vieler Schulreformen, wie beispielsweise G8 in Gymnasien."

Lernen in den Ferien oder lieber Kräfte tanken?

Was sagen Experten zum Thema „Lernen in den Ferien“? Sollte der Schulstoff in den Sommerferien geübt werden oder ist es besser, die Erholung in den Vordergrund zu stellen? Wir haben die Soziologin Honkanen-Schoberth und den Lernforscher Michael Fritz  gefragt, was sie davon halten, wenn Kinder in ihrer freien Zeit für die Schule lernen.

Am Anfang aller Förderung steht die Ursachenforschung, findet Michael Fritz: „Im Vorfeld muss geklärt werden, warum es nötig ist, in den Ferien zu lernen. Hat der Schüler das Thema nicht verstanden, fehlt die Übung, fehlen Grundlagen, versteht er, wie er richtig lernt?“

Sowohl Fritz als auch Honkanen-Schoberth sprechen sich dafür aus, die Sommerferien zu nutzen, um außerschulische Erfahrungen und neue Kräfte für den Schulalltag zu sammeln. Das Lernen in den Ferien sei eine Ergänzung. „Wichtig ist, dass Kinder ausreichend unbeschwerte freie Zeit in den Ferien haben, Kräfte auftanken und Freude haben“, sagt Paula Honkanen-Schoberth.

In den Ferien lernen ist mehr als Schulstoff pauken

„Wichtig ist, dass genug Zeit bleibt für das Lernen, das über das schulische Lernen hinausgeht. Schule fokussiert das Erlernen von Kulturtechniken wie Schreiben, Rechnen, Sprachenlernen. In den Sommerferien haben die Kinder und Jugendlichen aber auch ausreichend Zeit, Lernerfolge zu erreichen wie den Baggersee zum ersten Mal zu durchqueren, das Mädchen der Wahl endlich anzusprechen oder fremde Länder zu entdecken. Diese Zeit sollte nicht vernachlässigt werden, weil für die Schule gelernt werden muss“, ergänzt Michael Fritz. Diese sozialen Erfolge stärken das Selbstbewusstsein der Schüler und helfen, die sozialen Kompetenzen zu verbessern.

Wie oft und wie lange in den Ferien lernen?

Wie viele Stunden und wie viele Einheiten beim Lernen in den Ferien sinnvoll sind, ist bei jedem Kind anders. Da es schwierig ist, hierzu eine allgemeingültige Aussage zu treffen, haben wir die scoyo-Nutzerin Pauline und ihre Mutter Britta gefragt, ob sie in den Ferien lernen und wie sie die Zeit einteilen:

Mutter Britta erzählt:

„Ich achte darauf, dass die Ferien vom Lernen befreit sind. Ich finde es ganz wichtig, dass die Kinder noch genügend Zeit haben, Kinder zu sein. Im Schulalltag bleibt dafür sehr oft nicht mehr viel Zeit. Und mit aufsteigender Klasse wird es immer weniger. Ausgenommen von dieser Haltung sind die Sommerferien, die sich ja über einen langen Zeitraum von sechs Wochen strecken. Da schaue ich schon, dass Pauline in den letzten drei Wochen in ihrem Schwächefach Mathe wöchentlich übt.“

Pauline, 11 Jahre, Klasse 5, sagt:

„Also ich finde, dass man in den Ferien gar nicht lernen sollte, denn die Ferien sind ja zum Ausruhen da, sonst würden sie ja nicht „Ferien“ heißen.“

Wichtig: Unterstützung beim Lernen in den Ferien

Wenn die Akkus wieder aufgeladen sind, kann es sinnvoll sein, regelmäßig einige Schulinhalte beim Lernen in den Ferien zu vertiefen. Wie können Eltern Lernzeiten vorgeben, ohne, dass es Streit gibt?

Der größte Erfolgsgarant ist, wenn die ganze Familie an einem Strang zieht. „Es ist wichtig, dass der Ehrgeiz der Eltern die Erholungszeit der Kinder in den Ferien nicht beeinträchtigt. Wenn Kinder sich aus eigener Motivation verbessern möchten, sollten die Eltern sie darin unterstützen, aber gegebenenfalls auch bremsen. Man sollte den Kindern vor allem vermitteln, dass sie gut sind, so wie sie sind, ob mit schlechteren oder besseren Noten“, sagt Paula Honkanen-Schoberth.

Schlüssel zum Erfolg: Antrieb, die passende Lernumgebung und Erfolgserlebnisse

Auch für Michael Fritz sind gemeinsam festgelegte Ziele ein Erfolgsschlüssel, nicht nur für das Lernen in den Ferien: „Lernen macht immer dann Spaß, wenn die drei folgenden Kriterien erfüllt werden:

  1. Ziele sollten vom Kind selbst gesetzt werden bzw. das Kind sollte selbst den Wunsch haben, besser zu werden und an seinen Erfolg glauben.

  2. Die Umgebung sollte dem Kind ermöglichen, seinen Lernerfolg zu erreichen.

  3. Erfolge müssen erlebt werden.

► Mehr Infos, dazu wie man einen Lernplan erstellt, gezielt lernt und sich auch richtig belohnt, finden Sie hier.

Kinder lernen gerne, wenn sie wissen, dass sie es können. Wenn das Kind nicht entscheiden kann, wie und wann es lernt, bringt es nichts. Es hat keine Motivation mehr zum Lernen in den Ferien, sondern verspürt Frust. Man sollte das Kind fragen: Was ist dein Ziel? Wie willst du dein Ziel erreichen?“

Aber was tun, wenn das Kind bereits so negative Erfahrungen im Unterricht gemacht hat, wie etwa in Mathe, dass kaum noch Motivation besteht,  auch noch in den Ferien dafür zu lernen? „Dann kann man das Kind mit externen Anreizen motivieren, etwa mit dem Besuch des Zeltlagers nach erfolgreichem Lernen oder anderen kleinen Belohnungen“, so Michael Fritz.

Paula Honkanen-Schoberth weist darauf hin, dass Eltern das Erfolgserlebnis ihres Kindes maßgeblich beeinflussen können: „Eltern sollten sehr darauf achten, die Leistung ihrer Kinder, schon die kleinsten Schritte, zu sehen, anzuerkennen und zu loben. Schon alleine die Tatsache, dass sie bereit sind, etwas zu lernen und zu tun, ist großartig und sehr anerkennungswürdig. Anerkennung ist die Grundlage für das menschliche Motivationssystem, um weiterzulernen und etwas zu leisten, wie die neue Gehirnforschung nachweist.“

Ein Mix aus Erholung und Lernen ist am effektivsten

Experten unterstützen die Idee vom Lernen in den Ferien, wenn die Kinder auch Zeit haben, sich in den Ferien zu erholen und Lebenserfahrungen zu sammeln. Erfolg versprechend ist das Lernen, wenn Kinder und Eltern gemeinsam Ziele, Zeiten und Belohnungen aufstellen. Pädagogische Lernwelten wie scoyo, in denen Kinder mit Spaß und selbstbestimmt Schulstoff üben oder vertiefen, können das Lernen in den Ferien zielgerecht unterstützen.

1 Die Zahlen sind das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die forsa im Auftrag von scoyo durchführte. Befragt wurden 1004 Personen im Alter von 25 bis 59 Jahren mit schulpflichtigen Kindern im Haushalt.


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