Sicheres Internet für Kinder – Warum Datenschutz auch für die Kleinen ein großes Thema ist

Name, Adresse, Email: Bei so vielen Gelegenheiten sollen wir im Internet unsere Daten eingeben. Doch wie können wir das Internet für unsere Kinder sicherer machen? Wir geben wertvolle Tipps und Anregungen.

Kinder & Medien: Sicherheit im Netz: Sicheres Internet für Kinder – Warum Datenschutz auch für die Kleinen ein großes Thema ist
| © svetabezu/Fotolia

Datenschutz im Internet ist ein wichtiges Thema im digitalen Zeitalter, gerade wenn neue Skandale wie von Facebook oder YouTube (2018) wieder deutlich machen: Gesammelte und ausgewertete Daten, selbst von den jüngsten Konsumenten, sind heutzutage höchstinteressant. Gleichzeitig ist das Internet für Kinder eine Selbstverständlichkeit – nahezu jedes Kind im Alter zwischen sechs und Jahren interessiert sich für Smartphones und Laptops, die Hälfte besitzt bereits ein Smartphone. Verteufeln bringt also nichts. Lieber sollten wir mit Kindern konkret über Datenschutz im Internet sprechen. Wie in vielen anderen Bereichen der Erziehung ist hier vor allem gefragt, die Kids frühzeitig für mögliche Stolpersteine zu sensibilisieren, sie auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen einen reflektierten Umgang beizubringen (Medienmündigkeit!). Wie das gelingen kann und was es für Eltern dabei zu beachten gibt, haben wir hier einmal gesammelt.

3 Punkte, die Kinder zum Datenschutz im Internet grundsätzlich verstehen müssen

Eine wichtige Sache gleich vorweg: Ganz prinzipiell haben Kinder ein sehr gutes Gefühl für Privatsphäre und Datenschutz. Stellen Sie sich einfach einmal vor, wie Ihr Kind reagieren würde, würden Sie vorschlagen, anstatt WhatsApp doch am besten das Festnetztelefon im Wohnzimmer zu benutzen, um vor der versammelten Familie die neusten Geheimnisse zu besprechen. Guter Scherz? Diese kategorische Ablehnungshaltung ihrer Kinder gilt es jetzt von der analogen in die digitale Welt zu übertragen. Denn auch das Internet sollte für Kinder ein Ort sein, an dem sie selbst entscheiden, wem sie welche Informationen weitergeben.

Grundlage #1: Datenschutz im Internet - Das Internet nimmt und vergisst nicht

Kinder & Medien: Sicherheit im Netz: Sicheres Internet für Kinder – Warum Datenschutz auch für die Kleinen ein großes Thema istKinder können die Gefahren im Internet gut einschätzen - wenn man sie ihnen erklärt | © anniespratt/UnsplashEin wichtiger Grundsatz den Sie Ihrem Kind für das Internet von Anfang an deutlich machen sollten: Das Internet vergisst nicht. Theoretisch ist jeder Kommentar, jedes Foto, Vorlieben, E-Mail-Adresse, Profil, das im Internet preisgegeben wird, auch nach Jahren noch abrufbar. Auch wenn ein Profil vermeintlich privat oder ein Foto gelöscht wurde. Gleichzeitig ist eine einmal veröffentlichte Information nicht länger in der eigenen Kontrolle, kann weiterverarbeitet und auch abgeändert werden und für andere Dinge verwendet werden.

Das ist gerade für ein Kind sehr abstrakt, die Bloggerin Katja Reim hat auf ihrem Blog meincomputerkind.de deshalb Erklärungsbeispiele für Kinder zusammengeschrieben. Eines handelt vom Experiment der Puppe „Anna“, die sich auf die Reise durchs Internet macht. Einmal mit dem Hinweis veröffentlicht, dass „Anna“ gerne verändert werden kann und sich die „Puppenmutti“ über ein Foto von ihrer „Anna“ freuen würde, erhält Katja Reim unzählige Rückmeldungen aus aller Welt. Ihre Tochter war sehr erstaunt, wie schnell sich Daten im Internet verbreiten, was andere Menschen damit anstellen und dass sich Kinder im Internet schützen müssen. Sie sollen ja auch nicht mit fremden Menschen mitgehen. Wenn Kinder die Mechanik verstanden haben, aufzupassen, was sie über sich im Internet verraten, sind sie sehr sensibilisiert dafür, was sie über sich preisgeben.

Grundlage #2: Kinderschutz im Internet – Das Datenpuzzle

Kinder & Medien: Sicherheit im Netz: Sicheres Internet für Kinder – Warum Datenschutz auch für die Kleinen ein großes Thema istJe mehr Teile des Datenpuzzles vorhanden sind, desto klarer wird das Bild | © sloppyperfectionist/UnsplashMit Daten kann man tolle Dinge machen. Man kann das Wetter vorhersagen. Oder man misst, zu welcher Uhrzeit am meisten Stau entsteht und leitet Autos auf weniger befahrene Strecken um, damit nicht alle stundenlang im Stau stehen müssen. Das klingt gut, oder? Aber nicht immer werden Daten für so allgemein nützliche Zwecke eingesetzt. Werden sie gesammelt, können sie analysiert und zusammenfügt werden wie ein Puzzle. Aus vielen kleinen (Daten)Teilen wird dann ein großes Bild. Heißt also: Je mehr Daten im Internet freigegeben werden, desto genauer wird dieses Bild.

Verständlicher wird es für Kinder bei dem Vergleich mit einer Milchglasscheibe, hinter der ein Mensch steht. Zuerst ist das Bild sehr verschwommen und man erkennt maximal Umrisse. Je mehr Daten dieser Mensch aber von sich preisgibt, desto klarer wird die Scheibe, bis die Person irgendwann sehr genau zu erkennen ist.

Für die meisten Unternehmen ist es (u.a. für ihre Werbung) wichtig, jeden Menschen hinter der Milchglasscheibe möglichst deutlich zu erkennen. Dazu kommt, dass manche Unternehmen die erhobenen Daten auch weiterverkaufen. Oft willigt man sogar selbst in diese Datenweitergabe ein, weil man sich die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB`s) nicht durchliest, wenn man sich eine App herunterlädt oder bei einem Gewinnspiel teilnimmt. Bedeutet also: Auch wenn im Internet Angebote kein Geld kosten, sind sie nicht unbedingt kostenlos. Denn im Internet sind Daten die neue Währung! Das Internet ist für Kinder dann geschützt(er), wenn sie sich genau darüber bewusst sind. Dann können sie besser reflektieren, wieviel ihnen ihre Informationen „wert“ sind.

Grundlage #3: Datenschutz im Internet – Datenklau

Kinder & Medien: Sicherheit im Netz: Sicheres Internet für Kinder – Warum Datenschutz auch für die Kleinen ein großes Thema istNicht immer einfach, sich im Datendschungel nicht zu verirren | © teddykelley/UnsplashDiebe klauen heute nicht mehr nur das, was sie bei Einbrüchen in fremde Wohnungen oder beim Stehlen von Handtaschen in die Finger bekommen. Auch der Diebstahl von persönlichen Daten im Internet ist ein lohnendes Geschäft geworden. Dabei sind personenbezogene Daten wie Name, Adresse und Telefonnummer ebenso interessant wie Kontodaten oder Zugangs-Logins für persönliche Profile. Die geklauten Angaben werden zum Beispiel dafür genutzt, um die eigene Identität zu verschleiern oder „echtes“ Geld abzuschöpfen.

Der erste Schritt, um auch Kinder im Internet zu schützen ist Aufklärung. Sensibilisieren Sie Ihr Kind dafür, welche Stolperfallen es gibt:

1)  Bezahlvorgänge im Internet am besten im eigenen WLAN durchführen und auf eine sichere Verbindung achten, bei der https:// am Anfang der URL steht.

2) Gehackte Formulare lassen sich über ein fehlendes Impressum oder Rechtschreibfehler erkennen.

3) Sichere Passwörter sind wichtig, um es Betrügern so schwer wie möglich zu machen, an die persönlichen Angaben zu kommen – auch wenn es schwierig ist, sie sich zu merken.

4) Außerdem gilt auch hier: Datensparsamkeit ist eine gute Präventionsmaßnahme. Je weniger Informationen über mich im Netz herumschwirren, desto weniger können Diebe abschöpfen und nutzen.

Um das Internet für Ihr Kind sicherer zu machen, können Sie bei einzelnen Informationen gemeinsam überlegen, was passieren könnte, wenn diese Daten Dritten in die Hände fallen. So wird Ihr Kind schnell selber erkennen können, was es bedenkenlos teilen kann und was lieber privat bleibt. Weitere Tipps finden Sie in unserem Artikel "Gefahren im Internet für Kinder: 5 Tipps, wie Eltern ihre Kinder schützen können".

Wenn Ihr Kind diese drei Grundsätze verstanden hat, wird es ihm leichter fallen, bewusst und vorsichtig mit seinen Daten umzugehen und den Spaß im Internet dabiei trotzdem nicht zu verlieren. Denn auch wenn das World Wide Web nicht frei von Gefahren ist, so bietet das Internet für Kinder auch viel Nützliches, das sie entdecken können.

Haben Sie noch mehr Tipps? Verraten Sie uns Ihre Erfahrungen hier in den Kommentaren, oder schreiben Sie uns an redaktion@scoyo.de
 

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