"Es war einmal…" – Märchen und ihre (versteckte) Bedeutung

Die Märchen der Brüder Grimm lassen uns nie ganz los, egal wie alt wir sind. Doch warum eigentlich? Unsere Lieblingsmärchen - und ihre Bedeutung.

Familie und Freizeit: Märchen und ihre BedeutungEin Märchenschloss | © Erich Kasten / PIXELIO

Heute dreht sich alles um das Thema Märchen, um die fantasiereichen, zuweilen wundersamen Geschichten mit all ihren Hexen, sprechenden Tieren, Zwergen und Prinzessinnen. Doch nicht nur die Protagonisten dieser Prosatexte faszinieren Jung und Alt: Oft ist es auch das, was dahinter steckt, das hängen bleibt, zum Nachdenken anregt und uns im Laufe des Erwachsenwerdens nicht mehr aus dem Kopf geht. Zum Beispiel entpuppt sich der Dummling in „Die goldene Gans“ als gütiger und bescheidener Sohn und erhält am Ende eine goldene Gans und die traurige Prinzessin zur Frau.

Doch manchmal erschreckt man sich über die teilweise drastische Bestrafung der „Bösen“. Nicht immer – so scheint es – sind die Märchen deshalb vollkommen kindertauglich, beispielsweise wenn Hänsel von der bösen Hexe in einen Käfig gesteckt und gemästet wird. Oder der böse Wolf alle sieben Geißlein frisst. Trotzdem haben wir sie alle geliebt – und lieben sie noch immer.

Deshalb haben wir nach den Lieblingsmärchen des scoyo-Teams gefragt – und uns gleichzeitig auch mit den Motiven hinter den Geschichten beschäftigt. Was soll uns das Märchen „durch die Blume“ sagen? Wodurch prägt uns das Ganze so sehr und lässt uns nicht mehr los?

 

♦ Aschenputtel - Lieblingsmärchen von Sina

Worum geht´s?

Aschenputtel wächst zunächst wohlbehütet auf, doch als ihre Mutter stirbt, heiratet ihr Vater eine neue Frau. Das Glück findet ein jähes Ende: Die Stiefmutter und ihre beiden Töchter machen Aschenputtel das Leben zur Hölle, lassen sie in der Asche schlafen. Eines Tages reist der Vater auf eine Messe und möchte den Schwestern etwas mitbringen. Während die Stiefschwestern sich Luxusgüter wünschen, möchte Aschenputtel nur einen Zweig Haselreis haben. Diesen pflanzt das Mädchen auf das Grab ihrer Mutter. Er wächst zu einem Baum, dem das Mädchen all ihren Kummer und ihre Sorgen berichtet. Ein weißer Vogel sitzt oben auf dem Baum und erfüllt ihr ab und an einen Wunsch.

Einige Zeit später wird im Schloss ein dreitägiges Fest ausgerichtet. Alle Jungfrauen des Landes sind eingeladen und der Königssohn soll eine von ihnen zur Frau nehmen. Die Stiefmutter verbietet Aschenputtel, an der Feier teilzunehmen und befiehlt ihr, Linsen vom Boden aufzusammeln und zu sortieren.

Aschenputtel klagt dem Bäumchen ihr Leid. Der weiße Vogel am Grab ihrer Mutter schenkt ihr ein wunderschönes Kleid und Pantoffeln, die Aschenputtel sofort anzieht. Schnell eilt sie zum Fest. Der Königssohn verliebt sich auf der Stelle in das schöne Mädchen, doch Aschenputtel rennt weg und verliert dabei ihren Pantoffel auf der Treppe.

Der Prinz lässt im ganzen Land nach dem passenden Fuß zu diesem Schuh suchen. Auch die Stiefschwestern versuchen vergeblich den Schuh anzuziehen, schneiden sich dafür Zehe und Ferse ab.

Doch die Tauben decken die Lüge auf und gurren „Rucke di guck, rucke di guck, Blut ist im Schuck (Schuh)! Der Schuck ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim.“

Am Ende wird Aschenputtel als wahre Braut erkannt und heiratet den Prinzen.

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Worum geht´s wirklich?

Aschenputtel ist wohl eines der bekanntesten Märchen überhaupt und aus keiner Kinder- und Erwachsenenstube mehr wegzudenken. Auch wenn die berühmte Aschenbrödel-Verfilmung oder Walt Disney´s Cinderella etwas vom Original-Märchen der Gebrüder Grimm abweichen, ist der Hintergrund der Geschichte doch immer derselbe:

Die Heldin, das Aschenputtel, trickst ihre Peiniger durch die eigene Klugheit aus und präsentiert so ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein, trotz ihrer schier ausweglosen Situation. Soweit so gut. Gleichzeitig nimmt die Grimm´sche Fassung ein erschreckendes Ende, das knallhart verdeutlichen soll, wohin Bosheit und Selbstsucht führen können: Die Stiefschwestern hacken ihre eigenen Zehen und Fersen ab, nur um in den Schuh zu passen und den Prinzen für sich zu gewinnen. Als Strafe verlieren sie ihr Augenlicht.

Kurzum: Der drastische Triumph des Guten über das Böse zeigt, wie wichtig Güte und auch Stärke im Leben sind und wie schwerwiegend boshaftes Verhalten bestraft werden kann.

 

♦ Schneeweißchen und Rosenrot – Lieblingsmärchen von Luise

Worum geht's?

Die Schwestern Schneeweißchen und Rosenrot leben bei ihrer verwitweten Mutter, nah am Wald, doch sie müssen ihn nicht fürchten und werden durch einen Schutzengel stets behütet. Im Winter möchte ein Bär Nacht für Nacht bei ihnen schlafen und die Schwestern lassen ihn, gewinnen Vertrauen und haben ihn gern. Im Frühling muss der Bär losziehen, seine Schätze vor den Zwergen beschützen, doch beim Gehen reißt er sein Fell am Türrahmen auf – es schimmert goldig.

Einige Zeit später treffen die Schwestern einen bösen Zwerg im Wald, der einen langen Bart hat und mit diesem immer wieder an etwas hängen bleibt. Die Mädchen helfen ihm, wieder und wieder, indem sie ein kleines Stück vom Bart abschneiden, was den Zwerg schimpfen und zornig werden lässt. Da kommt der Bär und erschlägt den Zwerg und verwandelt sich gleich darauf in einen Königssohn.

Der Zwerg hatte ihm all seine Schätze gestohlen und ihn verwünscht. Am Ende heiratet Schneeweißchen den Königssohn und Rosenrot seinen Bruder.

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Worum geht´s wirklich?

Prägnant an diesem Märchen ist vor allem die absolut harmonisch dargestellte Geschwisterbeziehung zwischen Schneeweißchen und Rosenrot, in der es kein Neid und keine Missgunst zu geben scheint. Die Schwestern sind gleich schön, gleich gütig und bekommen auch beide am Ende das, was sie verdienen, ohne sich gegenseitig schaden zu müssen. Das ist insofern besonders, als dass die Brüder Grimm gern Geschwister als sehr gegensätzlich darstellen, wie in Frau Holle: Goldmarie ist – wie der Name schon sagt – tüchtig und verletzlich, Pechmarie ist neidisch und faul und wird zu allem Überfluss auch noch von ihrer Stiefmutter unterstützt.

Und wie in fast allen Grimms-Märchen siegt natürlich das Gute über das Böse: Die lieben Mädchen, die dem Zwerg nur helfen wollen, bekommen am Ende den Prinzen und seinen Bruder und ziehen aufs Schloss. Der böse Zwerg muss sterben.

Und was ist Ihr Lieblingsmärchen?

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