Filmtipp "Eltern": Ein Film über Familienmanagement und das ganz normale Chaos

Am 14. November 2013 startete der Film „Eltern“ in den deutschen Kinos. Daniel Bialecki von scoyo, selbst Vater von drei Kindern, hat den Film vorab gesehen und schildert seine Eindrücke.

Familie und Freizeit: Filmtipp "Eltern": Familienmanagement und das ganz normale ChaosKindergeburtstag für Emma | © Oliver Vaccaro - Kundschafter Filmproduktion GmbH

"Eltern": Ein Film, der unterhält und gleichzeitig nachdenklich macht

Den modernen Eltern von heute steht grundsätzlich die ganze Bandbreite von Lebensentwürfen offen: Sie können gleichzeitig Kinder haben, in ihrem Traumberuf arbeiten und eine erfüllte Beziehung leben. Das stimmt inzwischen oftmals für Männer wie für Frauen – rein theoretisch zumindest.

Familie und Freizeit: Filmtipp "Eltern": die moderne Familie von heuteChristine und Konrad leben eine moderne Familie | © Oliver Vaccaro - Kundschafter Filmproduktion GmbHDass die Rechnung in der Realität nicht aufgeht und die Krise genau dann einsetzt, wenn Männer und Frauen gleichzeitig den Versuch starten, alles auf einmal zu leben, zeigt der empfehlenswerte Film "Eltern" von Robert Thalheim. Statt Familienglück bestimmen Konflikte, Überforderung, große und kleine Krisen den Alltag der Frauen und Männer, die am liebsten alles auf einmal haben wollen.

Daniel Bialecki hat "Eltern" vor dem offiziellen Bundesstart am 14. November gesehen. "Ein Film, der gleichzeitig unterhält und nachdenklich macht. Denn er zeigt, wie das gesellschaftliche 'Alles ist möglich' für Eltern zum großen Stress ausarten kann und letztlich in die Krise führt. Wir alle möchten liebevolle Eltern und erfolgreich im Beruf sein. Wir wollen in der Beziehung die Liebe unseres Lebens leben und womöglich auch noch Zeit für Freunde haben. Oft merken wir erst zu spät, dass uns das alles überfordert. Und das eigentlich Tragische ist, dass wir in Gefahr geraten, uns selbst dabei zu verlieren."

Im Film geht es genau um diesen Prozess, und es ist der guten Führung durch Regisseur Thalheimer und den wunderbaren Schauspielern (Christiane Paul, Charly Hübner) zu verdanken, dass die Darstellung weder zu einer depressiven Fallstudie wird noch in albernen Klamauk ausartet: "Eltern" ist gute Unterhaltung und zeichnet dabei ein Bild der modernen Familie in all ihren Möglichkeiten und Grenzen.

Die Handlung des Films "Eltern"

Im Mittelpunkt steht das Paar Christine und Konrad mit seinen beiden Kindern. Sie haben das verwirklicht, was man eine "moderne Familie" nennt: Sie arbeitet als angehende Oberärztin und sorgt für das Einkommen, er bleibt zuhause und kümmert sich um Haushalt und Kinder. Das geht so lange gut, bis Konrad ein Engagement als Theaterregisseur annimmt und damit von einem Tag auf den anderen vom Vollzeit-Papa in den Vollzeitjob wechselt. Da kann auch ein Au-Pair-Mädchen nicht verhindern, dass das bis dahin gut funktionierende Familienmanagement sich in ein einziges Chaos verwandelt. Erst als Konrad sich eine Auszeit von der Familie nimmt und die Familie auseinanderzubrechen droht, wird beiden klar, dass ihr Konzept so nicht funktionieren kann. Konrad und Christine erkennen, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss.

"Eltern": Nur ein Film oder Spiegel heutiger Familiensituationen?

Daniel Bialecki: "Eine scoyo-Studie aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass gut zwei Drittel aller Eltern in Deutschland ihren Alltag als stressig erleben, ein Drittel davon sogar regelmäßig. Der Film vermittelt, dass wir an einigen Stellen unsere eigenen Ansprüche überdenken müssen. Das ist auf jeden Fall richtig, zugleich sollten wir uns aber auch fragen, an welcher Stelle Eltern noch mehr Unterstützung brauchen könnten, damit der Spagat zwischen Familie, Beruf und Partnerschaft besser gelingen kann. Das fängt bei der Betreuung an, geht über familienfreundliche Öffnungszeiten von Geschäften, Behörden und Ämtern und betrifft nicht zuletzt auch den großen Bereich der schulischen Förderung. In den Themen Hausaufgaben, Noten und Schulerfolg liegt ein großes Stresspotenzial für viele Familien – das zeigt auch unsere aktuelle Studie zur Nachhilfe. Danach sehen sich fast drei Viertel aller Mütter und Väter in der Pflicht, ihre Kinder beim Lernen zu unterstützen – auch wenn sie berufstätig sind. Hier brauchen Eltern Angebote, die sie entlasten. Denn die Träume und Wünsche, die Christine und Konrad im Film verwirklichen wollen, haben doch durchaus ihre Berechtigung. Vielleicht geht wirklich nicht alles auf einmal – aber unter Umständen doch eine Menge mehr als bisher."

Familie und Freizeit: Filmtipp "Eltern": das ganz normale Alltags-ChaosChristine versucht zu telefonieren, Emma will ihre Turboschuhe | © Oliver Vaccaro - Kundschafter Filmproduktion GmbH

Informationen zum Film "Eltern"

Regie: Robert Thalheim

Darsteller: Christiane Paul, Charly Hübner, Paraschiva Dragus

Start: 14. November 2013

Daniel Bialecki

Daniel Bialecki Geschäftsführer von scoyoDaniel Bialecki, Geschäftsführer von scoyo | © scoyoDaniel Bialecki, Chief Operating Officer von scoyo, ist selbst dreifacher Vater. Ihn beschäftigt vor allem, mit welchen Methoden Kinder am besten lernen. Dass Motivation und der Spaß am Lernen dazu die richtigen Schlüssel sind, weiß Bialecki nicht zuletzt aus fünf Jahren scoyo, in denen Kinder einen Lernzuwachs von bis zu 64 Prozent erreichten.

Neben seiner Tätigkeit bei scoyo unterstützt Daniel Bialecki die Organisation "Safe the Children" als Onlinebeirat. Zudem arbeitete er 2012 in der Arbeitsgruppe 2 des Nationalen IT-Gipfels an einer Empfehlung für die Bundesregierung zum Thema "Digitalisierung von Bildungsstrukturen" mit.

Bewertung

Bewerten Sie diesen Artikel:
0 von 5 Sternen (0 Bewertungen)
Sie haben diesen Artikel bewertet. Vielen Dank für Ihr Feedback.

Kommentare