Kinder und neue Medien: Expertentipps für Eltern

Ganz selbstverständlich wachsen Kinder heute mit neuen Medien auf. Doch wie können Eltern sie begleiten und worauf achten? Mediencoach Kristin Langer von "Schau Hin" verrät ihre besten Tipps zum Thema Kinder und neue Medien.

Kinder & Medien: Kinder und Neue Medien: Expertentipps für Eltern
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Für die meisten Kinder ist es heute selbstverständlich, von technischen Geräten und digitalen Medien umgeben zu sein. Rein praktisch können selbst kleine Kinder sie häufig schon bedienen. Reine Wischkompetenz hat aber noch lange nichts mit wirklicher Medienkompetenz zu tun. Diese muss Kindern beigebracht werden. Wichtigster Ansprechpartner sind dabei die Eltern. Schon allein, weil Kinder zuhause anfangen, digitale Technologien zu nutzen. Deshalb sind Eltern auch stark gefragt beim Thema "Kinder und neue Medien".

Aber auch für Eltern ist vieles #neuland und viele fragen sich bestimmt, wie sie ihr Kind dabei unterstützen können,  kompetent mit den neuen Medien umzugehen. Und was gibt es beim Thema "Kinder und neue Medien" sonst zu beachten? Mediencoach Kristin Langer von der Initiative "Schau hin" stand scoyo im Interview Rede und Antwort und hat ihre besten Tipps verraten.

Kinder und neue Medien: Interview mit den besten Tipps von Mediencoach Kristin Langer

scoyo: In unserer forsa-Umfrage haben sieben von acht Eltern angegeben, gut oder sehr gut einschätzen zu können, wie bewusst und maßvoll ihre Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren mit Computern, Tablets und Smartphones umgehen können. Was ist Ihr Eindruck, wie sicher sind Eltern von Grundschulkindern heute beim Thema Kinder und neue Medien?

Kristin Langer: Ich erlebe Eltern in Gesprächen sehr sicher bei Kindern bis zum Alter von etwa zehn Jahren, wenn es um die Nutzung von Computer und Internet geht. Bis dahin gibt es wenig Fragen und in den meisten Fällen haben Eltern hier klare Bewertungsmaßstäbe, welche Medieninhalte sie für ihre Kinder geeignet finden und welche sie ablehnen.

Kinder und neue Medien: 6 Tipps für ElternKinder und neue Medien: 6 Tipps für Eltern | © @patrick/fotolia.com

Beim Smartphone hingegen sind Eltern häufig ratlos, was sie ihren Kindern zutrauen können und wie genau die Absprachen hinsichtlich Anschaffungsregelung und Nutzung getroffen werden sollten. Großen Informationsbedarf haben Eltern auch immer, wenn es darum geht, die Mediennutzung technisch abzusichern, damit ihre Kinder vor ungeeigneten Inhalten und vor Kostenfallen geschützt sind. Außerdem bin ich erstaunt, dass Eltern die wirklich kindgerechten und pädagogischen Angebote oftmals nicht kennen.

Tipp 1: Kindersichere Webseiten & Angebote nutzen

scoyo: Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Angebote für Kinder im Internet?

Kristin Langer: In jedem Falle Kinder-Suchmaschinen wie fragfinn.de oder blindekuh.de, die junge Surfer sicher zu altersgerechten Angeboten leiten. Der Webseitenverbund seitenstark.de garantiert werbefreie und auf junge Nutzer abgestimmte Inhalte und klick-tipps.net präsentiert wöchentlich eine neue Auswahl empfehlenswerter Webseiten für Kinder in mehr als 10 Themenkategorien. Dies ist eine Auswahl an Möglichkeiten. Gut beraten sind Eltern, wenn sie Ausschau halten nach Angeboten von Initiativen, die sich für einen sicheren Surfraum einsetzen.

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Tipp 2: Medienzeit individuell festlegen

scoyo: Unsere Erfahrungen zeigen, dass es für Eltern oft schwierig ist, eine optimale Medienzeit für ihre Kinder festzulegen. Im Internet findet man hierzu verschiedenste Vorgaben. Was halten Sie davon?

Kristin Langer: Bei Zeitangaben orientieren sich Experten in der Regel an durchschnittlichen Entwicklungsverläufen bei Kindern in einer bestimmten Altersgruppe. Zeitangaben können deshalb für Eltern immer nur Orientierungshilfen sein. Was speziell ihr Kind verkraftet, wie es reagiert, wenn es überfordert ist, aber auch wie ausdauernd es sich mit einer Sache beschäftigen mag, das haben Eltern im Laufe der Zeit bereits in anderen Situationen mit dem Nachwuchs erlebt. Deshalb können sie selbst das richtige Maß am besten festsetzen.

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Mediennutzungstest für Ihr Kind: Wie gut kann Ihr Kind Inhalte von neuen Medien verarbeiten? Wie reagiert Ihr Kind auf Überforderung? Machen Sie den Test und legen Sie wirklich passende, individuelle Regeln fest.

Tipp 3: Kreative Andwendung neuer Medien fördern

scoyo: Gibt es noch etwa zum Thema Medienzeit zu beachten?

Kristin Langer: Die Beschäftigung mit Medien ist eine unter vielen im Alltag. So ist es auch wichtig, alle anderen Aktivitäten des Tages oder einer Woche im Blick zu haben, wenn es darum geht, Nutzungszeiten für Medien mit den Kindern zu vereinbaren. Außerdem kommt es darauf an, womit sich Kinder beschäftigen. Je höher der Anteil an aktiven und kreativen Prozessen bei der Mediennutzung ist – etwa beim Plakat gestalten, beim spielerischen Lernen, Programmieren oder Ähnlichem – desto eher wird sich diese Beschäftigung förderlich auswirken.

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Tipp 4: Ein eigenes Gerät erst bei sicherem Umgang mit neuen Medien

scoyo: Ähnlich ist es bei der Frage nach einem eigenen Smartphone oder Laptop…

Kristin Langer: Grundsätzlich müssen Eltern bei der Entscheidung für die Anschaffung eines mobilen Gerätes berücksichtigen, dass sie ihren Kindern auf jeden Fall das Rüstzeug mitgeben müssen, Risiken erkennen und meistern zu können. Dies lässt sich schrittweise aufbauen und kann bei Kindern im Grundschulalter beispielsweise durch Sicherheitseinstellungen am Gerät oder einer entsprechenden Software unterstützt werden. Die Vereinbarung, dass das Internet nur im häuslichen Bereich genutzt wird, wenn ein Elternteil in der Nähe ist, wäre ratsam.

Erst bei sicherem Umgang ein eigenes Gerät

Bei einem eigenen Gerät muss der Nachwuchs schon sehr sicher mit dem Medium umgehen und Gefahrenquellen gut einschätzen können. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Kinder stark genug sind, ihre Neugier und Begeisterung für die Medienwelt auch mal hinten anzustellen, dass sie im Familienalltag mit anpacken und vor allem, dass sie "reale" Hobbies und soziale Kontakte pflegen.

scoyo-Tipp: Überreichen Sie Ihrem Kind mit dem ersten Smartphone auch gleich einen Eltern-Kind-Vertrag. Das mag drastisch klingen, ist es aber gar nicht. Das Dokument fördert das gemeinsame Gespräch über Risiken und das Bewusstsein für mögliche Gefahren.

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An unserem 8. scoyo Elternabend im Netz hatte Bloggerin Alu von grossekoepfe.de noch einen guten Rat: Ihre Tochter musste sich das Smartphone selbst kaufen, um den Wert des Gerätes zu schätzen.

Tipp 5: Sicherheitseinstellungen und Schutzprogramme nutzen

scoyo: Sie sprachen von Sicherheitseinstellungen am Gerät – was können Eltern konkret tun, um das Internet kindersicher zu machen?

Kristin Langer: Für mobile Geräte könnte das die App "Meine Startseite" sein, die Jugendschutz-App von fragFinn sowie die Child-Protect-App von Vodafone oder die Surfgarten-App der Telekom. Für den heimischen Computer empfehle ich Eltern bei jugendschutzprogramm.de das JuSProg herunterzuladen, das von der Kommission für Jugendschutz der Landesmedienanstalten offiziell anerkannt wurde. Weitere Tipps und Hinweise zum Thema "Jugendschutzfilter" finden Eltern bei klicksafe.de sowie bei bsi-fuer-buerger.de.

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Tipp 6: Über Hintergründe und Gefahren sprechen

scoyo: Was ist der Unterschied zwischen Mediennutzung und Medienkompetenz und wie können Eltern ihre Kinder beim Umgang mit neuen Medien am besten begleiten?

Kristin Langer: Kinder wachsen heute mit neuen Medien, insbesondere digitalen Medien auf. Sie nutzen diese ganz selbstverständlich und haben oftmals keine "technischen" Probleme, sprich sie verfügen über ein hohes Maß an technischen Fertigkeiten. Die Unterstützung von Eltern und Erziehenden brauchen Kinder jedoch dabei, sich Zusammenhänge und Hintergründe der Medienwelt zu erschließen und hier Wissen aufzubauen.

Kennen sich Kinder etwa damit aus, wie der Datentransfer im Internet funktioniert, wer Inhalte und Dienste aus welchen Gründen bereitstellt und wie sie Unterschiede in der Qualität erkennen können, haben sie eine gute Grundlage für einen kompetenten Medienumgang? Wo liegen die Risiken in Social Communities, wie verhalte ich mich, damit meine Daten sicher sind und wie gehe ich fair mit anderen um? Wissen Kinder hierüber Bescheid und handeln entsprechend, ist auch dies ein Weg zur bewussten und angemessenen Mediennutzung.

Eltern unterstützen ihre Kinder dabei, indem sie gemeinsam mit ihnen immer wieder Hintergründe der Medienangebote erforschen und auswerten, so dass daraus Leitlinien für den persönlichen Umgang entstehen.

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Über unsere Expertin Kristin Langer

Kinder und Neue Medien: Mediencoach Kristin Langer beantwortet Fragen zur Medienkompetenz© Mediencoach Kristin Langer, aktiv für Initiative Schau hin!Die Diplom-Pädagogin Kristin Langer ist Referentin für die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und arbeitet als freie Dozentin in der Erwachsenen- und Lehrerfortbildung. Als Mediencoach und fachliche Beraterin ist sie für die Bundesinitiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ aktiv. "SCHAU HIN!" gibt Eltern und Erziehenden einen Überblick über aktuelle Entwicklungen der Medienwelt, über Möglichkeiten zur Information, Interaktion und Unterhaltung, aber auch über Risiken. Erfahrungen im Bereich der Medienerziehung sammelte die Medienpädagogin und Mutter einer Tochter zudem bei ihrer Arbeit für die Bundeszentrale für politische Bildung und das Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland. Profil im Netz: schau-hin.info/service/mediencoach.html

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