Kindern vorlesen: Komm, wir erschließen uns die Welt

Je früher Sie Ihren Kindern vorlesen, desto besser. Vorlesen fördert das Denken und die Konzentration, regt die Fantasie an und schweißt Familien zusammen.

Familie - Freizeit - Kindern vorlesen: Macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch wichtige Kompetenzen
Vorlesen macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch wichtige Kompetenzen

Warum ist Vorlesen so wichtig?

Die von der Stiftung Lesen seit 2007 jährlich durchgeführten Vorlesestudien zeigen, dass Eltern, die ihrem Nachwuchs jeden Tag vorlesen, nachhaltig in die Bildungschancen ihrer Kinder investieren. Denn: Das Vorlesen ist die Grundlage für eine gute Lesekompetenz – eine der zentralen Schlüsselqualifikationen unserer Zeit und Voraussetzung für alles, was während und vor allem nach der Schule kommt.

Vorlesen kommt in vielen Familien zu kurz

Die Studien der Stiftung Lesen zeigen jedoch auch, dass immer noch zu wenige Eltern ihren Kindern vorlesen, fast ein Drittel der Mütter und Väter lesen zuhause gar nicht vor. Dabei sind es neben den Kindergärten und Horten vor allem die Familien, die den Grundstein für einen erfolgreichen Lese-Werdegang schaffen. Denn Mütter und Väter sind Vorbilder auf allen Ebenen und dafür verantwortlich, Texte, Bücher und sonstige Leseutensilien im Alltag ihres Nachwuchses zu verankern.

Aufruf: Lest mehr vor!

Librileo und Endwinterwunder haben anlässlich des Vorlesetags 2014 zu Blogparaden aufgerufen, an denen sich viele Blogger beteiligt haben. 

Tolle Beiträge u. a. von:

  • Zwillingswelten (inklusive Vorstellung der Lieblingsbücher): "... das Vorlesen ist doch weit mehr, als Texte laut vorzutragen. Kinder und Eltern schlüpfen, wenn es klappt, in die Geschichte, in die Rolle hinein. Sie saugen die Sätze auf und lassen Bilder vor ihren Augen entstehen."
  • Lieblingsgören: "Beim gemeinsamen Vorlesen kann man es sich gemütlich machen und besondere Augenblicke teilen ohne viel Aufhebens zu machen. Dabei tankt man unheimlich viel Kraft und fühlt sich auf einmal besser." 

Auch unter den Hashtags #lesemoment und #ichlesevor wurde letztes Jahr viel getwittert. Und auch 2015 ist eine Menge los. 

Vorlesetag: Blogger verraten ihre Lesemomente

Welche kindlichen Kompetenzen werden beim Vorlesen gefördert?

Toll, dass es den Vorlesetag gibt und das Thema mehr Öffentlichkeit bekommt. Denn: Kindern vorzulesen macht nicht nur Spaß, sondern fördert auch eine Vielzahl von grundlegenden Fähigkeiten, die für die Entwicklung Ihres Kindes von zentraler Bedeutung sind:

Kognitive Fähigkeiten, emotionale und soziale Kompetenzen:

Der Wortschatz wird vergrößert, die Konzentrationsfähigkeit gesteigert, das Vorstellungsvermögen erweitert und auch die Kreativität gefördert. Außerdem lernt Ihr Kind durch die Geschichten, sich in andere hineinzuversetzen (Empathie). Die Ergebnisse der Studie von Stiftung Lesen zeigen auch, dass das Vorlesen nicht nur kognitive Fähigkeiten stärkt, sondern auch soziale und emotionale Kompetenzen fördert.

Lesen & Schreiben lernen

Wissenschaftler sehen einen engen Zusammenhang zwischen dem Vorlesen und der Lesefreude, dem Leseverhalten und letztlich auch dem Schulerfolg.

Denn Kindern, denen viel vorgelesen wurde, fällt das Lesen und Schreiben Lernen in der Regel leichter.

Wer also regelmäßig eine Bücherstunde einschiebt und sich nicht nur auf Hörspiel und Hörbuch "ausruht", gibt seinen Kindern einen wertvollen Baustein für die Zukunft mit auf den Weg.

Familienthemen ansprechen und verarbeiten

Gleichzeitig helfen Geschichten und Bilder, sich früh mit verschiedenen Themen auseinanderzusetzten. Sie geben Kindern Raum für all ihre Fragen. So gaben in der Vorlesestudie 2014 zwei Drittel der befragten Eltern an, dass „das Vorlesen über die Geschichten hinaus weitere Gespräche anstößt“. Hauptsächlich handele es sich dabei um alltägliche Themen, die das Kind beschäftigen, aber auch einschneidende Ereignisse wie Familienzuwachs, Trennung oder die Einschulung würden nach dem Vorlesen diskutiert. 

Ab wann sollte man Kindern vorlesen?

Das klassische Vorlesealter liegt zwischen 2 und 8 Jahren. Doch mit einfachen Bilderbüchern können Sie Ihre Kinder auch schon vorher für diese Medien begeistern. Je früher das Vorlesen zum Alltag von Kindern gehört, desto besser. Wie lang oder kurz vorgelesen wird, ist individuell ganz unterschiedlich: Manche Kinder können schon sehr früh sehr große Textmengen verarbeiten, andere brauchen mehr Zeit und viele Bilder.

Kindern vorlesen – Tipps für Eltern

Worauf sollte man beim Vorlesen achten?

Jeder, der lesen kann, kann Kindern vorlesen. Mit diesen einfach umzusetzenden Tipps werden die Lesezeiten für Ihr Kind zu einem wunderschönen und gemütlichen Ritual.

  1. Die richtige Atmosphäre: Nehmen Sie sich Zeit und sorgen Sie für Ruhe, wenn Sie Ihren Kindern vorlesen. Kuscheln Sie sich gemeinsam mit Kissen auf die Couch oder aufs Bett und sorgen Sie so für eine entspannte Leseatmosphäre.
  2. Auf die Wünsche des Kindes eingehen: Sobald es dazu in der Lage ist, sollte Ihr Kind sich das Buch selbst aussuchen oder zumindest mitentscheiden, was vorgelesen wird. Viele Kinder möchten immer das gleiche Buch lesen, geben Sie dem Wunsch ruhig nach, auch wenn es für Sie – zugegeben – etwas langweilig werden kann.
  3. Lebhaft vorlesen: Spielen Sie mit Ihrer Stimme und geben Sie den Figuren unterschiedliche Stimmen. Das macht nicht nur Spaß, sondern begeistert kleine Leser und macht die Geschichte lebhafter.
  4. Feste Vorlesezeiten: Kinder lieben Rituale. Führen Sie feste Vorlesezeiten ein. Am besten ist nach dem Mittag oder abends, wenn die Kinder Ruhe brauchen.
  5. Interaktiv vorlesen: Gehen Sie auf Fragen und Anmerkungen Ihrer Kinder ein und unterbrechen Sie die Geschichte bei Bedarf.
  6. Ein bisschen Grusel ist okay: Die meisten Märchen sind erschreckend grausam, doch Kinder können meist gut zwischen der Fantasiewelt in den Büchern und der realen Welt unterscheiden. Trotzdem sollten Sie Ihr Kind im Auge behalten. Ist es ein ängstlicher Typ, der nachts Alpträume bekommt, sollten Sie besser zunächst einmal auf „Bambi“ oder „Hänsel und Gretel“ verzichten.
  7. An digitale Medien heranführen: Auch wenn Bücher natürlich immer noch das beliebteste Medium zum Vorlesen sind, haben digitale Medien auch ihren Reiz, besonders für Eltern, die selbst technikbegeistert, aber keine Leseratten sind.

Die Neugier wecken und fördern

Je älter Kinder werden, desto mehr reift in ihnen auch der Wunsch, selbst lesen zu können. Ab einem Alter von 4 Jahren beginnen viele Kindergartenkinder, sich konkret für die Schriftsprache zu interessieren. Sie erkennen einzelne Buchstaben und werden sich der Bedeutung des Lesens für den Alltag bewusst.

Diese Neugier sollten Sie ruhig nutzen: Statt systematisch mit dem Lesen Lernen anzufangen, versuchen Sie doch einmal, die Wissbegier Ihrer Kinder auf spielerische Art und Weise zu stillen.

Vorlesen nutzen, um Lesen und Schreiben lernen:

  1. Schreiben Sie Ihren Kindern Wörter vor, die sie selbst gerne schreiben möchten (den eigenen Namen, Mama, Papa etc.).
  2. Machen Sie Ihre Kinder auf bekannte Buchstaben in der Umwelt aufmerksam: „Schau mal, ein A, wie bei deinem Namen, Anton!“
  3. „Spielen“ Sie mit Sprache: In diesem Alter haben Kinder viel Spaß am gemeinsamen Singen und an Sprachspielen.
  4. Bedenken Sie beim spielerischen Umgang mit dem Alphabet aber unbedingt, dass Sie Ihrem Kind die einzelnen Buchstaben als Laute vermitteln (H statt Ha).

Die beliebtesten Vorlesebücher ab 3 Jahren

Auf lovelybooks.de haben wir eine tolle Liste mit den beliebtesten Kinderbüchern gefunden, und, wen wundert’s, gleich zwei der Plätze gehen an Astrid Lindgren.

Die Top 5 Vorlesebücher (November 2015):

Platz 1: Wir Kinder aus Bullerbü

von Astrid Lindgren

In Bullerbü zu leben ist das Allerschönste auf der Welt, findet Lisa. Im ganzen Dorf gibt es nur drei Höfe, und Lisa, Lasse, Bosse, Inga, Britta und Ole spielen von früh bis spät. Die besten Tage sind natürlich, wenn Weihnachten ist und man Geburtstag hat. Aber auch sonst ist immer was los. Auf dem Heuboden schlafen, sich verkleiden, Großvater vorlesen und Hütten bauen – all das macht in Bullerbü riesigen Spaß.

Platz 2: Ach, so schön ist Panama

Von Janosch

Tiger und Bär sind dicke Freunde und sie fürchten sich vor nichts, weil sie zusammen wunderbar stark sind.

Platz 3: Der Grüffelo

Von Axel Scheffler

Der große Wald ist voller Gefahren. Da ist es gut, wenn man einen starken Freund hat. Und wenn man keinen hat, erfindet man sich eben einen.

Platz 4: Lotta zieht um

von Astrid Lindgren

Als Lotta aus der Krachmacherstraße eines Morgens den kratzigen Pullover von ihrer Oma anziehen soll, wird sie richtig wütend. Erst schneidet sie ein großes Loch in den Pullover, und dann beschließt sie kurzerhand, von zu Hause auszuziehen. Nicht weit allerdings, nur zu Tante Berg nach nebenan. Denn Lotta möchte natürlich sehen, wie traurig alle sind, wenn sie keine Lotta mehr haben.

Platz 5: Irgendwie Anders

Von Kathryn Cave

So sehr er sich auch bemühte, wie die anderen zu sein, Irgendwie Anders war irgendwie anders. Deswegen lebte er auch ganz allein auf einem hohen Berg und hatte keinen einzigen Freund. Bis eines Tages ein seltsames Etwas vor seiner Tür stand. Das sah ganz anders aus als Irgendwie Anders, aber es behauptete, genau wie er zu sein …

Ihre Vorlesetipps

Wir haben Sie auch auf unsere Facebook-Seite nach Ihren (Vor-)Lesetipps gefragt. Das ist dabei herausgekommen:

Facebook-Frage: Tipps zum Vorlesen gesucht

Viel Spaß beim Vorlesen wünscht Ihre scoyo-Redaktion!

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