Internet für Kinder: 7 Dinge, die Eltern mit Kindern besprechen sollten

In Zeiten der Digitalisierung ist es heute wichtiger denn je, Kinder mit dem Internet vertraut zu machen. Doch was ist besonders wichtig, was müssen sie wissen, um sich im Netz zurechtzufinden? Wir geben 7 Tipps.

Kinder und Medien: Sicherheit im Netz: Internet für Kinder: 7 Dinge, die Sie besprechen sollten
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Ein Reflex von uns Eltern ist oft, all diese Gefahren am liebsten so weit wie möglich von unseren Kindern fernhalten zu wollen. Klar. Aber, die Zukunft ist digital und macht zugegeben auch vieles leichter (z.B im Familienmanagement 2.0). Wie jeden Fortschritt können wir die technologische Entwicklung auch als Chance begreifen. Und unsere Kinder so gut wie möglich aufklären, vorbereiten. Damit das Internet für Kinder ein so sicherer Ort wie möglich ist, haben wir Ihnen 7 Tipps zusammengestellt, wie Sie Ihrem Kind auf ein umsichtiges Verhalten im Internet vorbereiten können.

1. Erklären Sie Ihrem Kind mögliche Geschäftsmodelle im Internet und wofür Unternehmen persönliche Daten nutzen.

Kinder und Medien: Sicherheit im Netz: Internet für Kinder: 7 Dinge, die Sie besprechen solltenGeld verdienen ist für die meisten Anbieter im Netz das Ziel. Auch, wenn es erst nicht so aussieht. | © cdubo/UnsplashStichwort „Daten sind die neue Währung“. Wenn Ihr Kind versteht, dass Firmen mit dem Sammeln und Auswerten von Daten Geld verdienen und Spiele und Apps nicht gratis anbieten, weil sie so nett sind, dann wird es wahrscheinlich genauer überlegen, wo es persönliche Daten preisgeben will. Ebenso wird Ihr Kind genauer überlegen, welche Kommentare und Fotos es weitergibt, wenn es gesehen hat, wie schnell Informationen im Netz verwendet und manipuliert werden können.  

2. Stellen Sie gemeinsam Jugendschutz-Einstellungen ein.

Kinder sollen die digitale Welt erkunden und ihre Erfahrungen sammeln. Sie können Sie aber – wie mit einem Helm – vor dem Schlimmsten schützen, indem Sie relativ einfache Vorkehrungen treffen. Dies gilt für Browser-Einstellungen am Laptop oder PC ebenso wie für Smartphones und Tablets mit Zugang zu einem App-Store. Die Kommission für Jugendmedienschutz empfiehlt das Programm JuSProg, mit dem Eltern entweder nur einzelne Seiten zulassen oder anhand spezieller Filterkriterien bestimmte Arten von Seiten sperren können. In sicherer Umgebung suchen Kinder mit speziellen Kinder-Suchmaschinen wie FragFinn. Unser Tipp: Treffen Sie die Vorkehrungen mit Ihrem Kind gemeinsam. Dann können Sie Ihre Entscheidungen direkt erklären und reflektieren, was im Internet für Kinder wichtig ist. Gleichzeitig entstehen so keine Verbote, die Kinder nicht verstehen und von denen sie sich bevormundet fühlen, sondern eine Art Vertrag, der gemeinsam geschlossen wird. Das gibt Kindern das Gefühl, dass Sie ihre Bedürfnisse und Sichtweisen ernst nehmen und verstehen.

3. Achten Sie auf die Privatsphäre-Einstellungen im Appstore.

Ihr Kind weiß nun, dass die bewusste Weitergabe von Daten im Internet gefährlich werden kann. Aber was ist mit Daten, die unbeabsichtigt weitergegeben werden, wo Nutzer ausgetrickst werden? Diese Falle lauert zum Beispiel bei den unendlich vielen kostenlosen Apps, die mehr oder weniger versteckte Zugriffsberechtigungen erhalten, sobald der Download aktiv wird. So kann es passieren, dass eine App automatisch Zugang zu Kamera, Mikrofon, Adressbuch (!) und GPS bekommt. Sie erinnern sich an das Stichwort „Daten sind die neue Währung“. Prüfen Sie also gemeinsam mit Ihrem Kind vor jedem Download genau, welche Rechte man welchem Programm einräumt, ob man diese Rechte einschränken kann und ob diese App den Preis, den man mit seinen Daten zahlt, wirklich wert ist.

Die Zugriffsrechte können Sie bei Android-Geräten unter „Einstellungen à Apps“ und mit Klick auf die jeweilige App eingesehen und teilweise eingeschränkt werden. Bei Apple geht das unter „Einstellungen à Datenschutz“, wo Sie eine Liste der Dienste finden, auf die Apps zugreifen.

4. Löschen Sie regelmäßig Cookies

Cookies hören sich harmlos an und die meisten Menschen klicken mittlerweile nur noch auf den „Akzeptiert“-Button, wenn die obligatorische Benachrichtigung über den Gebrauch von Cookies auf einer Website auftaucht. Aber auch viele Eltern wissen gar nicht, zu was sie da eigentlich ihre Zustimmung geben.

Cookies sind kleine Textdateien, die jede Website, die Sie über den Browser geöffnet haben, mitsamt der IP-Adresse, des Datums und der Uhrzeit speichern. Je mehr Cookies gespeichert werden, desto genauer wird das Nutzerprofil, welches von Ihnen erstellt werden kann. Also quasi das genaue Gegenteil von dem, was Sie errreichen möchten. Wenn Sie regelmässig die Cookies auf Ihrem PC löschen, verhindern Sie, dass ein so exaktes Nutzerprofil erstellt werden kann und diese Informationen für Werbung genutzt werden. Am besten machen Sie dies mit Ihrem Kind gemeinsam.
Zum besseren Verständnis können Sie auch einmal schauen, wie das Surfen im Netz ohne deaktivierte Cookies aussieht. Besuchen Sie zum Beispiel mal einen Onlineshop, schließen Sie danach das Fenster und öffnen einige andere Seiten. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden Sie dort Werbung für eben jenen besuchten Onlineshop entdecken. Das zeigt Ihrem Kind ganz praxisnah, wie wichtig es ist, nicht zu viele Spuren im Netz zu hinterlassen.
Ein generelles blockieren von Cookies ist übrigens nicht empfehlenswert, da dies die Nutzung von vielen Websites beeinträchtigt. Machen Sie es sich einfach zur Gewohnheit, vor dem Schließen des Browsers den Verlauf zu löschen.

5. Sprechen Sie über eigene Rechte und über die Rechte anderer.

Kinder und Medien: Sicherheit im Netz: Internet für Kinder: 7 Dinge, die Sie besprechen solltenIhr Kind hat Rechte im Internet. Alle anderen aber auch. Nur so gelingt gemeinsames kommunizieren und Spaß haben | © pexelsDas Internet ist kein rechtsfreier Raum. Und jeder Mensch hat Rechte, die eingehalten werden müssen. Im Netz muss niemand Angaben über Daten machen, die er nicht preisgeben möchte. Niemand kann dazu gezwungen werden, seine Adresse oder sein Geburtsdatum herauszugeben. Sind diese zwingend für ein Angebot abzugeben, heißt es, abzuwägen, was es mir wert ist – mit wieviel persönlichen Angaben ich also bezahlen möchte – um ein Spiel oder eine App zu nutzen. Heißt auch, dass keine dritte Person Informationen oder Bilder von mir teilen darf, ohne meine Zustimmung. Das gilt aber auch andersherum: Auch ich selber muss die Rechte von anderen schützen – darf also keine Bilder von meinen Freunden, Klassenkameraden, Geschwistern (!) verbreiten, ohne vorher zu fragen. Übrigens gilt dies nicht nur für öffentliche Seiten, sondern auch für Messenger-Dienste wie WhatsApp oder für E-Mails. Persönliche Daten von Dritten dürfen ohne Einverständnis nicht weitergegeben werden! Machen Sie das Ihrem Kind bewusst.

6. Ein gutes Passwort ist der wichtigste Kinderschutz im Internet

Wie oben bereits angesprochen: Verwenden Sie möglichst sichere Passwörter für soziale Netzwerke, E-Mail-Konten und andere Profile, um Datenklau so schwer wie möglich zu machen. Ideal sind Passwörter aus mindestens 8 Zeichen, die Buchstaben (klein und groß), Sonderzeichen und Zahlen enthalten. Der eigene Name, das Geburtsdatum oder passwort123 sind also keine so gute Idee. Es ist zwar umständlich, aber am besten denkt man sich einfach eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen aus, die für Außenstehende keinen Sinn macht. Zum Beispiel die Anfangsbuchstaben der Eltern und/oder Geschwister + Sonderzeichen + Zahlen. Vielleicht hat Ihr Kind ja sogar Spaß daran, sich eine möglichst unsinnige Reihe auszudenken. In Verschlüsselungsprogrammen wie Keypass können Sie die Passwörter für alle Plattformen speichern. Denn: jeden Dienst sollte man im Sinne eines guten mit einem anderen Passwort sichern.

7. Seien Sie ein vertrauensvoller Ansprechpartner.

Kinder und Medien: Sicherheit im Netz: Internet für Kinder: 7 Dinge, die Sie besprechen sollten© alpalight1/pixabayKinder lernen umsichtigen von Vorbildern, also von uns Eltern. Heißt also, auch wir sollten unsere Kinder zum Beispiel fragen, bevor wir Bilder von ihnen online stellen, ebenso wie wir sichere Passwörter für unsere Accounts nutzen sollten (auch wenn es lästig ist). Gleichzeitig ist es hilfreich, digitale Technologien immer wachsam zu nutzen und mit Ihrem Kind zu teilen, was Ihnen auffällt. Das schafft wichtiges Vertrauen und ist wichtig, damit Ihr Kind sich mit Fragen an Sie wendet und nicht versucht etwas allein zu lösen. Béa Beste nennt das „Co-Learning“, das Konzept: In der „digitalen Erziehung“ können und müssen Sie nicht immer der allwissende Superheld sein.

Mit diesen 7 Tipps zur digitalen Erziehung können Sie Ihren Nachwuchs optimal auf die ersten eigenen Erfahrungen im Internet vorbereiten. Ergänzend dazu empfehlen wir unseren Artikel "Sicheres Internet für Kinder: Warum Datenschutz auch für die Kleinen ein großes Thema ist" Und wir sind uns ganz sicher: Schon bald werden sich Ihre Kinder im Internet fast ebenso gut auskennen und mit so viel Vorsicht unterwegs sein wie Sie selbst.

Haben Sie noch mehr Tipps? Verraten Sie uns Ihre Erfahrungen hier in den Kommentaren, oder schreiben Sie uns an redaktion@scoyo.de 

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