Daniel Bialecki über kindgerechtes Lernen oder wie die Freude am Lernen erhalten bleibt

Wann haben Schülern Spaß am Lernen und wie wichtig ist dies für ihren Lernprozess? scoyo-Geschäftsführer und Bildungsexperte Daniel Bialecki gibt Antworten und verrät, warum kindgerechtes Lernen so wichtig ist.

Lernen: Lernen mit Spaß: Daniel Bialecki über kindgerechtes LernenDaniel Bialecki Kommt kindgerechtes Lernen und damit der Spaß zu kurz?

Definitiv. Diese Erfahrung machen wir häufig, wenn wir mit Eltern und Kindern sprechen. Immer wieder zeigt sich, dass das Thema „Lernen“ in den Familien negativ besetzt ist. Der Zeit- und Leistungsdruck, der auf Lehrern, Eltern und Kindern lastet, erschwert die optimale Vermittlung von Lernstoff auf kindgerechte Weise. Das sorgt häufig für Widerstände und Frustration bei Kindern, deren Folgen man mit dem Wort "Lernschmerz" beschreiben kann. Das ist kein Kunstwort, sondern ein reelles Problem, mit dem viele Familien kämpfen.

Wie wichtig ist Spaß beim Lernen?

Ausgesprochen wichtig. Dabei sollte man allerdings differenzieren, was Spaß heißt. Es bedeutet nicht Klamauk oder dass man ständig lacht. Vielmehr meint der Begriff Motivation und Begeisterung. Beide sind essenziell fürs Lernen und Basis einer kindgerechten Lehrmethode.

Wie können Kinder mehr Spaß beim Lernen haben und über die Schuljahre behalten?

Das hängt in erster Linie an der Person des Lehrers. Wenn ein Lehrer sehr gut ist, werden die Kinder gerne zu ihm gehen und lernen. Natürlich ist die Unterrichtsgestaltung auch wichtig. In den Schulen passiert hier gerade sehr viel, was kindgerechte Lehrmethoden betrifft. Sehr häufig sind aber die Lerninhalte nicht alltagsrelevant. Die Kinder müssen wissen, was sie lernen, warum und in welchem Kontext das Gelernte steht. In der Praxis dagegen sind die Inhalte oft sehr abstrakt. Wenn diese auf die praktisch orientierte Neugier von Kindern treffen, dann knallt’s – die Schüler sind frustriert und lernen irgendwann nicht mehr.

Kinder müssen in der Schule und Zuhause mehr Situationen erleben, in denen sie von sich aus lernen wollen. Dafür ist es wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern besprechen, wann und wie das geschehen soll. Statt deklarativem Wissen und Fakten sollten Kinder mehr Methodenkompetenz erlangen. Das befähigt die Schüler zu Eigenständigkeit, und so lernen sie auch in späteren Schuljahren viel motivierter.

Wie sollten kindgerechte Lernangebote in und außerhalb der Schule aufgebaut sein?

Lernangebote müssen sich immer am Kind orientieren statt am Curriculum. Das heißt: vom Kind her denken, offen sein und keine starre Reihenfolge vorgeben, in der Inhalte gelernt werden müssen, weil sie eben gerade an der Reihe sind. Vielmehr sollte gefördert werden, dass das Kind freiwillig weiterlernt, da es sich interessiert. Die Angebote müssen zudem in jeder Entwicklungsphase des Schülers konsumierbar sein. Das bedeutet auch, dass die Anwendung keine zusätzlichen Hürden aufbauen darf. Kinder beschäftigen sich schon sehr viel mit der Schule, da müssen Lernprogramme oder -angebote flexibel und niederschwellig sein.

Was können Eltern tun, um die Lernmotivation zu fördern?

Das ist nicht pauschal zu beantworten. Wichtig ist sicherlich, zu hinterfragen, warum das Lernen keinen Spaß mehr macht. Das hat immer individuelle Gründe. Eltern sollten dies in Gesprächen thematisieren und wenn möglich, gemeinsam mit dem Kind die Ursachen angehen. Je nachdem, ob z. B. die Stimmung in der Klasse schlecht ist oder das Kind nicht mit dem Lehrer auskommt, werden andere dem Kind andere Lösungen gerecht. Dabei sollten Eltern das Wort „lernen“ nicht überstrapazieren, denn häufig ist es bereits negativ besetzt. Andere Begriffe führen dann schneller auf einen gemeinsamen Weg und zurück zu mehr Motivation.

Was macht den Reiz von digitalen Medien aus und wieso lernt es sich damit auch kindgerecht?

Digitale Medien sind dynamisch statt statisch. Mit Animationen und Ton sprechen sie mehrere Sinne gleichzeitig an. Außerdem sind neue Technologien immer spannend – nicht nur für Kinder. Und sie sind kompatibel: Ich bin nicht ortsgebunden, evtl. kann ich meine Erfahrungen sogar mit Freunden teilen. Ich schätze Bücher ebenfalls sehr, aber sie sind eben nur eindimensional. Bei einem digitalen Medium kann man zum Beispiel um die Erde fliegen, fremde Tiere beobachten usw. Da kann ein Schulbuch nicht mithalten. Was mehr Sinne anspricht, macht erfahrungsgemäß auch mehr Spaß.

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Über Daniel Bialecki

Daniel Bialecki ist Geschäftsführer von scoyo und dreifacher Familienvater. Gemeinsam mit Pädagogen und renommierten Geschichtenentwicklern baute er die Online-Lernplattform und die virtuelle Lernumgebung von scoyo maßgeblich mit auf. Besonders das Thema Lernmotivation und die Frage, wie man die Freude am Lernen aufrecht erhalten kann, liegen ihm sehr am Herzen. 

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