Kind und Karriere – geht das? 5 Fragen an Andreas von Papa-Online #worklifefamily

Die Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf reißt nicht ab. Doch wie sehen das Mütter und Väter, die Kinder und Karriere schon längst unter einen Hut bringen? Was geht nicht, was eben doch? Eine Interviewreihe

07.05.2015

Bei den Diskussionen über die Gleichberechtigung und das neue Familienbild wird der Vater übersehen 

Andreas von Papa-OnlineFamilie: Andreas von Papa-Online im Interview zum Thema Kind und Karriere - geht das?

Ich bin Andreas von Papa-Online und lebe mit meiner Frau Stefanie und unseren zwei Kindern Leopold (7) und Florentine (5) in der Nähe von Münster. Wir haben eine klassisch-moderne Aufgabenverteilung: Meine Frau ist Vollzeit-Hausfrau und Mutter, während ich zwei Karrieren verfolge. Hauptberuflich arbeite ich im Vertrieb, und als Nebenjob betreibe ich den Papa-Blog papa-online.com.

© Foto: papa-online.com

Das Interview: Beruf und Familie vereinbaren - aber wie?

1. Kind und Karriere – denkst du, das ist möglich, für beide Elternteile?

Wenn das beide wollen, gibt es fast immer Mittel und Wege. Wir haben in unserem Freundeskreis viele Paare, die das leben. Die einen, weil sie es finanziell müssen, um ihren Lebensstil zu finanzieren. Andere, weil sie es gerne so möchten. 

Je nach Motiv ist es schwieriger bzw. leichter, alles unter einen Hut zu bekommen – das ist leider in Deutschland immer noch so. Hier gibt es gerade in puncto guter, flexibler und bezahlbarer Kinderbetreuung viel Nachholbedarf.

2. Wie schafft ihr es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen?

Bei uns stehe hauptsächlich ich vor der Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Das geht nur mit gutem Zeit- und To-do-Management sowie klaren Prioritäten. Weil mir das Thema so wichtig ist, habe ich einen Podcast gestartet, der sich an ähnlich vielbeschäftigte Väter richtet und sich ausschließlich mit diesem Thema befasst: www.papa-online.com/podcast

3. Gibt es etwas, das dich ziemlich nervt/genervt hat?

Was mich aktuell ziemlich nervt, ist die Pendelei. Da gehen schnell 2 bis 3 Stunden am Tag drauf, die ich gerne zu Hause verbringen würde. Ich löse es so, dass ich häufiger mal einen Tag Home Office einschiebe und in batches arbeite – also einige Tage sehr lange, andere Tage ist dafür früher Feierabend.

4. Was hat sich verändert, als euer Kind in die Schule kam?

Unser allgemeiner Tagesablauf hat sich dadurch deutlich vereinheitlicht. Seit Leopold in die Schule geht, stehen wir alle zur gleichen Zeit auf, frühstücken zusammen und haben so schon etwas Zeit für uns.

Die Nachmittage sind von weniger Freiheit geprägt als sonst. Nach dem Mittagessen sind erst einmal Hausaufgaben dran. Da ist die ganze Familie etwas weniger flexibel in der Planung als sonst. In der ersten Klasse sind Klassenarbeiten oder Hausaufgabenhilfe bisher noch kein großes Thema. Wenn wir jedoch merken, dass es Defizite gibt, werden wir uns sofort Hilfe holen. Ich habe viele Jahre professionelle Nachhilfe bekommen und weiß, dass Belehrungen oft besser fruchten, wenn sie nicht von den Eltern kommen.

5. Viele Eltern haben Gewissensbisse, wenn sie mehr Gas im Job geben. Sie haben Angst, sich nicht genug um die (schulische) Entwicklung der Kinder kümmern zu können. Wie siehst du das?

Ich glaube, das ist nicht ganz unberechtigt. Wir sehen, dass die Kinder schon in der ersten Klasse einiges an Unterstützung brauchen. Wenn das aufgrund des beruflichen Engagements zu kurz kommt, besteht die Gefahr, dass die Eltern auf dem Rücken der Zukunftsperspektiven ihrer Kinder Karriere machen. Hier ist auch unser Staat gefragt. Bei vielen Eltern geht es nicht anders, und sie stehen vor einem Dilemma. Übermittag-Betreuung und offene Ganztagsschulen sind Ansätze, jedoch noch kein ausreichend guter Ersatz für die Betreuung zu Hause.

Mein Schlusssatz:

Ich bin ein starker Verfechter von Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen im Beruf. Wenn ich mir die Situation in Deutschland heute ansehe, sind es immer noch überwiegend die Männer, die vor dem Vereinbarkeitsproblem stehen. Nicht ausschließlich, weil die Frauen nicht die gleichen Chancen hätten. Viele Frauen wollen 5 bis 10 Jahre lang für die Kinder da sein und sehen das als integralen Teil ihres Lebensentwurfes.

Daher bin ich der Meinung, dass bei den lauten Diskussionen über Gleichberechtigung und das neue Familienbild der Vater übersehen wird. Millionen Väter stehen jeden Tag vor der Frage, wie sie Beruf und Privatleben unter einen Hut bekommen. Für diese Männer schreibe ich in meinem Blog Artikel wie diesen: http://papa-online.com/vereinbarkeit-von-familie-und-beruf/ 

Danke Andreas für deine Antworten.

Interviewreihe #worklifefamily - wie vereinbart man Beruf und Familie?

Familie: Little Years im Interview zum Thema Kind und Karriere - geht das?Interview mit Isabel (Little Years) anschauen: "Ein Grundproblem gibt es leider nicht, sondern viele, viele kleine und große Baustellen."

© Foto: Little Years 

 

Familie: Alu von Grosse Köpfe im Interview zum Thema Kind und Karriere - geht das?Interview mit Annelu (Grosse Köpfe) anschauen: "Macht euch nicht so viele Gedanken – probiert es einfach aus!"

© Foto: Grosse Köpfe

 

Mehr zum Thema Kind & Karriere: 

Am 19. Mai diskutierten vier Experten live im Netz zum Thema Vereinbarkeit auf dem 4. Digitalen Elternabend von scoyo. Hier können Sie die Online-Übertragung noch einmal anschauen:

4. scoyo-Elternabend: Beruf und Familie vereinbaren

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